Terror in Afghanistan Mehr als 50 Tote bei Attentaten auf Moscheen

Bei einem Selbstmordangriff auf ein schiitisches Gotteshaus in Kabul sind mindestens 39 Menschen getötet worden. Auch in Zentralafghanistan forderte eine Explosion in einer Moschee zahlreiche Todesopfer.

Heute wurde die Imam-Saman-Moschee in Kabul erneut Anschlagsziel (Foto nach einem Attentat von Ende August)
REUTERS

Heute wurde die Imam-Saman-Moschee in Kabul erneut Anschlagsziel (Foto nach einem Attentat von Ende August)


Bei zwei Angriffen auf Moscheen in Afghanistan sind am Freitag mindestens 59 Menschen ums Leben gekommen. Ein Attentat traf ein Gotteshaus in der Hauptstadt Kabul, das andere eine Moschee in der zentralafghanischen Provinz Ghor.

Bei dem Selbstmordattentat in der schiitischen Moschee in Kabul starben mindestens 39 Menschen, teilten afghanische Sicherheitsbehörden mit. Zudem seien mindestens 45 Menschen verletzt worden, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Die Zahlen könnten noch steigen.

Bei dem Anschlag in Ghor im Bezirk Dolaina seien 20 Menschen getötet und zehn verletzt worden, sagte Ministeriumssprecher Wahidullah Madschroh. Der Sprecher der Provinzregierung, Abdullah Khatibi, erklärte, es habe sich um eine sunnitische Moschee gehandelt.

Attentäter kommen an Feiertagen und zum Freitagsgebet

Anwohner der schiitischen Kabuler Moschee berichteten von einer blutverschmierten Gebetshalle und vielen Leichen, die hinausgetragen würden. Der Sprecher der Kabuler Polizei, Basir Mudschahid, sagte, die Explosion habe sich in der Imam-Saman-Moschee im Stadtviertel Dascht-e Bartschi zugetragen. In Dascht-e Bartschi im Westen von Kabul leben mehrheitlich schiitische Hasaras. Zuvor hatte der Sender Tolo TV gemeldet, dass ein Selbstmordattentäter in der Moschee "zugeschlagen" habe.

Es ist bereits der dritte Anschlag auf eine schiitische Moschee in Kabul in knapp zwei Monaten. Ende September waren bei einem Angriff auf eine schiitische Moschee sieben Menschen getötet worden, Ende August starben bei einem weiteren Anschlag mindestens 28 Menschen.

Ein ähnliches Attentat gab es Anfang August auch in der westafghanischen Stadt Herat, damals kamen 29 Menschen ums Leben. Fast jedes Mal kamen die Attentäter, wenn die Moscheen voll waren - entweder an einem hohen Feiertag oder während eines Freitagsgebets.

Wer hinter den Taten steckt, blieb zunächst unklar. Anschläge auf schiitische Moscheen hat bisher fast immer die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) für sich reklamiert.

cht/Reuters/AFP/dpa



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