Terror in Bagdad Rollstuhlfahrer sprengt sich in die Luft

Vor einer Polizeiwache im Norden Bagdads hat sich ein Rollstuhlfahrer in die Luft gesprengt. Zwei Menschen starben, weitere 20 wurden verletzt. Auch in Pakistan gab es einen Anschlag: Extremisten präparierten eine Neunjährige mit einem Sprengstoffgürtel.


Bagdad - Vermutlich wähnten sich die, die ihn sahen in Sicherheit, weil sie glaubten, er sei gehbehindert: Ein Mann im Rollstuhl hat vor einer Polizeiwache im Norden von Bagdad einen Sprengstoffgürtel gezündet und sich in die Luft gesprengt. Zwei Menschen riss der Selbstmordattentäter mit in den Tod, 20 weitere, unter ihnen elf Polizisten, wurden bei dem Anschlag am Sonntag im Vorort Tarmija verletzt, bestätigten Sicherheitskreise in der irakischen Hauptstadt.

Zunächst war unklar, ob der Attentäter den Rollstuhl als Tarnung benutzte oder wirklich behindert war. Im Jahr 2005 hatten die irakischen Behörden einen Mann verhaftet, der aus einem Rollstuhl heraus mit einem Fernzünder Bomben detonieren ließ.

Eine Autobombe tötete am Sonntag in der nordirakischen Großstadt Mossul sechs Menschen. Vier Polizisten wurden verletzt, bestätigte die irakische Polizei. Der Anschlag richtete sich gegen eine Polizeistreife. Die Bombe detonierte in einem am Straßenrand abgestellten Fahrzeug, als die Patrouille vorbeifuhr.

Unter den Toten waren fünf Passanten und ein Polizist. Mossul ist ethnisch und konfessionell stark durchmischt, die Sicherheitslage ist immer noch prekär. Anschläge und Morde ereignen sich dort nahezu täglich.

Mädchen mit Sprengstoffgürtel

Vor wenigen Tagen kam es in Pakistan zu einem Vorfall, der für Aufsehen sorgte: Ein Mädchen mit acht Kilogramm Sprengstoff am Körper näherte sich einem Polizeiposten. Ihr Auftrag: "Ich sollte einen Knopf drücken, wenn ich an dem Posten bin." 50 Meter vor dem Straßenposten wurde das Mädchen festgenommen. Extremisten sollen das Kind entführt haben, um einen Anschlag zu verüben.

Das Mädchen hatte gegenüber der Polizei angegeben, es sei bereits vor einigen Tagen in Peschawar von zwei Frauen und zwei Männern gekidnappt worden. Sie sei betäubt und dann mit einem Auto in die Nähe der Grenze zu Afghanistan gebracht worden, berichtete sie. Sie habe mit der Bombe am Körper den Auftrag bekommen, zu einem Polizeiposten an einer Straße zu gehen.

Ein Polizeisprecher berichtete, dass das Kind bei dem Anschlagsversuch acht Kilogramm Sprengstoff am Körper getragen habe, was für sein Alter ziemlich schwer sei. "Die Körperhaltung war verdächtig."

Wenn die Anschuldigungen stimmen, dann war es das erste Mal, dass ein so junges Mädchen mit Sprengstoff aufgegriffen wurde. Jungen sollen bereits mehrfach in ähnlichen Situationen aufgegriffen worden sein. Die Sicherheitsbehörden in Pakistan fürchten, dass die radikalislamischen Taliban womöglich eine neue "Kampftaktik" einläuten wollen.

jjc/dapd



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