Reaktionen auf Brüsseler Anschläge "Die Werte Europas sind stärker als Hass und Gewalt"

Die Anschläge in Brüssel haben in Europa eine Welle der Solidarität ausgelöst. Von Berlin bis Rom bekunden Politiker ihren Beistand.


Die tragischen Vorfälle in Brüssel einen die Politiker Europas, wie es schon lange nicht mehr der Fall war. Für den Moment fast vergessen scheint der Streit der vergangenen Wochen und Monate um den richtigen Umgang mit Flüchtlingen. Europa ist in seinem Zentrum getroffen. Entsprechend emotional reagieren manche Staats- und Regierungschefs vor allem auf dem Nachrichtendienst Twitter. Italiens Premier Matteo Renzi erklärte, "mit dem Herzen und dem Verstand" in Brüssel zu sein.

Ähnlich warmherzig zeigte sich der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy, der seine Sorgen über die Vorkommnisse in Brüssel äußert und zugleich seine Hilfe und Solidarität anbietet.

Solidarität ist das Wort der Stunde. Kanzleramtschef Peter Altmaier sicherte Belgien deutschen Beistand zu. "Die Terroristen dürfen nie gewinnen! Die Werte Europas sind stärker als Hass und Gewalt! Alle Solidarität für Brüssel und die EU", schrieb der CDU-Politiker. Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, meldete sich ebenfalls auf dem Kurznachrichtendienst zu Wort.

Die Brüsseler Anschläge galten nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière nicht nur Belgien, "sondern unserer Freiheit, unserer Bewegungsfreiheit, der Mobilität und allen, die Teil der EU sind". In Deutschland seien die Sicherheitskräfte sensibilisiert und die Schutzmaßnahmen an den Grenzen sowie an Bahnhöfen und Flughäfen verschärft worden. Es gebe aber bislang keinen Hinweis auf "einen Deutschlandbezug" der Täter. Derzeit gebe es keine Informationen zu deutschen Opfern.

Bundespräsident Joachim Gauck sprach in einem Schreiben an den belgischen König Philippe von "grausamen Terroranschlägen", die ihn "tief erschüttert" hätten. "Deutschland steht angesichts dieser terroristischen Gewaltakte an der Seite Belgiens", schrieb Gauck. "Gemeinsam werden wir unsere europäischen Werte, Freiheit und Demokratie, verteidigen."

Der französische Präsident François Hollande sagte, Europa müsse nun die notwendigen Maßnahmen ergreifen. Frankreich, das selbst im Januar und November vergangenen Jahres Ziel von Attentaten wurde, werde dabei helfen. "Frankreich wird seinen Kampf gegen den Terrorismus unerbittlich fortsetzen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene." Auf Twitter bekundete er ebenfalls seine Solidarität.

Der britische Premierminister David Cameron twitterte: "Ich bin schockiert und besorgt wegen der Ereignisse in Brüssel. Wir werden alles tun, um zu helfen."

Auch außerhalb der Europäischen Union zeigten sich Politiker bestürzt. So schrieb Russlands Ministerpräsident Dmitrij Medwedew: "Die Attacken in Brüssel waren ein krimineller Akt gegen Zivilisten. Wir bekunden den Familien der Opfer unser Mitgefühl."

Doch nicht alle auf Twitter machten bei der Solidaritätswelle mit. Einige Befürworter des EU-Austritts Großbritanniens versuchten, die Anschläge politisch für sich zu nutzen.

Allison Pearson, Kolumnistin der britischen Tageszeitung "Daily Telegraph" schrieb: "Brüssel, die De-facto-Hauptstadt der EU, ist auch die Hauptstadt der Dschihadisten in Europa. Und die EU-Befürworter wagen es zu sagen, wir wären in der EU sicherer!"

Pearson erntete scharfe Kritik, unzählige Twitter-Nutzer warfen der Kolumnistin Geschmacklosigkeit vor.

Die rechtspopulistische Partei Ukip gab eine Pressemitteilung heraus, in der sie die Schuld an den Anschlägen im Schengen-Abkommen suchte. "Offene Grenzen gefährden die Leben europäischer Bürger", schrieb der Ukip-Europaabgeordnete Mike Hookem.

fml/yes



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