Reaktionen nach Brüssel-Anschlägen Trump will wieder foltern

Donald Trump begeistert sich fürs Waterboarding, Ted Cruz will einen antimuslimischen Polizeistaat. Nach den Anschlägen von Brüssel übertrumpfen sich die US-Republikaner mit kruden Aussagen.

Von , New York

US-Republikaner Donald Trump
REUTERS

US-Republikaner Donald Trump


Es ist gut 20 Jahre her, dass Donald Trump zuletzt in Brüssel war. Sagt er. Wann und warum? Man weiß es nicht genau, wahrscheinlich ging es um einen Geschäftsdeal, einen Golfkurs oder eine Geliebte. Jedenfalls fand der Milliardär Gefallen an der Hauptstadt Belgiens: "So wunderschön", erinnerte er sich im Januar, "alles ist so wunderschön."

Doch schon damals nutzte er das Lob für eine Breitseite: Brüssel sei inzwischen "ein Höllenloch", regiert von islamischen Scharia-Gesetzen. Fazit: Extremisten dürften dort tun und lassen, was sie wollten. Typisch Trump: ein bisschen Wahrheit, gewürzt mit Angstmache, Erfindungen und plumpen Klischees, die manche Amerikaner vom Rest der Welt haben.

Nach den Terroranschlägen vom Dienstag sah sich Trump bestätigt. In mehreren TV-Interviews nutzte er den Schock über die Attentate, um die bei seinen Anhängern so populäre Islamhetze zu verbreiten. Brüssel sei eine "schreckliche Stadt", ein "totales Desaster", ein "bewaffnetes Lager" unter der Kontrolle von Kriminellen und - im gleichen Atemzug - Muslimen: "Es gibt eine gewisse Gruppe von Leuten, die es unmöglich macht, ein normales Leben zu führen."

Außenpolitik? Hauptsache: "America first"

Trumps krude Antwort auf die Anschläge von Brüssel - und auch die seiner republikanischen Rivalen - offenbart, wie folgenschwer die US-Präsidentschaftswahlen werden. Die führenden Republikaner-Kandidaten propagieren eine amateurhaft-gefährliche Außen- und Sicherheitspolitik, wie es sie lange nicht mehr zu hören gab. Diese Politik - wenn man sie so nennen kann - hatte Trump ausgerechnet am Tag vor den Anschlägen dargelegt: Isolationismus? Interventionismus? Eine Nato ohne die USA? Ein improvisiertes Durcheinander - Hauptsache, "America first".

Der Terror von Brüssel stellte dieses theoretische Durcheinander nun auf die Probe. Trumps Reaktion: Man müsse Terroristen und ihre Familien "zur Hölle bombardieren", die Grenzen dichtmachen, vor allem keine Muslime mehr reinlassen.

Und außerdem sollten die USA wieder foltern. "Wenn es nach mir ginge, fände ich Waterboarding in Ordnung", sagte er im TV-Network NBC. "Und wenn sie die Gesetze ausweiten könnten, würde ich noch viel mehr tun als Waterboarding."

Mehr noch: Hätte man den am Freitag gefassten mutmaßlichen Paris-Attentäter Salah Abdeslam gefoltert, so malte Trump es sich aus, hätte der die Brüsseler Pläne bestimmt "viel schneller" preisgegeben.

Cruz plädiert für antimuslimischen Polizeistaat

Sicher ist die Terrorwelle in Europa auch eine Folge der gescheiterten Nahost-Politik von US-Präsident Barack Obama. Die republikanische Alternative jedoch, so zeigt sich nun überdeutlich, ist kaum erstrebenswerter.

Trumps Parteigegner Ted Cruz distanzierte sich von Trump - indem er ihn zu übertreffen suchte. "Trump liegt falsch, dass sich Amerika aus der Welt zurückziehen und seine Alliierten im Stich lassen sollte", sagte der Tea-Party-Senator, der als Einziger vielleicht noch eine Chance hat, Trump auszubremsen.

Cruz' Rezept gegen den Terror ist noch radikaler. Er plädiert erstens für einen Einreisestopp für Passagiere aus Ländern, in denen die Terrorgruppen al-Qaida und IS aktiv sind. Zweitens würde er einen antimuslimischen Polizeistaat aufbauen: Amerika müsse "seine Einsatzkräfte ermächtigen, in muslimischen Vierteln zu patrouillieren und sie abzusichern, bevor sie radikalisiert sind".

Obama ist entgeistert

Solche Vorschläge, auch wenn sie nur Wahlkampfgepolter sind, entgeistern nicht nur Obama, der sich an diesem Mittwoch während seines Argentinien-Besuchs scharf dagegen wandte. Sie verwundern auch den letzten verbliebenen Republikaner-Kandidaten, der noch nicht an den populistischen Rand abgedriftet ist.

Die "breite, breite Mehrheit" der Muslime sei friedlich, versicherte John Kasich, der Gouverneur von Ohio, als bestünden daran tatsächlich Zweifel. "Wir befinden uns nicht im Krieg mit dem Islam."

Der moderate, vergleichsweise vernünftige Kasich hat rechnerisch schon längst keine Aussichten mehr auf die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner.

US-Vorwahlen



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 52 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
FairPlay 23.03.2016
1. In der Bibel
steht, so dich einer auf deine Wange schlägt halte ihm auch die Rechte hin. Beides, auch die Ansicht von Trump ist nicht akzeptabel. Schaut man auf den Terrorismus hin, so hinkt die freie Welt stets hinterher. Bis dahin kann es jeden treffen. Also warten wir wann es wen trifft.
Havel Pavel 23.03.2016
2. Typisch USA- safety first!
Die Amerikaner sind halt nun mal sicherheitsvernarrt und solche Aussagen fallen bestimmt auf fruchtbaren Boden. Im waffenverliebten und militärisch am höchsten gerüsteten Land der Welt sollte dies niemand verwundern.
RobinSeyin 23.03.2016
3.
"Terroristen und ihre Familien gehörten "zur Hölle gebombt"" Das ist nichts neues, das sagt Trump schon immer, ein Anwärter auf die US Präsidentschaft, der öffentlich Kriegsverbrechen fordert, denn nichts anderes ist es, wenn man die Familien solcher Leute zu Zielen macht. Das ist nebebei genau die Argumentation von Terroristen. Umfangreiche Rache. Das Ganze entstand ja nicht aus dem Nichts, es waren ja wir, die den Nahen Osten in Brand gesteckt haben, erst dann folgte der Terrorismus, nicht umgekehrt.
kuac 23.03.2016
4.
Falls ein Selbstmordattentäter ein Saudi wäre, würde Trump seine Familie in Mekka zur Hölle bombardieren? Sicher nicht. Nur heisse Luft, sonst nicht.
nichtsnutz2 23.03.2016
5.
Ich dachte immer Trump sei ein guter da er gegen TTIP ist. Mal im ernst: Trump und Cruz sind beide eine Gefahr für die USA und den Rest der Welt wenn man sich deren Äusserungen in den letzten Monaten ansieht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.