Terror in der Türkei Anschlag vor Einkaufszentrum erschüttert Ankara

Leichen auf der Straße, zersplitterte Fenster, Trümmer überall: Bei einer Bombenexplosion in der türkischen Hauptstadt sind sechs Menschen getötet und 80 verletzt worden. Die Polizei fand Spuren von Sprengstoff, verdächtigt Kurden-Extremisten - und verhaftete sieben Männer.


Ankara - Die Explosion vor einem Einkaufszentrum an einer belebten Straße im Bezirk Ulsus ereignete sich am späten Nachmittag während des Feierabendverkehrs. Der Anschlag war einer der schwersten seit Jahren in der türkischen Hauptstadt. Premierminister Tayyip Erdogan machte sich ein Bild vor Ort. "Es war ein teuflischer, ruchloser Terroranschlag zu Ankaras geschäftigster Tageszeit", sagte er.

Der Bezirk Ulus, in dem das Einkaufszentrum liegt, ist unter anderem wegen seiner Basare bei Touristen beliebt. Die Explosion ließ Fenster im weiten Umkreis zerbersten, verwüstete den Eingang des Einkaufszentrums. "Das ist die grausamste Szene, die ich je gesehen habe", sagte Ankaras Bürgermeister Melih Gokcek. "Es macht mich sehr traurig." Drei verstümmelte Leichen lagen noch lange nach der Explosion auf der Straße vor dem fünfstöckigen Gebäude, Sanitäter brachten blutüberströmte Verletzte in Krankenhäuser. Die Polizei evakuierte die Gegend und sperrte sie weitläufig ab.

Nach Angaben des türkischen Fernsehsenders NTV wurden sieben Männer festgenommen. "Die Polizei arbeitet daran herauszufinden, ob es sich um eine Paketbombe oder um einen Selbstmordattentäter handelte", sagte Erdogan.

Aus Polizeikreisen drang nach außen, dass die Ermittler ihr Augenmerk auf die kurdische Untergrundorganisation PKK richten. Am Explosionsort hatten sie Spuren des Plastiksprengstoffs A-4 gefunden. In den vergangenen zwei Monaten waren bei Razzien rund 200 Kilogramm des Sprengstoffs A-4 bei Aktivisten der kurdischen Separatistenbewegung sichergestellt worden. Die Attentäter könnten sowohl die wichtige Sommer-Tourismussaison im Blick gehabt haben als auch die Wahlen im Juli.

Über die Nationalität der Getöteten gibt es unterschiedliche Angaben. Es seien vier Türken und ein Pakistaner ums Leben gekommen, sagte Erdogan. Der Sprecher der pakistanischen Botschaft dementierte diese Zahlen. Acht Landsleute seien verletzt worden, aber niemand tödlich, sagte er. Fest steht, dass am Abend ein sechster Mann im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.

Zeugen berichten von verdächtigem Paket

Der Gouverneur von Ankara, Kemal Onal, war anfangs noch von einem Unfall ausgegangen. Zeugen berichteten jedoch schon kurz nach der Explosion, dass in der Nähe einer Bushaltestelle ein verdächtiges Paket abgelegt worden sei.

Ankaras Polizeipräsident Ercüment Yilmaz brach wegen des Vorfalls seine Teilnahme an einer Tagung in Berlin ab. Er hatte dort an einer Tagung von Polizeipräsidenten aus 38 europäischen Hauptstädten teilgenommen.

In der Vergangenheit haben kurdische Separatisten, linke Militante und islamische Extremisten Bombenanschläge in der Türkei verübt. Am 15. November 2003 starben 30 Menschen und wurden 146 verletzt, als ein Selbstmordattentäter sich in seinem Auto nahe zwei Synagogen in Istanbul in die Luft sprengte - der Auftakt zu einer Serie von Anschlägen in den vergangenen Jahren.

kaz/Reuters/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.