Terror in Indien: Mumbai-Attentäter putschten sich mit Kokain auf

Mehr als 60 Stunden kämpften die Terroristen von Mumbai, schossen um sich, zündeten immer wieder Granaten. Jetzt ist bekannt geworden, wie sie die Gewaltorgie durchhalten konnten: mit Hilfe von Drogen. Indien fordert nun die Auslieferung von 20 Verdächtigen aus Pakistan.

Mumbai - An den Anschlagsorten in Mumbai fanden die Ermittler Drogen. Spuren von LSD und Kokain seien festgestellt worden, auch im Blut der Terroristen seien Aufputschmittel nachgewiesen worden, berichtet der britische "Telegraph" unter Berufung auf Behördenvertreter. Zudem hätten sich die Angreifer, die wohl in Pakistan trainiert wurden, durch Steroide in Form gebracht. Einer der Terroristen habe trotz einer lebensbedrohlichen Infektion weiter gekämpft.

Ort des Terrors: Einschusslöcher in der Scheibe des Café Leopold
REUTERS

Ort des Terrors: Einschusslöcher in der Scheibe des Café Leopold

Inzwischen hat die indische Regierung von Pakistan als Geste des guten Willens die Auslieferung von rund 20 Terrorverdächtigen verlangt. Diese Forderung sei in einer am Vortag übergebenen Protestnote enthalten, sagte Außenminister Pranab Mukherjee am Dienstag. Pakistan müsse auf seinem Territorium Personen, die von der indischen Justiz gesucht würden, festnehmen und ausliefern. Pakistan wird die Bitte nach den Worten von Informationsministerin Sherry Rehman prüfen.

Indiens Außenministerium hatte am Montag betont, wenn Pakistan wie erklärt eine qualitativ neue Beziehung anstrebe, müsse es entsprechend handeln. Zu den von der Regierung in Neu-Delhi benannten Verdächtigen gehört Medienberichten zufolge der meistgesuchte Mann Indiens, Dawood Ibrahim. Er wird für die Bombenanschläge in Mumbai im Jahr 1993 verantwortlich gemacht, bei denen mindestens 250 Menschen getötet wurden. In Berichten ist er aber auch mit der jüngsten Anschlagsserie in der Finanzmetropole in Verbindung gebracht worden.

Außerdem soll auf der Liste der pakistanische Geistliche Maulana Masood stehen, der als Geldgeber der Extremistengruppe Lashkar-i-Toiba gilt. Der Organisation wird der Anschlag auf das indische Parlament 2001 angelastet. Indischen Ermittlern zufolge soll sie auch die Täter der jüngsten Anschläge in Mumbai ausgebildet haben. Die Anschläge belasten die zuletzt etwas entspannten Beziehungen zwischen den beiden Atommächten und mehrfachen Kriegsgegnern schwer. Pakistan hat Indien aufgefordert, eine Konfrontation zu vermeiden, und seine Kooperation angeboten.

Der indische Geheimdienst soll schon im September über Planungen für Terroranschläge in Mumbai Bescheid gewusst haben. Die Informationen über mögliche Angriffe durch Attentäter aus Pakistan seien an die Sicherheitsbehörden weitergegeben worden, sagte ein Gewährsmann am Dienstag. Die Regierung ist wegen möglicher Versäumnisse im Zusammenhang mit der Terrorwelle in die Kritik geraten.

CNN meldete am Dienstag, die USA hätten die indische Regierung bereits einen Monat vor den Anschlägen über möglicherweise bevorstehende Angriffe informiert. Die US-Geheimdienste hätten darauf hingewiesen, dass eine militante Gruppe das Land über den Seeweg bei Mumbai entern könnte, berichtet der Sender unter Berufung auf einen US-Beamten aus dem Bereich Terrorbekämpfung. Dem Bericht zufolge bestätigte auch ein indischer Sicherheitsmann CNN, dass es Warnungen aus den USA gegeben habe - sogar zweimal. Das Gebiet sei daraufhin in einen höheren Alarmzustand versetzt worden. Diese Vorsichtsmaßnahmen seien möglicherweise zu früh wieder reduziert worden.

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Den Angriffen fielen vergangene Woche 172 Menschen zum Opfer, 239 weitere wurden verletzt. Zu dem Terrorkommando, das die Finanzmetropole 60 Stunden lang in Atem hielt, sollen lediglich zehn Attentäter gehört haben. Den Sicherheitskräften wird vorgeworfen, völlig unvorbereitet gewesen zu sein.

Innenminister Shivraj Patil reichte bereits seinen Rücktritt ein. Ministerpräsident Manmohan Singh will sich am Dienstag mit seinen wichtigsten Sicherheitsberatern treffen, um über mögliche Fehler der Behörden und Konsequenzen für die Zukunft zu beraten.

ler/AP/Reuters

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