Nach Terroranschlag Trump twittert gegen Londons Bürgermeister

Sieht so Solidarität nach einem Anschlag aus? US-Präsident Donald Trump regt sich bei Twitter über den Londoner Bürgermeister auf. Der reagiert gelassen.

US-Präsident Donald Trump (Archivbild)
REUTERS

US-Präsident Donald Trump (Archivbild)


Immerhin: Nach dem Anschlag in London sagte Donald Trump in einem Tweet den Briten die Unterstützung seines Landes zu: "Was auch immer die Vereinigten Staaten tun können, um in London und im Vereinigten Königreich zu helfen, wir werden da sein - wir sind bei euch. Gottes Segen", schrieb der US-Präsident.

Doch dabei belässt er es nicht. In einer weiteren Kurznachricht kritisiert er den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan: "Mindestens sieben Tote und 48 Verletzte nach einem Terroranschlag und Londons Bürgermeister sagt, es gebe keinen Grund, Angst zu haben!", so Trump.

Tatsächlich hatte Khan in einem Fernsehinterview die Londoner Bürger darauf hingewiesen, es gäbe keinen Grund sich zu fürchten oder alarmiert zu sein - womit er sich darauf bezog, dass man sich keine Sorge über die weiterhin hohe Polizeipräsenz machen solle. "Was die Polizei und alle von uns nun tun müssten, ist dafür zu sorgen, dass wir so sicher sind wie möglich", sagte Khan.

Nach dem Anschlag im März hatte der Sohn des US-Präsidenten, Donald Trump jr., ähnlich reagiert und Khan angegriffen.

Der Londoner Bürgermeister reagierte nicht auf die Provokation des Präsidenten. Ein Sprecher stellte laut "Times"-Kolumnist Matt Chorley klar, Khan habe Wichtigeres zu tun, als auf Trumps schlecht informierten Tweet zu antworten, der seine Bemerkung, die Londoner sollten wegen der weiter erhöhten Polizeipräsenz nicht alarmiert sein, bewusst aus dem Kontext gerissen habe.

Auch mit der Art des Anschlags setzt sich Trump auf seine ganz eigene Art und Weise auseinander: "Merkt ihr, dass wir gerade keine Debatte über Schusswaffen führen? Das liegt daran, dass sie Messer und einen Lkw benutzten!"

Warum nach einem Terroranschlag in London über Schusswaffen diskutiert werden muss, ist ohnehin fraglich. Das Waffenrecht in Großbritannien unterscheidet sich von dem US-amerikanischen. Und während in den USA Jahr für Jahr mehr als 8000 Menschen erschossen werden, waren es in den vergangenen Jahren in England und Wales binnen einem Jahr zwischen 19 und 59 Menschen.

Tweeten, bevor es gesicherte Informationen gibt

Schon bevor gesicherte Informationen zum Anschlag vorlagen, teilte Trump einen Bericht des erzkonservativen Portals "Drudge Report". Darin heißt es: "Furcht vor einer neuen Terrorattacke, nachdem ein Van auf der London Bridge 20 Menschen niedermäht".

Die US-Nachrichtensendung "NBC Nightly News", die die Tweets des Präsidenten in der Regel wiedergibt, weigerte sich, den Inhalt dieser Kurznachricht weiterzuverbreiten: "Präsident Trump hat einen Bericht über den Vorfall in London über Twitter geteilt", teilte die Sendung über ihren Account mit. "Wir verbreiten den Retweet des Präsidenten nicht, weil die Informationen nicht bestätigt sind."

Trump warb anlässlich des Anschlags auch für sein umstrittenes Einreiseverbot für Menschen aus mehrheitlich muslimischen Ländern. In einem ersten Tweet kurz nach der Nachricht über die Vorfälle hatte Trump betont, dass die USA "smart, wachsam und hart" sein müssten. So brauche das Land als eine zusätzliche Schutzmaßnahme die von ihm verfügten - und von Gerichten blockierten - Einreiseverbote, schrieb Trump. Der US-Präsident forderte: "Die Gerichte müssen uns unsere Rechte zurückgeben!"

Ganz anders reagierte Trumps Verteidigungsminister, General James Mattis, auf die Nachricht von den Anschlägen in London: "Ich weiß noch nicht genug darüber", sagte Mattis wenige Stunden nach dem Anschlag vor Reportern in Singapur. "Ich setzte mich gerne mit Sachen auseinander, bevor ich über sie spreche. Ich werde es mir erst einmal ansehen."

Viele Twitter-Nutzer äußerten den Wunsch, Trump möge sich Mattis als Beispiel nehmen.

wbr/asa/AP



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