Terror in Mumbai Sondereinheiten stürmen besetzte Luxushotels

Auch Stunden nach den Terrorattacken im indischen Mumbai befinden sich noch immer Dutzende Geiseln in der Hand der Terroristen. Vermummte Polizisten dringen in die besetzten Luxushotels ein. Vor den Gebäuden sind Krankenwagen vorgefahren.


Mumbai - Vermummte Elitekräfte stürmten das Taj Mahal, Schüsse waren zu hören. Nach Angaben von Soldaten, die das Hotel umstellt haben, gehen die Einheiten gezielt von Zimmer zu Zimmer und halten nach Angreifern und Sprengfallen Ausschau. Journalisten wurden zurückgedrängt. Per Lautsprecher forderte die Polizei die Menschen auf, den Platz zu räumen. Vor dem Hotel, das teilweise brennt, fahren laut Augenzeugen Krankenwagen auf.

Auch rund um das Hotel Oberoi formieren sich Einsatzkräfte. Gegenüber haben Scharfschützen auf den Dächern Stellung bezogen. Aus einem der Fenster des Hotels hängt ein Banner mit der Aufschrift "Rettet uns". Nach Angaben lokaler Fernsehsender haben Polizei und Spezialeinheiten eine Aktion zur Befreiung der Geiseln gestartet. Offiziellen Schätzungen zufolge befinden sich allein dort 100 bis 200 Geiseln in der Gewalt von rund einem Dutzend Kidnappern. Verhandelt wird nach Behördenangaben nicht.

Ein Deutscher, der aus dem Taj Mahal entkommen konnte, berichtete, zwei seiner Kollegen seien noch immer im Hotel gefangen. "Wir haben Berichte von anhaltenden Schießereien, vor allem aus dem Taj Mahal", sagte ein Polizeisprecher. Mindestens zwei der gefangenen Gäste riefen über ihre Handys TV-Sender an. Einer sagte, die Türen der Notausgänge seien verschlossen, der andere berichtete von zwei Leichen im Swimmingpool der Hotelanlage.

Gruppen schwerbewaffneter Angreifer hatten am Mittwochabend wild um sich schießend unter anderem zwei Luxushotels, ein beliebtes Restaurant, Krankenhäuser und einen Bahnhof gestürmt. Fernsehbilder zeigten Bewaffnete auf einem Pick-up, die während der Fahrt durch das Stadtzentrum von Mumbai in die Menschenmenge schossen. Eine bislang unbekannte Gruppe namens Deccan Mujahideen hat sich in E-Mails an indische Medien zu der Anschlagsserie bekannt. Schulen und Universitäten sind aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Bei den Angriffen auf mindestens zehn verschiedene Ziele sind mindestens 101 Menschen ums Leben gekommen, mehrere hundert weitere wurden verletzt. Unter den Todesopfern sind zwölf Polizisten. Polizeisprecher A.N. Roy sagte, unter den Toten seien drei ranghohe Beamte - darunter der Chef der Anti-Terror-Einheit.

Unter den Opfern sind auch Ausländer: Ein Japaner wurde getötet, ein zweiter Japaner wurde verletzt. Bei Schusswechseln mit den Sicherheitskräften kamen bis zum Morgen auch neun Terroristen ums Leben.

Aus Krankenhäusern verlautete, neun Europäer seien verletzt eingeliefert worden. Alle seien Gäste des Hotels Taj Mahal. Schießereien wurden auch von einem Bahnhof, einer Polizeiwache und von Leopold's Restaurant gemeldet, einem beliebten Touristenziel. Dabei wurden teilweise auch Handgranaten gezündet.

Augenzeugen zufolge suchten die Angreifer gezielt Briten und Amerikaner. Im Taj Mahal hätten sie gerufen: "Wer hat amerikanische oder britische Pässe?" berichtete der Brite Ashok Patel, der aus dem Hotel entkam. Dort wohnte auch eine europäische Parlamentariergruppe.

Auch ein jüdischer Rabbi und seine Familie wurden offenbar von den Angreifern als Geiseln genommen. Die Familie sitze in einem Wohngebäude im Süden der Stadt fest, sagte ein Sprecher des jüdischen Verbands von Indien.

Attentäter fordern Freilassung aller inhaftierten Islamisten

Ersten Angaben zufolge fordern die Attentäter die Freilassung aller in Indien inhaftierten Islamisten. Die Muslime in Indien sollten nicht länger verfolgt werden, sagte einer der im Hotel Oberoi verschanzten Angreifer am Donnerstag in einem Telefongespräch mit dem Fernsehsender India TV. Im Namen der Organisation Deccan Mujahideen forderte er, alle in indischen Gefängnissen sitzenden radikalen Muslime freizulassen.

Mumbai ist wiederholt Schauplatz von Terrorakten gewesen, für die meist islamische Extremisten verantwortlich gemacht wurden. Bei einer Serie von Bombenexplosionen im Juli 2006 kamen 187 Menschen ums Leben. Seit Mai hat sich eine Gruppe namens Indian Mujahideen zu mehreren Anschlägen bekannt, bei denen mehr als 130 Menschen getötet wurden - allein 21 waren es zuletzt im September in der Hauptstadt Neu-Delhi.

In Berlin erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier: "Die Bundesregierung verurteilt die Anschläge in Mumbai auf das Schärfste." Das Generalkonsulat stehe in engem Kontakt mit indischen Stellen und bemühe sich um Aufklärung, ob Deutsche betroffen seien. Der britische Außenminister David Miliband sagte, die Anschläge zeigten erneut das Ausmaß der Bedrohung, das von gewaltsamen Extremisten ausgehe. In Washington sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto: "Wir verurteilen diese Angriffe und den Verlust von unschuldigem Menschenleben."

ffr/AP/Reuters/dpa/AFP



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