Terror in Nahost Mehrere Tote bei Schießerei in Süd-Israel

Blutige Terrorserie nahe dem Badeort Eilat: Bei einer Schießerei im Süden Israels sind mehrere Menschen ums Leben gekommen - mindestens drei Angreifer hatten das Feuer auf Fahrzeuge eröffnet. Nach Angaben von Premier Netanjahu wurden alle Terroristen getötet.

REUTERS

Jerusalem - Bei mehreren Anschlägen sind am Donnerstag im Süden Israels nach mindestens fünf Menschen getötet worden. Nach Angaben der Rettungsdienste gab es fünf Todesopfer, nach Angaben des Militärradios wurden sechs Menschen getötet - andere Medien sprechen von sieben Todesopfern.

Nicht nur die Zahl der getöteten Zivilisten, auch die Zahl der Terroristen ist weiter unklar. Wie israelische Fernsehsender berichteten, beschossen mindestens zwei Angreifer nahe dem Badeort Eilat am Roten Meer zwei Fahrzeuge mit automatischen Waffen und einer Panzerabwehrrakete - darunter auch einen Bus.

Der Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Ofir Gendelman, sprach von drei Terroristen - welche von Spezialkräften der Polizei getötet worden seien. Unbestätigten Berichten des Militärs zufolge bestand die Gruppe der Angreifer sogar aus sieben Männern. Nach Angaben der israelischen Regierung wurden 30 weitere Personen verletzt.

Deutsche sind ersten Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes nicht betroffen. Die Identität der Täter ist bislang unklar.

Fotostrecke

7  Bilder
Israel: Terrorserie nahe Eilat
TV-Bilder zeigten Einschusslöcher in den Scheiben des Busses. Dem israelischen Militär zufolge wurde auch ein Auto mit den schweren Waffen attackiert, in anderen Berichten ist dagegen davon die Rede, dass zwei Busse angegriffen wurden. Das Militär teilte mit, ein Reisebus sei beschossen worden, als er auf der Verbindungsstraße in die Touristenmetropole unterwegs war.

Verfolgungsjagd mit Helikoptern

Ersten Erkenntnissen zufolge setzten die Attentäter auch panzerbrechende Waffen und Mörser ein, sagte Armeesprecher Joab Mordechai. Wie die Armee weiter mitteilte, wurden mehrere Menschen verletzt, als ein Armeefahrzeug über eine Sprengfalle fuhr.

Die Polizei hatte mit zwei Helikoptern die Verfolgung aufgenommen und die Angreifer schließlich gestellt, hieß es in Berichten weiter. Dabei hätten sich die Bewaffneten und eine Spezialeinheit der Polizei Schusswechsel geliefert, berichtete das israelische Radio.

Die staatliche Transportgesellschaft Egged, zu der das erste Fahrzeug gehörte, erklärte, in dem Bus hätten sich zahlreiche Soldaten auf dem Weg von Beerscheba nach Eilat befunden, wo sie das Wochenende am Meer verbringen wollten. Die Straße nach Eilat führt zum Teil unmittelbar an der Sinai-Grenze zu Ägypten entlang. Israel hat vor kurzem damit begonnen, entlang des Abschnitts eine Befestigung zu bauen. Die Grenze dort ist über weite Strecken derzeit nur durch einen Zaun gesichert.

"Angriff aus dem Gaza-Streifen"

Regierungsvertreter hatten sich vor kurzem besorgt geäußert, Extremisten im Sinai könnten ein Sicherheitsvakuum nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak ausnutzen. Aus ägyptischen Sicherheitskreisen hieß es, ein Angriff auf den Bus von der ägyptischen Seite der Grenze sei unwahrscheinlich. Bei Sicherheitskontrollen sei nichts Verdächtiges aufgefallen.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak machte palästinensische Täter für den Angriff verantwortlich. Die Angriffe "kommen vom Gaza-Streifen", erklärte Barak. Israel werde energisch reagieren. Der Rundfunk zog unterdessen eine Meldung zurück, wonach es kurz nach den Angriffen eine Explosion in Beerscheba, der Hauptstadt der Negev-Region, gegeben habe.

Hamas preist Attentäter

Die im Gaza-Streifen herrschende radikalislamische Hamas-Organisation wies die Vorwürfe zurück. "Ich glaube nicht, dass Hamas hinter den Angriffen steht", sagte das führende Hamas-Mitglied Ahmed Jussef. "Aber wir preisen die Attentäter, denn sie haben israelische Soldaten angegriffen", fügte Jussef hinzu. Israel greife den Gaza-Streifen "täglich" an. Die Hamas beherrscht den Landstrich seit Mitte Juni 2007.

Nach früheren Anschlägen hatten israelische Kampfflugzeuge Angriffe auf Ziele in dem kleinen Palästinensergebiet am Mittelmeer geflogen. Nach Angaben von Reportern würden jetzt viele Bewohner von Gaza sich angesichts möglicher Luftangriffe mit Benzin und Nahrungsmitteln eindecken.

Es ist das zweite schwere Terroranschlag in Israel in diesem Jahr. Am 23. März waren in Jerusalem eine Frau getötet und Dutzende Menschen verletzt worden. Der Sprengsatz explodierte nach Polizeiangaben in einer Tasche, die ein mutmaßlich palästinensischer Attentäter an einer Haltestelle nahe der zentralen Busstation abgestellt hatte.

hen/amz/dpa/AFP/dapd/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.