Terror in Paris Polizei beendet zwei Geiselnahmen

Der Terror ist vorbei: Die französische Polizei hat sowohl die Druckerei nordöstlich von Paris als auch den Supermarkt im Osten der Hauptstadt gestürmt. Die "Charlie Hebdo"-Attentäter wurden getötet. Auch Geiseln kamen ums Leben.


Paris - Die französische Polizei hat am Freitag mit einem Großeinsatz zwei Terrorangriffe beendet: Sie stürmte die Druckerei in dem Ort Dammartin-en-Goële nordöstlich von Paris, wo sich die beiden Hauptverdächtigen des Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" verschanzt hatten. Die beiden Attentäter wurden getötet. Die Geisel, die sie in ihrer Gewalt hatten, konnte befreit werden.

Gleichzeitig stürmten Spezialeinheiten einen jüdischen Supermarkt im Osten von Paris. Dort hatte ein schwer bewaffneter Mann mehrere Menschen in Geiselhaft genommen. Bei der Erstürmung des Gebäudes soll der Terrorist getötet worden sein. Er gilt als möglicher Komplize der beiden Attentäter von "Charlie Hebdo".

Der französische Präsidenten François Hollande bestätigte den Tod von vier Geiseln. Er nannte die doppelte Geiselnahme eine "Tragödie für die Nation". In einer im Fernsehen live übertragenen Rede bezeichnet er die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt als "antisemitischen Akt".

Aus dem Supermarkt in Vincennes seien 15 Geiseln gerettet worden, vier seien tot. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf die israelische Regierung. Der französische Regierungschef Manuel Valls sagte in Paris, Präsident Hollande selbst habe den Befehl zum Doppelschlag gegen die Terroristen gegeben.

Wie französische Medien unter Berufung auf Ermittler berichteten, unterlief dem Geiselnehmer im Supermarkt ein Missgeschick: Nachdem er von einem Telefon im Laden einen Bekannten anrief, vergaß er aufzulegen. Die Polizei konnte danach live mithören, was im Markt vor sich ging. Dadurch wussten die Beamten, was der Attentäter vorhatte.

In welchem Verhältnis stehen die drei Terroristen?

Die beiden "Charlie Hebdo"-Attentäter Chérif, 32, und Saïd Kouachi, 34, waren am Freitag nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei in das Gebäude in der Nähe des Pariser Flughafens Charles de Gaulle geflüchtet.

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Terror in Frankreich: Zugriff in der Dunkelheit

Bei dem Geiselnehmer aus dem jüdischen Supermarkt handelt es sich mutmaßlich um den 32-jährigen Amedy Coulibaly. Mehrere Medien hatten unter Berufung auf Sicherheitskreise gemeldet, Coulibaly habe mit der Tötung seiner Gefangenen gedroht, sollte die Druckerei in Dammartin-en-Goële gestürmt werden. Coulibaly soll zudem für die Tötung einer französischen Polizistin am Donnerstag verantwortlich sein. Auch seine Partnerin wird von der Polizei gesucht. Über ihre Rolle gibt es noch keine gesicherten Informationen.

Fast 90.000 Polizisten im Einsatz

An der Suche nach den Attentätern von "Charlie Hebdo" beteiligten sich fast 90.000 Einsatzkräfte. Am Freitagmorgen verfolgten Anti-Terror-Einheiten zunächst ein Fahrzeug auf einer Autobahn in der Nähe von Dammartin-en-Goële. Dabei fielen Schüsse. Polizeilaster, Rettungswagen und gepanzerte Fahrzeuge rasten zum Tatort, der wenige Kilometer vom Flughafen Charles de Gaulle entfernt liegt.

Die Stadtverwaltung von Dammartin-en-Goële forderte die 8000 Einwohner auf, nicht auf die Straße zu gehen. Polizisten und Spezialeinheiten riegelten Zufahrten zu der Stadt ab. Schulen wurden evakuiert.

mka

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Seite 1
ich.persönlich 09.01.2015
1.
Gott sei Dank ist es vorbei. Egal, welchem Gott auch immer man danken möchte.
fredadrett 09.01.2015
2. Verhaften war nicht vorgesehen
Es war abzusehen das hier keine Gefangenen gemacht werden sollten. Zum einen weil zwei Polizisten ermordet wurden und zum anderen um den Terroristen keine Bühne bei einem Prozess zu geben. Dann hätte man sich auch mit der Forderung nach der Todesstrafe auseinandersetzen müssen.
tlatz 09.01.2015
3. Verhaften
Zitat von fredadrettEs war abzusehen das hier keine Gefangenen gemacht werden sollten. Zum einen weil zwei Polizisten ermordet wurden und zum anderen um den Terroristen keine Bühne bei einem Prozess zu geben. Dann hätte man sich auch mit der Forderung nach der Todesstrafe auseinandersetzen müssen.
Mit Verlaub, das halte ich für Unsinn. Ich bin sicher, die französischen Sicherheitsbehörden hätten die Herrschaften mit Freuden verhört. Man will ja wissen, mit wem man sich sonst noch befassen sollte. Aber wie will man zwei Verrückte verhaften, die sich mit ihrem Tod abgefunden haben und damit drohen, diverse Geiseln beim ersten Anzeichen eines Angriffs zu töten. Da geht dann nur das Kampfunfähigmachen so schnell wie nötig und das geht nun mal nur mit ein paar Kugeln in lebenswichtigen Organen.
bolzenbrecher 09.01.2015
4. Welchen Wert hat eine Geisel?
Für Regierungen spielen Geiseln nur dann eine Rolle, wenn es sich um reiche Säcke oder korrupte Politiker handelt. Jeder andere kann nur beten, dass bei der Stürmung durch die Polizeiroboter, keine Kugel in die eigene Richtung saust. Ich hätte mehr Angst vor den Polizeirobotern, als vor den Geiselgangstern. 4 Geiseln wurden heute durch den Zugriff getötet - nicht durch die vermeintlichen Terroristen. In was für einer Zeit leben wir nur? Schlagzeile: Der Terror ist vorbei? Nein...es hat erst begonnen. Und die wahren Terroristen laufen nicht mit einer Waffe umher. Sie sitzen in der Regierung und haben Kugelschreiber.
kneppe 09.01.2015
5. Es ist vorbei ?
Wohl eher nicht ! Es sei denn die weltweite Politik macht eine Kehrtwende.
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