Terror in Somalia Opferzahlen korrigiert - mehr als 350 Tote bei Attentat in Mogadischu

Es war der schwerste Anschlag in Somalias gewalttätiger Geschichte: Eine Woche nach der Explosion einer Lastwagenbombe im Mogadischu ist die Zahl der Opfer noch einmal nach oben korrigiert worden.

AP

Schon am vergangenen Wochenende war die Zahl der bei einer Lastwagen- und Bombenattacke in Somalias Hauptstadt Getöteten entsetzlich hoch. Nun musste sie noch einmal nach oben korrigiert werden: Bei dem verheerenden Attentat, das mehrere Gebäude komplett zerstörte, starben mindestens 358 Menschen, 228 wurden verletzt. Das teilte der somalische Informationsminister Abdirahman Osman mit.

Am Freitag hatten sich Tausende Einwohner Mogadischus am Ort des Attentats zu einem gemeinsamen Gebet unter freiem Himmel versammelt. Bereits am Mittwoch waren mehrere Tausend Menschen in der Hauptstadt gegen Terrorismus auf die Straße gegangen. Die Menschen hielten Plakate mit der Aufschrift "Weg mit Al-Shabab", auch wenn sich noch keine Terrorgruppe offiziell zu dem Anschlag bekannt hat.

Der Täter hatte am 14. Oktober in einem belebten Viertel der somalischen Hauptstadt ein mit Sprengstoff beladenen Lastwagen zur Explosion gebracht. Der Lkw war am Samstag mit hoher Geschwindigkeit eine Straße entlanggerast und habe im Stau stehende Motorräder sowie Autos überrollt oder aus dem Weg geschoben. Sicherheitskräfte hatten Augenzeugen zufolge versucht, auf den Fahrer zu schießen, er erreichte aber dennoch eine der belebtesten Kreuzungen in Mogadischu und sprengte sich und den Wagen dort in die Luft.

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358 Tote: Schwerstes Attentat in der Geschichte Somalias

Am Anschlagsort im Geschäftsviertel Hodan befinden sich etliche Hotels, Läden, Restaurants und Regierungsgebäude. Augenzeugen berichteten, womöglich sei ein bei Regierungsmitarbeitern, Journalisten und aus dem Ausland zurückkehrenden Somalis beliebtes Hotel Ziel des Attentäters gewesen. Häuser und Autos in einem Umkreis von mehreren hundert Metern wurden beschädigt oder zerstört.

"Ich habe noch nie so einen schlimmen Anschlag gesehen", sagte Ahmed Hassan, ein Augenzeuge. "Die Zerstörung sieht aus wie nach einem Erdbeben." Ein weiterer Augenzeuge, Abdiasis Qorane, sagte, sein Auto sei eines von mehr als hundert Fahrzeugen gewesen, die durch die Explosion ausbrannten. "Überall war Blut", sagte er.

Somalias Informationsminister machte bereits am Tag nach der Attacke die Terrormiliz al-Shabab dafür verantwortlich. Was genau das Ziel des Anschlags war, war zunächst unklar. Der Angriff sei eine nationale Tragödie, hatte Somalias Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed kurz nach der Tat im staatlichen Radio gesagt und zu Blutspenden aufgerufen.

In Somalia kommt es immer wieder zu Anschlägen durch al-Shabab. Die mit dem Terrornetzwerk al-Qaida in Verbindung stehenden militanten Sunniten wollen in dem Land am Horn von Afrika einen sogenannten Gottesstaat mit strikter Auslegung des islamischen Rechts (Scharia) errichten. Eine 22.000 Mann starke Truppe der Afrikanischen Union (AU) unterstützt die somalischen Streitkräfte im Kampf gegen die Terrormiliz.

cht/AFP



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