Anti-Terror-Strategie Obama verspricht Frankreich "totale Solidarität"

Entschlossen präsentieren sich Barack Obama und Frankreichs Staatschef Hollande im Kampf gegen den IS. Der US-Präsident verspricht mehr Einsatz, lässt aber die Details offen. Alarmiert zeigten sich beide über den Abschuss des russischen Jets.


"Wir sind alle Franzosen": Auf Französisch hat US-Präsident Barack Obama seinem Gast François Hollande am Dienstag seine Unterstützung nach den Anschlägen von Paris bekundet.

"Wir sind hier, um zu erklären, dass die Vereinigten Staaten und Frankreich in totaler Solidarität zusammenstehen", sagte Obama nach mehr als anderthalbstündigen Beratungen mit Hollande im Weißen Haus, das vom Abschuss eines russischen Kampfjets an der türkisch-syrischen Grenze überschattet wurde.

Gemeinsam würden beide Länder die "Terroristen und jene, die sie geschickt haben" zur Rechenschaft ziehen und "unsere Nationen verteidigen", versprach Obama. "Die Amerikaner lieben Frankreich, weil wir uns den gleichen Ideen verschrieben haben", sagte der Präsident. Von der IS-Miliz würden "ernste Bedrohungen" ausgehen. Die Dschihadistengruppe dürfe "nicht toleriert" und müsse "zerstört" werden.

Bei den Anschlägen auf eine Konzerthalle, Restaurants, Cafés und in der Nähe des Fußballstadions Stade de France waren in der französischen Hauptstadt am 13. November 130 Menschen getötet worden. Zu den Attacken bekannte sich der "Islamische Staat".

Das Treffen von Obama und Hollande sollte auch ein Symbol sein, dass der Westen im Kampf gegen den IS vereint ist. Die Präsidenten kündigten verstärkte Attacken auf IS-Stellungen in deren Hochburgen in Syrien an. Zugleich betonte Hollande die Notwendigkeit, die Grenze zwischen Syrien und der Türkei zu schließen, damit keine Terroristen mehr nach Europa gelangen könnten. Obama wiederum kündigte auch Maßnahmen gegen das Regime von Baschar al-Assad an und forderte Russland auf, sich konstruktiver in Syrien zu beteiligen und seine Angriffe gegen den IS zu verstärken.

"Die Frage ist, wie wir das machen"

Doch jenseits der entschlossenen Rhetorik blieb weitgehend offen, wie Obama den US-Einsatz verstärken will. Obama scheute davor zurück, Details zu nennen. Man werde mehr unternehmen, um den Terror zu besiegen, bekundete er: "Aber die Frage ist, wie wir das machen."

Der eher zurückhaltende Kurs des US-Präsidenten gründet auf einer großen Skepsis Obamas, was eine militärische Überreaktion angeht. Seit Tagen weist er Forderungen aus seiner Partei und von Seiten der Republikaner zurück, er müsse angesichts der Gefahr des IS seine Strategie überdenken. Er will die USA nicht erneut vollumfänglich in einen Krieg verwickeln. Zudem versucht Obama alles zu vermeiden, was nach einer grundlegenden Neuausrichtung seiner Strategie gegen den IS aussehen könnte. Bisher konzentriert sich Washington darauf, moderate Rebellen auszubilden, Luftangriffe zu fliegen und die Geldquellen des IS trockenzulegen. Bodentruppen oder Flugverbotszonen lehnt Obama kategorisch ab.

Obama appellierte an andere Nationen, im Kampf gegen den IS mehr zu tun. "Wir werden unsere Pläne umsetzen", sagte Obama. Aber er glaube auch, dass es auf Seiten anderer Nationen "mehr Offenheit" geben könnte, was den Kampf gegen den Terror angeht.

Obama appelliert an Russland

Frankreich beteiligt sich an den Luftangriffen einer US-geführten Koalition auf Stellungen der Dschihadisten in Syrien und im Irak. Nach den Attacken von Paris hatte das französische Militär seine Angriffe verstärkt.

Am Montag hatte Hollande bereits mit dem britischen Premier David Cameron über eine Allianz gegen den IS beraten. Am Mittwoch will er Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Paris empfangen und am Donnerstag in Moskau den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen. Am Sonntag wird der chinesische Staatschef Xi Jinping in Paris erwartet.

Das Treffen zwischen Obama und Hollande wurde vom Abschuss eines russischen Kampfjets überschattet. Obama betonte, man warte noch auf die genauen Hintergründe, es sei aber seine "oberste Priorität, dafür zu sorgen, dass die Lage nicht eskaliert". Er hoffe, dass die Türkei und Russland nun rasch das Gespräch suchten, um die Details aufzuklären.

Obama im Video: "Dafür sorgen, dass Lage nicht eskaliert"

Der US-Präsident appellierte an Russlands Präsident Wladimir Putin, seine Strategie in Syrien zu überdenken. "Russland ist als Teil der Koalition willkommen", sagte er. Aber das Problem sei, dass Moskau darauf konzentriert sei, den syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu stützen statt den IS zu bekämpfen. "Wenn es auf russischer Seite einen strategischen Schwenk gibt, gibt es enorme Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Aber bevor das nicht passiert, ist es schwierig."

vme/als/AFP/Reuters

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
DresdenSchnorchler 24.11.2015
1. Schön, dieses Bild,
aber leider wird sich damit vermutlich in Syrien nichts ändern. Wenn der Syrische Staat nach dem Wunsch der USA untergeht, dann wird der IS eine Großmacht. Den westlichen Politikern fehlt aber in Ihrem Haß auf Putin und Russland jeglicher Weitblick und Verstand. Es ist richtig, wenn sich Frankreich auch außerhalb der NATO orientiert.
joes.world 24.11.2015
2. The lame duck verspricht Le Petit Presidente Solidarität?
Oder anders ausgedrückt: der hervorragende Redner und unfähige Mann der Tat, will dem Träumer unter den Staatslenkern, der alleine mit einer Rose auf seinem kleinen Planeten lebt um am Ende doch nur in der Wüste zu stranden, helfen? Ich meine, erstens finden sich die beiden gar nicht und zweitens ergibt null + null noch immer nur null.
enzio 24.11.2015
3. Kampf gegen den IS hat Vorrang
Man kann nur hoffen, dass es nach den Gesprächen von Hollande mit Putin zu einer großen Koalition einschl. der Russen und Iraner gegen den IS kommt, und nicht wieder zweitrangige Fragen - wie die nach dem Fortbestand des Assadregimes - den notwendigen Zusammenschluss aufhalten. Erst gemeinsam gegen den IS danach soll das syrische Volk selbst über seine Zukunft und die von Assad entscheiden.
dirk1962 24.11.2015
4. Solidarität hat Merkel auch versprochen
Und weiter? Ich denke nicht viel. Klar werden die Franzosen Satellitenbilder und Aufklärungsergebnisse der USA bekommen. Vielleicht auch ein paar Bomben, wenn die eigenen aus gehen. Aber ansonsten denke ich werden die USA ihren Einsatz in Syrien nicht wesentlich erhöhen. Immerhin mehr als von Merkel, sie glaubt ja mit ein paar Soldaten für Mali aus der Nummer raus zu sein.
windpillow 24.11.2015
5. Ein anderes Bild?
Ob das Bild oben in Frankreich gut ankommt? Hollande, keine Hand mehr frei, total in Obamas Umarmung vereinnahmt, -ja umklammert! Fragt sich, wer will da was von wem?
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