Terror-Plot von Washington: Attrappenbomber droht lebenslange Haft

Der verhinderte Attentäter von Washington muss mit einer hohen Haftstrafe rechnen. FBI-Agenten hatten Amine al-K. überwacht und zugeschlagen, als er mit Waffen zum US-Kapitol aufbrach, die die Fahnder präpariert hatten. Die Ermittler sind überzeugt, dass der Arbeitslose viele Menschen töten wollte.

Attrappen-Bomber: Angriff mit Massenvernichtungswaffe Fotos
AP

Washington/Alexandria - Seit mehr als einem Jahr hatten amerikanische Sicherheitsbehörden den Marokkaner Amine al-K. im Visier, am Freitagmittag nahmen ihn Polizisten der US-Bundespolizei FBI im Herzen der Hauptstadt Washington fest.

K. wähnte sich auf dem Weg zu einem Selbstmordanschlag auf das amerikanische Parlament, bei dem er mindestens 30 Menschen töten wollte. Der Anschlagsplan war vom FBI begleitet und von Bundesagenten mit vorbereitet worden. Getarnt als vermeintliche Komplizen hatten sie K. die Waffen besorgt und ihn bis in die Nähe des mutmaßlichen Anschlagsorts begleitet.

Der 29-Jährige war den Beamten erstmals bei einer Versammlung in seiner Heimatstadt Alexandria Anfang 2011 aufgefallen. Dort soll er einem Mann beigepflichtet haben, der erklärt hatte, der Krieg gegen den Terror sei in Wahrheit ein Krieg gegen Muslime. Laut FBI soll K. auf der Versammlung auch gesagt haben, die Gruppe müsse bereit sein, in den Krieg zu ziehen, heißt es in der Anklageschrift.

Von da an ließen die Behörden den mutmaßlichen Islamisten K. nicht mehr aus den Augen. Anfang Dezember soll sich K. entschieden haben, einen Anschlag zu verüben. Sein Ziel sei gewesen, mindestens 30 Menschen zu töten, wie es aus Ermittlerkreisen heißt. Der verhinderte mutmaßliche Attentäter war aber offenbar unsicher, wo er am besten zuschlagen sollte: K. habe unter anderem ein Gebäude in seinem Wohnort Alexandria im Bundesstaat Virginia ins Auge gefasst, aber auch ein Restaurant, eine Synagoge und einen beliebten Treffpunkt von Militärangehörigen in Washington.

Anklage: Lebenslänglich wegen Angriff mit Massenvernichtungswaffe

Als die Ermittler am Freitagmittag in der Nähe des Kapitols zuschlugen, hatte K. dabei, was er für eine funktionsfähige Maschinenpistole und eine mit Nägeln gefüllte Sprengstoffweste hielt. Die Waffen waren ihm allerdings entschärft von verdeckten Agenten übergeben worden, die als angebliche Komplizen und Anhänger des Terrornetzwerks al-Qaida mit ihm in Kontakt gestanden hatten. Einer der Ermittler, Deckname Yusuf, hatte K. zuvor mit dem Auto in die Washingtoner Innenstadt gefahren, von wo aus er sich auf seine "Märtyrer-Mission" machte.

"Es gibt keinen Zweifel, dass der Kerl es ernst meinte", sagte ein Ermittler der "Washington Post". Bis auf die falschen Terrorkomplizen der Bundesbehörden hatte der arbeitslose K., der seit 1999 in den USA lebt und dessen Touristenvisum lange abgelaufen ist, wohl keinen Kontakt zu echten Qaida-Leuten gehabt.

Am Freitagnachmittag erschien K. vor dem Bezirksgericht von Alexandria, wo Anklage wegen eines versuchten Anschlags mit einer Massenvernichtungswaffe gegen eine Bundeseinrichtung erhoben wurde. Zwar plante K. weder einen Atom- noch eine Giftgasanschlag, nach US-Anti-Terrorgesetzen sind Anschläge, die mehrere Menschen verletzen können, jedoch als Angriff mit einer Massenvernichtungswaffe definiert. Wegen der Schwere des vereitelten Vergehens droht K. nun lebenslange Haft.

Terrorism sting operations - verdeckte Operationen gegen Terroristen - stehen in den USA immer wieder in der Kritik, weil oft nicht ganz klar ist, wie viel Eigenmotivation der später verhaftete Attentäter mitbringt und wie viel ihm unter Umständen von V-Leuten eingeredet wurde. Darum legte der Bezirksstaatsanwalt von Ost-Virginia, Neil H. MacBride, auch Wert darauf, dass im aktuellen Fall das ganze Vorhaben von K. selbst ausgeheckt wurde. K. habe "den Plan, die Ziele und die Art des Anschlags selbst gewählt", sagte MacBride der "Washington Post".

Auch in zwei andere spektakulären Fällen der vergangenen Jahre, in denen US-Behörden die Verhinderung von Anschlägen bekannt gaben, waren verdeckte FBI-Ermittler die Quelle für die Anklage von Terrorverdächtigen: Der Physiker Rezwan F. wollte im September 2011 mit Modelflugzeugen ebenfalls das Kapitol angreifen. Auch im Fall des mutmaßlichen Washingtoner U-Bahn-Bombers Faruk A. waren im Oktober 2010 FBI-Agenten als vermeintliche Qaida-Komplizen aufgetreten.

cht

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Eimer Wasser als Massenvernichtungswaffe
J-Créme 18.02.2012
Zitat von sysopDer verhinderte Attentäter von Washington muss mit einer langjährigen Haftstrafe rechnen. FBI-Agenten hatten Amine al-K. überwacht und zugeschlagen, als er mit falschen Waffen zum US-Kapitol aufbrach. Die Ermittler sind sich sicher, dass der Arbeitslose mindestens 30 Menschen töten wollte. Terror-Plot von Washington: Attrappenbomber droht lebenslange Haft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816154,00.html)
Aus dem Artikel: "nach US-Anti-Terrorgesetzen sind Anschläge, die mehrere Menschen verletzen können, jedoch als Angriffe mit einer Massenvernichtungswaffen definiert." Wenn man das streng auslegt, wäre ein Täter, der auf gefrorenen winterlichen Bürgersteig einen Eimer auskippt, ein Terrorist mit einer Massenvernichtungswaffe. Denn zweifellos können mehrere Menschen ausrutschen uns sich verletzen.
2. Strafbar?
ted211 18.02.2012
Zitat von sysopDer verhinderte Attentäter von Washington muss mit einer langjährigen Haftstrafe rechnen. FBI-Agenten hatten Amine al-K. überwacht und zugeschlagen, als er mit falschen Waffen zum US-Kapitol aufbrach. Die Ermittler sind sich sicher, dass der Arbeitslose mindestens 30 Menschen töten wollte. Terror-Plot von Washington: Attrappenbomber droht lebenslange Haft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816154,00.html)
Ist Anstiftung zu so einer Tat eigentlich auch strafbar?
3. Wenn man keine Terroristen hat, dann macht man sich eben welche
gweihir 18.02.2012
Geradezu ruehrend, wie sich das FBI um den Kerl gekuemmert hat. Bin sicher, auf diese Weise werden sie immer frischen Nachschub an Terroristen haben.
4. armer irrer
ziegenzuechter 18.02.2012
Zitat von sysopDer verhinderte Attentäter von Washington muss mit einer langjährigen Haftstrafe rechnen. FBI-Agenten hatten Amine al-K. überwacht und zugeschlagen, als er mit falschen Waffen zum US-Kapitol aufbrach. Die Ermittler sind sich sicher, dass der Arbeitslose mindestens 30 Menschen töten wollte. Terror-Plot von Washington: Attrappenbomber droht lebenslange Haft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816154,00.html)
das ist doch laecherlich. wenn jemand zu bloed ist sich in den usa (!) selbst eine waffe zu besorgen und es nicht auf die reihe kriegt ne bombe zu bauen, was mit i-net anleitung auch nicht das problem ist, scheint es wohl ein armer irrer zu sein. nicht falschverstehen, gott sei dank ist nichts passiert. aber hier scheint wohl schon das fbi die treibende kraft gewesen zu sein, um die terrorangst hoch zu halten.
5.
aeronaut79 18.02.2012
Zitat von ted211Ist Anstiftung zu so einer Tat eigentlich auch strafbar?
In einer besseren Welt schon.
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US-Ermittlungen: Terrorplot mit Modellflugzeugen

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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