Terror-Prozess in Oslo Haftstrafen für geplanten Mord an Mohammed-Zeichner

Erstes Urteil nach neuem Anti-Terror-Gesetz: In Norwegen müssen zwei Männer ins Gefängnis, die einen Anschlag auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard planten. Der dritte Angeklagte war Informant des Geheimdienstes.


Oslo - Ein Gericht in Oslo hat zwei Männer zu Haftstrafen verurteilt, die einen Anschlag auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard geplant hatten. Die Hauptangeklagten müssen für sieben und dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie einen Sprengstoffanschlag auf Westergaard und die Zeitung "Jyllands-Posten" planten, die dessen Mohammed-Zeichnungen veröffentlicht hatte.

Es waren die ersten Verurteilungen unter den neuen Anti-Terror-Gesetzen Norwegens. Ein dritter Beschuldigter wurde vom Vorwurf des Terrorismus freigesprochen, allerdings wegen Hilfe bei der Beschaffung von Sprengstoff verurteilt. Gegen ihn verhängte das Bezirksgericht in Oslo eine Strafe von vier Monaten Haft.

Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte 2005 unter zwölf Mohammed-Karikaturen auch eine Zeichnung Westergaards veröffentlicht, die den islamischen Propheten als Terroristen mit Bombe im Turban zeigt. Die Karikatur war in vielen westlichen Zeitungen nachgedruckt worden und löste teils gewaltsame Proteste in islamischen Ländern aus.

Der heute 76-jährige Westergaard hatte einen Mordanschlag am Neujahrstag 2010 in seinem dänischen Haus in Aarhus nur knapp überlebt.

Der Hauptangeklagte war als Angehöriger der uigurischen Minderheit aus China nach Norwegen gekommen. Für dreieinhalb Jahre muss ein Mann aus dem kurdischen Teil des Irak hinter Gitter. Der zur kürzesten Haft verurteilte Mann aus Usbekistan war Informant des norwegischen Geheimdienstes PST, als er mit den anderen in Kontakt stand. Die drei machten vor Gericht widersprüchliche Angaben über ihre Absichten.

fab/dpa/AFP

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