Terror Sarkawi bekennt sich zu Raketenanschlägen in Akaba

Der irakische Qaida-Statthalter Abu Musab al-Sarkawi behauptet, er trage die Verantwortung für die Anschläge auf US-Kriegsschiffe im Golf von Akaba und den israelischen Hafen Eilat. Zuvor hatten sich bereits die "Abdallah-Azzam-Brigaden" bekannt.

Von Yassin Musharbash


Neues Bekennerschreiben: Auch Islamisten konkurrieren

Neues Bekennerschreiben: Auch Islamisten konkurrieren

Berlin - Es ist nicht das erste Mal, dass mehrere Islamistengruppen die Verantwortung für denselben Anschlag übernehmen, doch in diesem Fall ist es durchaus von Bedeutung: Beide Bekennerschreiben stammen von gut eingeführten Qaida-Untergruppen- und nicht wie sonst von eher obskuren oder gar unbekannten Möchtegern-Einheiten.

Am Freitag hatten unbekannte Täter drei Katjuscha-Raketen in der jordanischen Hafenstadt Akaba abgefeuert; zwei landeten in der Nähe der nur rund sieben Kilometer entfernten israelischen Hafenstadt Eilat, eine überflog zwei im Hafen stationierte US-Kriegsschiffe und tötete einen jordanischen Soldaten, der vor einem Militärgebäude Wache schob. Nur Stunden nach dem Anschlag bekannten sich - auf einer einschlägigen islamistischen Internet-Seite, die schon oft für solcherlei Bekennerschreiben verwendet wurde - die Qaida-Unterorganisation "Abdullah-Azzam-Brigaden". Diese Truppe ist kein unbeschriebenes Blatt: Sie bekannte sich in der Vergangenheit bereits zu etlichen schweren Anschlägen, unter anderem auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel.

Weil sie sich den Beinamen "Al-Qaida in Großsyrien und Kanaan" gibt und damit einen Anspruch auf Aktivitäten in Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien und Israel/Palästina erhebt, erschien schon dieses Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, nicht vollkommen unplausibel - auch wenn die Authentizität nicht bewiesen werden konnte.

Gewartet, bis die Täter in Sicherheit sind

Heute nun tauchte ein weiteres Bekennerschreiben auf. Es ist vermutlich sogar glaubwürdiger. Publiziert wurde es auf einer anderen, gleichfalls für authentische Bekennerschrieben bekannten Internet-Seite - und zwar von der irakischen Qaida-Filiale, die Abu Musab al-Sarkawi untersteht, einem gebürtigen Jordanier, der seit über 10 Jahren hartnäckig an seinem Ziel arbeitet, den jordanischen Staat zu destabilisieren.

"Eure Brüder im militärischen Zweig, der zur Organisation al-Qaida im Zweistromland gehört, hatten den Angriff auf Akaba schon seit geraumer Zeit geplant. Nach Abschluss der Vorbereitungen und Eingrenzung der Ziele haben eure Brüder dann die Raketen auf ihre Ziele abgeschossen", heißt es in dem arabischen Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt. "Dabei handelte es sich um die Aufenthaltsorte der amerikanisch-kreuzfahrerischen Streitkräfte, die im Hafen von Akaba stationiert sind."

Auch hier ist letztlich nicht zu beweisen, dass das Dokument echt ist. Aber vor allem ein Detail spricht dafür: "Durch die Gnade Gottes gelang es den Brüdern, vom Abschussort aus unversehrt zurückzukehren", schreibt die für Sarkawis unterzeichnende, wahrscheinlich fiktive Person "Abu Maisara al-Iraki". Das deckt sich mit dem, was die jordanischen Behörden mitteilen: Drei Verdächtige haben sich mittlerweile in den Irak abgesetzt; verhaftet wurde dagegen ein syrischer Staatsbürger, der auch als Haupttäter gilt.

"Wir setzen Euch davon in Kenntnis, dass wir mit der Veröffentlichung der Selbstbezichtigung so lange gewartet haben, weil wir auf den Abzug der (ausführenden) Brüder gewartet haben", schreibt die irakische al-Qaida weiter. Ob diese Zeilen der Wahrheit entsprechen, wird sich möglicherweise nach dem Verhör des verhafteten mutmaßlichen Rädelsführers zeigen.

Auf einen Angriff auf die "Abdullah-Azzam-Brigaden" verzichtete al-Sarkawi unterdessen; auch unter Islamisten gilt, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Die doppelte Selbstbezichtigung zeigt allerdings zumindest eines deutlich: Die verschiedenen Qaida-Filialen stehen miteinander im Wettbewerb. Und: Sie wissen offenbar auch nicht allzu genau, was ihre Glaubensbrüder gerade planen.



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