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Anti-Terror-Einsatz in Brüssel: Mutmaßlicher Paris-Attentäter Abdeslam gefasst

Im Brüsseler Stadtteil Molenbeek hat die Polizei bei einem Anti-Terror-Einsatz den mutmaßlichen Paris-Attentäter, Salah Abdeslam, gefasst. Die Beamten nahmen außerdem vier weitere Verdächtige fest.

Die belgische Polizei hat bei einer neuen Razzia in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek Salah Abdeslam festgenommen. Die Beamten fassten den bis dahin flüchtigen Hauptverdächtigen der Pariser Attentate im November. Dies bestätigte der belgische Premier Charles Michel am Freitagabend bei einer Pressekonferenz. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden bei der Razzia neben Abdeslam noch vier weitere Personen festgenommen. Zu ihnen gab es keine weiteren Angaben.

Der französische Präsident François Hollande betonte, dass Abdeslam "unmittelbar" an der Vorbereitung und Organisation der Anschläge beteiligt gewesen sei. Er erwarte dessen Auslieferung "so schnell wie möglich". Hollande erinnerte an die Angehörigen der 130 Opfer, die bei den Anschlägen vor vier Monaten getötet worden waren.

Hollande hatte am frühen Freitagabend den EU-Gipfel verlassen. Er traf mit dem belgischen Premier Charles Michel in dessen Amtssitz kurz nach 18 Uhr zusammen. Dieser hatte zuvor bereits fluchtartig das EU-Treffen verlassen. Michel twitterte später ein Bild mit Hollande, "Besprechung des Polizeieinsatzes mit Präsident Hollande". Später veröffentlichte er ein Foto, auf dem er ebenfalls mit Hollande zu sehen sind, er selbst am Telefon: "Glückwünsche von Potus" schrieb Michel dazu. Gemeint ist US-Präsident Barack Obama

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Belgien: Die Jagd auf die mutmaßlichen Paris-Attentäter
Zuvor hatten mehrere belgische Medien die Festnahme von Adeslam gemeldet. Die Zeitung "Derniere Heure" ("DH") schrieb, Abdeslam sei "neutralisiert und verletzt" worden. Der 26-Jährige wurde nach den Medienberichten bei der Polizeirazzia am Bein verwundet. Der Staatssekretär für Asyl und Immigration, Theo Francken, hatte auf Twitter am frühen Abend geschrieben: "Wir haben ihn."

Der Anti-Terror-Einsatz dauerte mehrere Stunden lang, die Polizei sperrte große Teile von Molenbeek ab. Fernsehbilder zeigten bewaffnete Beamte mit Hunden, die die Straßen abliefen. Auf anderen TV-Aufnahmen waren Anwohner zu sehen, die von ihren Balkonen und Fenstern aus die Geschehnisse verfolgten. Die Nachrichtenagentur Belga meldete den Einsatz von Granaten in einem belagerten Haus in Molenbeek. Zwei Explosionen waren zu hören.

Am späten Abend beendete die Polizei den Einsatz in Brüssel. Sie hob die Straßensperren wieder auf. Lediglich das Gebäude, in dem sich der festgenommene Terrorverdächtige Salah Abdeslam aufgehalten hatte, blieb weiter abgesperrt.

Der Einsatz in der Rue des Quatre-Vents hatte um 16 Uhr angefangen. François Schepmans, Bürgermeisterin von Molenbeek, sagte, es habe am Nachmittag bei dem Einsatz in dem Viertel einen Schusswechsel auf der Straße gegeben.

Die belgische Staatsanwaltschaft hatte am Nachmittag bestätigt, dass nach der Schießerei am Dienstag eine neue Spur des mutmaßlich an den Pariser Anschlägen beteiligten Abdeslam entdeckt worden sei. In einer gestürmten Wohnung im Brüsseler Vorort Forest hatten die Ermittler seine Fingerabdrücke gefunden. Bei dem Polizeieinsatz wurden ein Mann getötet und vier Beamte verletzt.

Adeslam ist einer der Hauptverdächtigen der Novemberanschläge in Paris. Er soll die Attentäter, die sich vor dem Stade de France in die Luft sprengten, mit einem Auto zu dem Stadion gefahren haben. Nach den Bluttaten gelang es Abdeslam, mit zwei Begleitern auf dem Weg nach Belgien unbehelligt eine Polizeikontrolle zu passieren.

Aufgewachsen in der Islamistenhochburg

Wie andere berüchtigte Islamisten wuchs auch er in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek auf. Diese gilt als Islamistenhochburg. Abdeslam war der Polizei wegen Drogendelikten bekannt. Der 26-jährige Franzose marokkanischer Abstammung ist der Bruder eines der Selbstmordattentäter Brahim Abdeslam, die sich in Paris mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft gesprengt hatten. Dieser war am Donnerstag in Brüssel beigesetzt worden.

Bereits in der vergangenen Woche war ein weiterer Attentäter, Bilal Hadfi, in der belgischen Hauptstadt bestattet worden. Der als Drahtzieher der Anschläge geltende Abdelhamid Abaaoud war wenige Tage nach den Anschlägen bei einem Polizeieinsatz in Saint-Denis nördlich von Paris getötet worden.

Der aktuelle Ermittlungsstand zu den Täter und Anschlägen von Paris
Nach den Anschlägen von Paris wurde er per internationalem Haftbefehl gesucht. Fahnder beschrieben ihn als gefährlich und möglicherweise schwer bewaffnet. Zwischenzeitlich war auch über einen Aufenthalt in Syrien spekuliert worden. Salahs Bruder Mohamed hatte in Fernsehinterviews an den Gesuchten appelliert, sich zu stellen.

SPIEGEL TV Magazin

heb/kgb/cht/dpa/Reuters/AFP

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