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Terror-Studie: Al-Qaidas Sehnsucht nach der Superbombe

Von Yassin Musharbash

Wie real ist die Gefahr, dass al-Qaida die USA mit Massenvernichtungswaffen angreift? Entsprechende Drohungen sind laut einer Studie des CIA-Veteranen Mowatt-Larssen mehr als leere Rhetorik. Im Gegensatz zu vielen Kollegen vermutet er, dass sich das Terrornetzwerk auf den größtmöglichen Anschlag vorbereitet.

"Die dschihadistische Atombombe": Angebliche Anleitung aus dem Internet Zur Großansicht

"Die dschihadistische Atombombe": Angebliche Anleitung aus dem Internet

Berlin - Es ist nicht schwer, Zitate von Qaida-Kadern aufzuspüren, die zur Beschaffung und zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen aufrufen. Schon 1998 hatte Osama Bin Laden die Versorgung mit Atomwaffen, biologischen und chemischen Kampfstoffen ("ABC-Waffen") zur Pflicht erklärt.

Ein aktuelles Echo dieses Befehls findet sich in einem Interview des Anführers der Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel (AQAP), Abu Basir al-Wuhaischi: "Es ist eine religiöse Pflicht, dass die Mudschahidin sich Massenvernichtungswaffen beschaffen, um sich zu verteidigen."

Erst an Weihnachten 2009 schickte seine Truppe Umar Faruk Abdulmutallab aus, einen US-Jet über Detroit in die Luft zu sprengen. Zwar hatte der Nigerianer nur gewöhnlichen Sprengstoff dabei, aber immerhin bewies AQAP damit, dass sie sich auch als Filiale zu Angriffen auf den "großen Satan" USA berufen fühlt.

Wie real ist also die Gefahr, dass es al-Qaida eines Tages tatsächlich gelingen könnte, solche Waffen zu beschaffen und einzusetzen? Und verfolgt das Terrornetzwerk überhaupt noch eine solche Strategie? Diesen Fragen ist der Forscher und CIA-Veteran Rolf Mowatt-Larssen nachgegangen. Seine Studie "Die Bedrohung durch Qaida-Massenvernichtungswaffen: Übertreibung oder Realität?" veröffentlichte das Belfer-Center der Harvard Kennedy School Anfang dieser Woche.

Sawahiri sagte einen Giftgasanschlag in New York ab

Eine eindeutige Antwort, das vorweg, findet Mowatt-Larssen nicht - wohl aber diskussionswürdige Indizien. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 leitete der Verfasser einige Jahre lang die CIA-Abteilung, die sich mit al-Qaidas Plänen für Massenvernichtungswaffen beschäftigte. Er hatte in dieser Zeit Einblick in geheime Informationen. Davon profitiert deutlich seine Chronologie über die zahlreichen Versuche des Terrornetzwerks, sich mit ABC-Waffen zu versorgen, die das Kernstück seiner Studie bildet.

Mowatt-Larssen versucht zudem, das Denken von al-Qaidas Strategen ernst zu nehmen und mit den wahrscheinlichen oder möglichen Kapazitäten in Beziehung zu setzen. Schon das allein führt ihn zu interessanten Schlüssen. So schreibt er etwa: "Wenn Osama Bin Laden und seine Führungskader daran interessiert gewesen wären, krude chemische, biologische und strahlende Materialien in kleinen Anschlägen einzusetzen, dann besteht wenig Zweifel daran, dass sie es mittlerweile schon getan hätten."

Mit anderen Worten: Ein Szenario wie zum Beispiel ein Giftgasanschlag auf die U-Bahn in einer US-Großstadt ist aus Sicht al-Qaidas zwar machbar. Aber nicht unbedingt erwünscht. Als Beleg bietet Mowatt-Larssen einen Vorfall aus dem Jahr 2003 an, als Bin Ladens Vize Aiman al-Sawahiri genau so einen für New York geplanten Anschlag absagte - mit der Begründung, es gäbe "etwas Besseres".

Was al-Qaida will, ist womöglich am wahrscheinlichsten: ein Großanschlag

Mowatt-Larssen führt dieses Argument noch weiter, vielleicht sogar bis auf die Spitze: Er geht davon aus, dass al-Qaida mit 9/11 die Latte für spektakuläre Anschläge sehr hoch gehängt habe - und deshalb eine etwaige Verlagerung von Kapazitäten in Richtung Massenvernichtungswaffen sorgfältig abwäge, um mindestens ebenso unauslöschliche Bilder und Emotionen zu produzieren.

Dieser Gedankengang stellt die Wahrscheinlichkeitsrechnung vieler Sicherheitsexperten auf den Kopf. Der Autor schreibt, Analysten gingen normalerweise davon aus, dass ein Angriff mit nicht-konventionellen Waffen durch Terroristen umso wahrscheinlicher sei, je einfacher diese zu beschaffen sind. Er selbst kommt jedoch zu dem Schluss, dass womöglich das Gegenteil richtig ist: Wenn al-Qaidas Ziel der größtmögliche Anschlag sei, dann sei der wahrscheinlichste Anschlag vermutlich auch jener, der solche Waffen umfasst, die "am effektivsten" seien.

Liest man die Studie genau, stellt man fest, dass sie ohnehin eher eine Bedrohungsanalyse ist als ein Report, der sich auf Fakten und Daten stützt. Mowatt-Larssen sagt denn auch ganz klar, dass viele Experten "die Abwesenheit von Informationen mit der Abwesenheit einer Bedrohung" gleichsetzten; er sieht das anders und hält solches Denken für potentiell fahrlässig.

Kaum Informationen über aktuelle Aktivitäten al-Qaidas

Zugleich freilich gibt der Autor bereitwillig zu, dass al-Qaidas Programme zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen derzeit "unterbrochen" sein könnten.

In der Vergangenheit, das wird sehr detailliert dargelegt, habe al-Qaida allerdings ausgiebig unter Beweis gestellt, wie wichtig ihr solche Waffen seien. Aiman al-Sawahiri persönlich leitete demzufolge das Anthrax-Programm al-Qaidas, das sich zudem auf mehrere verschiedene Zugänge stützte, im konkreten Fall auf zwei mit den Terroristen sympathisierende Wissenschaftler aus zwei Ländern, die unabhängig voneinander für al-Qaida arbeiteten. Die Dschihadisten richteten in Kandahar sogar ein Labor ein.

Vor 9/11 war al-Qaida in dieser Hinsicht freilich aktiver, weil nach dem Afghanistan-Krieg der Bewegungsfreiraum erheblich eingeschränkt wurde. Längst bekannt sind Giftgasexperimente in afghanischen Ausbildungslagern vor 9/11 und entsprechende Anschlagsplots in Europa in den Jahren 2002 und 2003, weniger bekannt dagegen verschiedene wahrscheinliche (nicht bewiesene) Versuche al-Qaidas, sich nukleares Material zu beschaffen. So habe Bin Laden 1993/94 im Sudan versucht, Uran zu besorgen.

Aus den letzten Jahren gibt es derweil anscheinend immer weniger Belege dafür, dass al-Qaida aktiv an Massenvernichtungswaffen arbeitet. Zwar berichteten die Angeklagten der "Sauerland-Zelle" in Deutschland, dass sie im Ausbildungslager der Islamischen Dschihad-Union (IJU) in Afghanistan durchaus auch Giftstoffe herzustellen lernten; auch al-Qaida hat womöglich den Standard-Lehrplan nicht verändert. Aber solche Lektionen sind kaum vergleichbar mit Versuchen, sich eine schmutzige Bombe zusammenzubauen und in Manhattan Tausende Menschen zu verstrahlen.

Fazit: Glaubenssache

Doch in dem Maße, in dem die Geheimdienstinformationen weniger wurden, stellten Analysten und Experten nach 9/11 fest, dass sich im Internet zahllose Anleitungen finden, die angeblich erklären, teilweise in Bildern und Filmen, wie man biologische oder chemische Kampfstoffe herstellt. Sogar eine Anleitung für den Bau einer Atombombe kursierte 2005 auf Arabisch in 15 Folgen, allerdings ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht praktikabel.

Das gilt für die einfacheren Anleitungen für Giftgase oder Krankheiterreger freilich oft auch. Die norwegische Terrorexpertin Anne Stenerson hat etliche dieser Anleitungen untersucht und kommt zu dem Ergebnis, viele seien "bestenfalls ehrgeizig". Oft fehle aber jeder Hinweis darauf, wie die Substanzen anschließend ausgebracht werden können - eine zentrale Hürde. Mit ihrem Anthrax-Experiment sei al-Qaida seinerzeit genau daran gescheitert, so Mowatt-Larssen zur "Washington Post".

Mowatt-Larssens Studie ist interessant, aber nicht wegweisend - denn sie basiert auf beinahe purer Analyse, und das macht seine Schlussfolgerungen letztlich zur Glaubenssache. Man kann sich ihnen anschließen, oder es weiterhin halten wie viele Terroranalysten, die einen Anschlag mit Massenvernichtungswaffen für unwahrscheinlich halten, weil es zu wenige Indizien aus der Gegenwart gibt, die das Szenario real erscheinen lassen. Es ist sinnvoll, aus der Vergangenheit Schlüsse abzuleiten - aber nicht zwingend. Al-Qaida hat sich schließlich verändert.

Auch nach der Lektüre bleibt die ewige Kluft also unbeschrieben, deren Größe abzuschätzen das Geschäft aller Terroranalysten weltweit bleibt: Al-Qaidas Ziele sind relativ klar - was unklar ist, sind die Fähigkeiten, diese auch zu erreichen.

Allerdings ist es bei allen Spekulationen über einen etwaigen Atompilz über Los Angeles sicher auch kein Fehler, sich ins Gedächtnis zu rufen, was die Qaida-Führung schon 1994 feststellte: Dass ein Radiosender letztlich mächtiger sei als eine Atombombe.

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1. .
Beutz 26.01.2010
Zitat von sysopWie real ist die Gefahr, dass al-Qaida die USA mit Massenvernichtungswaffen angreift? Entsprechende Drohungen sind laut einer Studie des CIA-Veteranen Mowatt-Larssen mehr als leere Rhetorik. Im Gegensatz zu vielen Kollegen vermutet er, dass sich das Terrornetzwerk auf den größtmöglichen Anschlag vorbereitet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,674101,00.html
Das klingt nach einer vorbereiteten Rechtfertigung. Wer ist schneller... Liebe Grüße.
2. Keine Buschkrieger wie die Taliban
coriolanus, 26.01.2010
Zitat von sysopWie real ist die Gefahr, dass al-Qaida die USA mit Massenvernichtungswaffen angreift? Entsprechende Drohungen sind laut einer Studie des CIA-Veteranen Mowatt-Larssen mehr als leere Rhetorik. Im Gegensatz zu vielen Kollegen vermutet er, dass sich das Terrornetzwerk auf den größtmöglichen Anschlag vorbereitet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,674101,00.html
Daß sie die Apokalypse ersehen ist unstrittig, ob sie jemals dazu kommen, ist die Frage. Tatsache ist, daß die meisten Dschihadisten sich im Westen gut auskennen und hier ihre Formation erfahren haben. Leute wie Mohammed Atta kommen nicht aus den Elendsvierteln und mußten auch nie Gras fressen. Die Taliban sind ein Regionalphänomen, Al Kaida operiert weltweit. Aber was sie tun, wozu sie fähig sind, wer weiß das? Welcher Geheimdienst ist ihnen wirklich auf den Fersen? Da man wenig weiß, blühen die Gerüchte und Parolen. Hören Sie z.B. Gerald Celente: http://www.infokriegernews.de/wordpress/2010/01/02/interview-von-alex-jones-mit-celente/
3. .
vollkaufmann 26.01.2010
---Zitat von aus dem Artikel--- Zwar berichteten die Angeklagten der "Sauerland-Zelle" in Deutschland, dass sie im Ausbildungslager der Islamischen Dschihad-Union (IJU) in Afghanistan durchaus auch Giftstoffe herzustellen lernten; auch al-Qaida hat womöglich den Standard-Lehrplan nicht verändert. Aber solche Lektionen sind kaum vergleichbar mit Versuchen, sich eine schmutzige Bombe zusammenzubauen und in Manhattan Tausende Menschen zu verstrahlen. ---Zitatende--- Das stimmt, die beiden Szenarien sind kaum vergleichbar. Während giftige Chemikalien für hunderte bis tausende Tote sorgen könnten, würde eine "schmutzige Bombe" wahrscheinlich niemanden töten. Die tausenden Menschen in Manhattan werden wohl auch weniger verstrahlt als kontaminiert... Das einzige was diese Option für Terroristen attraktiv macht ist die unglaubliche uninformiert der Bevölkerung und die absehbare Panikmache der Medien sobald irgendwas radiaoktives eingesetzt wird. Also gibt es eine Riesen Panik (und hier dann bestimmt auch viele Tote), aber der eigentlich Anschlag dürfte relativ harmlos sein (zumindest für Menschenleben, die nachfolgende Dekontamination dürfte schon einige Milliarden kosten...).
4. real?
blowup 26.01.2010
Das sind doch letztlich nur windige Hypothesen. Ich frage mich schon seit einiger Zeit, ob Al Kaida überhaupt existiert oder nur eine Erfindung der Medien und Nachrichtendienste ist. Also, wenn ich ein Terrorist wäre....dann hätte ich seit 9/11 schon einiges angestellt. Selbst mit konventionellen Waffen. Ein gutes Dutzend öffentlichkeitswirksamer Anschläge, die das Fass zum überlaufen bringen. Ein ICE z.B. ist doch total verwundbar. Und da braucht man nicht mal Selbstmord-Attentäter zu. Irgendwie kommt mit diese Al Kaida Paranoia ziemlich spanisch vor...
5. Große Gefahr durch Al-CIAda
mr_smith 26.01.2010
Zitat von sysopWie real ist die Gefahr, dass al-Qaida die USA mit Massenvernichtungswaffen angreift? Entsprechende Drohungen sind laut einer Studie des CIA-Veteranen Mowatt-Larssen mehr als leere Rhetorik. Im Gegensatz zu vielen Kollegen vermutet er, dass sich das Terrornetzwerk auf den größtmöglichen Anschlag vorbereitet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,674101,00.html
Die Gefahr, dass Al-CIAda erneut einen Anschlag auf unschuldige verübt, um von dem Kollaps der US-Wirtschaft abzulenken und um die Weltmacht zu übernehmen, ist groß. Die Atombombe hat Al-CIAda bereits 2007 verschwinden lassen, wie hier nachzulesen ist: http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2007/09/hat-das-us-militr-ein-atombombe.html
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Terrorpropaganda gegen Deutschland
Al-Qaida
Osama Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida hat die Erwähnungen und direkte Ansprache Deutschlands in seiner Propaganda massiv gesteigert. Mittlerweile präsentiert al-Qaida sogar einen aus Deutschland stammenden Terrorwerber, den 32 Jahre alten Bekkay Harrach aus Bonn, der sich 2007 der Organisation angeschlossen haben soll. Im Januar 2009 erklärte Harrach alias "Abu Talha" in seiner Rede "Das Rettungspaket für Deutschland", dass die Bundestagswahl am 27. September eine einmalige Gelegenheit sei, sich vom Afghanistan-Einsatz abzuwenden. Deutschland könne anderenfalls nicht ernsthaft glauben, ungeschoren zu bleiben. Im Februar 2009 sprach er über die Finanzkrise, verzichtete aber auf Terrordrohungen. Am 18. September 2009 kündigte er dagegen explizit Anschläge in Deutschland innerhalb von zwei Wochen nach der Wahl an, sollte von ihr nicht ein Signal für den Abzug aus Afghanistan ausgehen. Wenige Tage danach folgten zwei predigtähnliche Reden von ihm, "O Allah, ich liebe Dich" Teil 1 und Teil 2. Darin versuchte er, deutsche Muslime für den bewaffneten Kampf zu gewinnen.

Jenseits von Harrach gibt es zwei weitere Qaida-Videos, in denen Deutschland allgemein mit Vergeltung gedroht wird.

Osama Bin Laden hat sich unterdessen seit Jahren nicht mehr zu Deutschland geäußert. Am 25. September veröffentlichte er allerdings eine Rede an "die europäischen Völker". Darin drohte er zwar nicht ausdrücklich mit Terroranschlägen in Europa, forderte jedoch erneut einen Abzug aus Afghanistan und warnte vor Vergeltung.
IJU
Die "Islamische Dschihad-Union" (IJU), eine ursprünglich usbekische Terrororganisation, die mittlerweile von Pakistan aus operiert, ist in Deutschland ein Begriff, weil sie der Sauerland-Zelle den Auftrag erteilte, Anschläge in Deutschland zu planen. Auch die IJU veröffentlichte auf Deutschland bezogene Propaganda. So verherrlichte sie in mehreren Videos etwa den Tod des aus Bayern stammenden Cüneyt Citfci als IJU-Selbstmordattentäter im März 2008. Mehrmals meldete sich auch der Saarländer Eric Breininger für die IJU zu Wort und rief deutsche Muslime auf, die Dschihadisten zu unterstützen. Allerdings drohte die IJU nicht ausdrücklich mit Terror in Deutschland. Eher ließen sich ihre Warnungen auf die Bundeswehr in Afghanistan beziehen.
IBU
Die "Islamische Bewegung Usbekistan" (IBU) operiert ebenfalls von Pakistan aus und verfügt über Rekruten aus Deutschland. Zwei von ihnen, Jassin und Mounir C., stammen wie Bekkay Harrach aus Bonn. Im Dezember 2008 meldeten sie sich erstmals zu Wort und riefen Gesinnungsgenossen dazu auf, sich in IBU-Trainingslager aufzumachen. Im März und im September 2009 wurden diese Aufforderungen erneuert. In den IBU-Videos tauchen noch weitere deutschsprachige Personen auf, die aber noch nicht identifiziert werden konnten. Die IBU hat wie die IJU nicht offen mit Anschlägen in Deutschland gedroht.
Taliban
Am 25. September 2009 veröffentlichten erstmals auch die Taliban ein Video, dass Terrordrohungen gegen Deutschland enthielt. Gezeigt wurde darin ein bisher nicht identifizierter deutschsprachiger Kämpfer, der sich "Ajjub" nennt. Anschläge in Deutschland seien wegen des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr verlockend geworden, sagt er in dem Band.
Einzelpersonen
Es gibt unbestätigte Medienberichte über weitere gegen Deuschland gerichtete Terrorpropaganda, die sich aber nicht mit bestimmten Terrorgruppen in Verbindung bringen lässt. Sicher ist, dass einzelne Dschihadisten, vor allem in Internet-Diskussionsforen, über Anschläge gegen deutsche Ziele polemisieren oder zu diesen aufrufen.
Propaganda
Deutschland ist nicht das erste und nicht das einzige Land, das al-Qaida kampagnenartig bedroht. Mehrfach etwa riefen Osama Bin Laden und Aiman al-Sawahiri (neben weiteren Qaida-Kadern) zum militanten Dschihad in Pakistan auf. Auch Dänemark ist sehr häufig (wegen der Karikaturenkrise) als Ziel herausgehoben worden. Osama Bin Laden hat zudem 2006 den USA weitere verheerende Anschläge "in Bälde" angekündigt. Oft, aber nicht immer, zeitigen solche Heraushebungen Folgen. Die dänische Botschaft in Afghanistan wurde zum Beispiel attackiert, ebenso kam es zu schweren Anschlägen in Pakistan.

Viele Analysten gehen davon aus, dass eine Fokussierung der Propaganda mit einer Neuausrichtung der physischen Zielvorgaben korrespondiert, man aus der Häufung von Propaganda-Attacken also zu einem gewissen Grad auf Anschlagsplanungen schließen kann.

Andererseits ist Propaganda auch ein Ersatz für physischen Terror: Angst und Schrecken werden verbreitet, ohne dass man etwas tun muss. Al-Qaida & Co. betrachten es mitunter schon als Erfolg, wenn sie durch Drohungen ökonomische Verluste auslösen können. Da die Warnungen zudem im Raum stehen bleiben, können sie theoretisch auch Jahre später "eingelöst" werden, was oftmals zu einer dauerhaften Anspannung der Sicherheitslage in den herausgehobenen Ländern führt.


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