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17. März 2004, 17:15 Uhr

Terror und Wahlen in Spanien

Protokoll des Schweigens

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Wenige Tage nach den Wahlen in Spanien bestätigt sich: In bisher ungeahnter Weise hat die abgewählte Regierung Hinweise auf eine Verstrickung der al-Qaida unterdrückt und versucht, Medien und Wähler zu manipulieren. SPIEGEL ONLINE dokumentiert, mit welchen Mitteln die Offiziellen an der Eta-Täterschaft festhielten.

Spaniens Noch-Ministerpräsident Aznar: Schweigen bis zum Schluss
AFP

Spaniens Noch-Ministerpräsident Aznar: Schweigen bis zum Schluss

Berlin - José María Aznar steht im Mittelpunkt der Kritik, die auch nach den für ihn und seine Partei PP katastrophalen Wahlergebnissen keineswegs verebbt. Immer deutlicher wird, dass der Regierungsapparat versuchte, die vorhandenen Spuren zu islamistischen Tätern zu verschweigen oder zumindest zurückzuhalten. Ein Motiv dafür liegt auf der Hand: Ein Eta-Anschlag hätte der Regierung wegen ihrer harten Haltung gegen die baskischen Separatisten eher genützt und ihr kurz vor der Wahl möglicherweise noch Rückenwind gegeben.

Eine Verstrickung von al-Qaida oder anderen islamistisch-extremistischen Gruppen, die Spanien bereits im Herbst vergangenen Jahres wegen der Beteiligung bei der Irak-Besetzung ins Visier genommen hat, wäre für Aznar und seine Partei hingegen hoch problematisch. Denn entgegen dem Schulterschluss des Premiers mit US-Präsident George W. Bush war die spanische Bevölkerung keineswegs für den Waffengang.

Haben die spanischen Behörden also bewusst verschwiegen, was sie wussten, um einen Machtverlust zu vermeiden? In einem zeitlichen Protokoll - zusammengesetzt aus eigenen Recherchen, Meldungen der Nachrichtenagenturen, spanischen und internationalen Zeitungen und TV-Berichten - wird deutlich, dass sie zumindest sehr lange zögerten, um mit der Wahrheit an die Öffentlichkeit zu gehen. Genutzt hat das Schweigen nicht: Am Ende des Wahltages musste die Aznar-Partei PP ihre Niederlage eingestehen.

Donnerstag, 11. März: Es ist ein sonniger Morgen in Spaniens Hauptstadt Madrid. Wie jeden Tag machen sich Tausende von Pendlern per Zug aus Vororten auf den Weg in die Metropole.

7.39 Uhr: Die ersten drei der insgesamt dreizehn Bomben explodieren im Zug 17305 der Vorort-Linie C-2, der knapp eine Stunde zuvor in Guadalajara gestartet ist. Rund einen halben Kilometer vor dem Südbahnhof Atocha reißen fast gleichzeitig vier Bomben einen weiteren Zug auseinander.

Anschlagsorte in Madrid: Zeitgleiche Detonationen
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Anschlagsorte in Madrid: Zeitgleiche Detonationen

7.41 Uhr: Nur wenige Minuten nach den ersten Detonationen in Atocha explodieren in zwei anderen Pendlerzügen nahe der Station El Pozo zwei Bomben und im Bahnhof Santa Eugenia ebenfalls ein Sprengsatz.

7.50 Uhr: Rund um die Tatorte bricht Chaos aus. Verletzte irren zwischen den Trümmern herum, Tote und Leichenteile liegen auf den Schienen. Retter eilen zum Unfallort. Erste Schätzungen von etwas 30 Toten werden minütlich nach oben korrigiert.

9.00 Uhr: Der baskische Ministerpräsident Juan José Ibarretxe beschuldigt die Terrorgruppe Eta des Anschlags. "Eta schreibt an ihrem Ende", sagt er.

9.45 Uhr: Mariano Rajoy, Spitzenkandidat des konservativen Partido Popular (PP) und Favorit für die Nachfolge des scheidenden Ministerpräsidenten José María Aznar, erklärt den Wahlkampf für beendet.

10 Uhr: Das EU-Parlament verurteilt die Anschläge. "Was heute geschehen ist, ist eine Kriegserklärung an die Demokratie", sagt Parlaments-Präsident Pat Cox und ruft die Spanier auf, bei den Wahlen am Sonntag zu zeigen, dass die spanische Demokratie den Willen hat, den Terrorismus zu besiegen.

10.10 Uhr: Die spanische Regierung macht die Eta für die Anschläge verantwortlich. "Es gibt Dutzende von Opfern ... und die Mörder versuchen noch mehr Terror zu säen und Chaos zu verbreiten ... Das ist ein kollektives Töten einer kriminellen Bande und die heißt Eta", sagte Eduardo Zaplana, Arbeitsminister und offizieller Sprecher der Regierung.

Gefundener Kleinlaster: Erste Spur kurz nach den Anschlägen
REUTERS/Tele5/Atlas

Gefundener Kleinlaster: Erste Spur kurz nach den Anschlägen

10.30 Uhr: Am Bahnhof Alcala de Henares, wo einer der Todes-Züge abgefahren ist, findet die spanische Polizei auf dem Parkplatz einen weißen Renault Kangoo, der bereits seit mehreren Wochen als gestohlen gilt. Im Wagen finden die Fahnder sieben Zünder für Sprengkörper und eine Kassette mit Koran-Versen.

10.40 Uhr: Arnaldo Otegi, Chef der verbotenen Eta-nahen Batasuna-Partei, bestreitet, dass die Terrororganisation hinter dem Anschlag steckt. Zuerst wird sein Dementi aber nur auf lokalen baskischen Sendern verbreitet.

10.53 Uhr: Innenminister Ángel Acebes gesteht ein, dass es vor den Attacken keine telefonische Warnung gab, wie es bei Eta-Anschlägen in der Vergangenheit üblich war.

11.00 Uhr: Im spanischen Außenministerium von Ana Palacio geht es hektisch zu. Nacheinander setzt sie die europäischen Kollegen ins Bild. Unter anderem wird auch der englische Außenminister Jack Straw auf die Eta-These eingeschworen. Daneben kabelt Palacios Ministerium an die iberischen Botschaften rund um den Globus. Die Diplomaten werden angewiesen, "jede Möglichkeit zu nutzen um die Verantwortung der Eta für die brutalen Attacken zu bestätigen".

12.00 Uhr: Nacheinander versucht das Büro von Premier José María Aznar die Presse auf Kurs zu bringen. Die wichtigsten Chefredakteure werden von Aznar selber angerufen, andere durch seine Sprecher. Für die Eta-These hat die Presseabteilung ein Schema entwickelt, um Journalisten zu überzeugen. Zum einen sei es bekannt, dass sich die Eta erst innerhalb einer Woche bekenne, außerdem sei der Sprengstoff Eta-typisch.

Innenminister Acebes: Presekonferenzen am laufenden Band
AFP

Innenminister Acebes: Presekonferenzen am laufenden Band

13.00 Uhr: Innenminister Ángel Acebes beschuldigt öffentlich die Eta. Sie habe "ohne jeden Zweifel" die verheerenden Anschläge begangen. Die Bomben hätten aus dem üblicherweise von der Eta benutzten Sprengstoff bestanden, behauptet Acebes. Gleichzeitig warnt er die Presse, die Öffentlichkeit über die wahren Hintermänner der Tat zu täuschen. "Jeder Versuch, die Aufmerksamkeit von denjenigen abzulenken, die verantwortlich sind für den Anschlag, ist nicht hinnehmbar."

14 Uhr: Im Bundeskanzleramt geht man nach den Informationen aus Spanien davon aus, dass die Eta hinter den Attacken steckt. Aus Spanien haben sie bisher wenig oder nur das bekommen, was auch über die Nachrichtenagenturen verbreitet wird. Der BKA-Resident in Madrid bekommt vorerst gar keine Informationen. Gleichwohl äußern hohe Beamte gegenüber Reportern die Meinung, die Eta stecke hinter den Attacken. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagt, es sei verfrüht, über Täter und Hintergründe zu reden und bekundet stattdessen sein Beileid.

14.40 Uhr: Erstmals geht Spaniens Premier José María Aznar vor die Kameras. Komplett in Schwarz gekleidet hält er sich mit Spekulationen zurück. Spanien werde nicht vor dem Terror in die Knie gehen, sagt er. Er spricht in dieser ersten Ansprache nur von Terroristen, weder von Eta noch von al-Qaida. Gleichwohl verwendet er den Begriff "Terrorbande", welche die spanische Regierung üblicherweise für die baskische Separatistengruppe Eta gebraucht.

17 Uhr: Kurz vor Redaktionsschluss startet Aznars Büro eine weitere Telefon-Runde, diesmal werden vor allem die Auslandskorrespondenten der internationalen Presse angewählt. Auch ihnen machen Sprecher des Premiers unmissverständlich klar, dass "niemand anders als die Eta, und nur die Eta" hinter der Tat stecken könne, wie sich der holländische Journalist Henk Boom erinnert.

Polizist am Unfallort: Spurensuche in den Trümmern
AFP

Polizist am Unfallort: Spurensuche in den Trümmern

18 Uhr: Der Uno-Sicherheitsrat tritt in New York zusammen. Auf vehementen Druck Spaniens und trotz des Widerstands einiger Mitglieder wird am Ende der Sitzung eine Verurteilung der Anschläge inklusive einer Benennung der Eta als Täter verabschiedet. Zuvor hatte der spanische Uno-Botschafter mit mehreren Zweiflern telefoniert. Kofi Annan gesteht später Vertrauten, dass er sich wegen des Beschlusses "unwohl" fühle.

19 Uhr: Landesweit setzen sich Demonstrations-Züge in Bewegung. Immer häufiger tauchen Plakate mit Eta-kritischen Phrasen dabei auf.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie früh die spanischen Behörden harte Beweise gegen die Eta-Theorie fand, sie aber verschwieg und selbst die deutschen Geheimdienste wie Schuljungen aussehen ließ

19.40 Uhr: Durch das Klingeln eines Mobiltelefons in einer zwischen den Zugtrümmern gefundenen Tasche stößt die Polizei in einer ihrer Wachen auf eine ihrer wichtigsten Spuren. In einer unauffälligen Sport-Tasche unter Tausenden von Fundstücken aus den Todes-Zügen finden die Fahnder eine mit Nägeln umklebte Sprengladung, die nicht detoniert ist. Sofort machen sich die Experten an die Untersuchung des Sprengstoffes. Öffentlich wird der wichtige Fund nicht mitgeteilt.

20.26 Uhr: Die Polizei bestätigt fast zehn Stunden nach dem Auffinden, dass sie in dem weißen Renault Kangoo neben Sprengzündern eine Kassette mit Koran-Versen gefunden hat. Innenminister Acebes sagt nun, er könne andere Täter als die Eta nicht mehr ausschließen, gleichwohl bleibe die Organisation der Hauptverdächtige.

Bekennerbrief der Qaida: Weitere Anschläge angekündigt
AP

Bekennerbrief der Qaida: Weitere Anschläge angekündigt

21.00 Uhr: Die in London erscheinende arabische Zeitung "al-Quds al-Arabi" meldet, sie habe eine Bekenner-E-Mail der al-Qaida erhalten. In dem Schreiben bekennt sich die "Brigade Abu Hafs al Masri" zu den Anschlägen, die nach dem Qaida-Militärchef Mohammed Atef benannt ist. Spanien sei eines der wichtigsten Mitglieder der "Allianz im Krieg gegen den Islam", steht in der Mail. Die spanische Regierung kündigt an, das Bekennerschreiben "sorgfältig zu prüfen", hält aber an der Eta-Theorie fest.

Freitag, 12. März, 6.00 Uhr: Am frühen Morgen berichtet ein Radio-Sender über die gefundene Sport-Tasche, die nun als wichtigste Spur zu den Tätern gelte. Das Innenministerium gibt zunächst keinen Kommentar zu dem Bericht ab.

10 Uhr: Trotz der spanischen Festlegung auf die Eta als Täter werden in Polen, das wie Spanien ebenfalls an der Irak-Besetzung der USA teilnimmt, die Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren. An den Grenzen wird schärfer kontrolliert und mehr Polizei auf die Straßen geschickt.

11 Uhr: Bei den deutschen Geheimdiensten gehen aus Spanien immer noch kaum Erkenntnisse ein. Allerdings kabeln die Behörden nach Deutschland, der verwendete Sprengstoff sei bisher oft von der Eta verwandt worden. Zudem weisen sie auf einen Plan der Eta hin, ähnliche Attentate in Madrid zu verüben. Folglich hält auch die Bundesregierung am Eta-Verdacht fest.

Leichensäcke in Madrid: Minütlich steigende Todes-Zahlen
AP

Leichensäcke in Madrid: Minütlich steigende Todes-Zahlen

13 Uhr: In Medienberichten werden die ersten Geheimdienstler anonym zitiert, die erhebliche Zweifel an einer Täterschaft der Eta einräumen. Immer mehr, so die Beamten, spreche für die al-Qaida. Offizielle Stellungnahmen bleiben aus.

15 Uhr: Der spanische Radiosender "Cardena Ser" berichtet erneut über die gefundene und nicht explodierte Bombe. Demnach sei sowohl der Sprengstoff als auch der gefundene Zünder nicht Eta-typisch. Offiziell wird der Bericht weder dementiert noch bestätigt.

18 Uhr: Bei der baskischen Zeitung "Gara" und einem Fernsehsender meldet sich ein anonymer Anrufer. Auf baskisch sagt er: "Die Eta hat keine Verantwortung für die Attentate gestern." Schon in den Jahren zuvor hatte die Eta die beiden Medien immer wieder als Sprachrohr benutzt.

18.15 Uhr: Die Opposition wirft der Regierung vor, sie halte Informationen zurück. Premier Aznar weist das zurück. "Wir verfolgen verschiedene Spuren", sagt er.

Protest gegen die Regierung: "Wer war es?"
AP

Protest gegen die Regierung: "Wer war es?"

17 Uhr: Landesweit demonstrieren die Menschen gegen den Terror. Die Polizei zählt fast 11,4 Millionen Menschen auf den Straßen, mitten im Regen. In Madrid ziehen 2,3 Millionen durch die Hauptstadt, unter ihnen auch internationale Politiker. "Ihr wolltet uns zerreißen. Was ihr erreicht habt ist, dass wir noch geeinter sind", steht auf einem Plakat.

Samstag, 13. März 2004: In den spanischen Zeitungen gibt es nur ein Thema: "Wer war es?", titeln die Blätter und führen meist auf zwei gegenüberliegenden Seiten Einschätzungen über die Wahrscheinlichkeit einer Eta-Verstrickung oder der Täterschaft von al-Qaida auf.

10 Uhr: Dem Bundeskriminalamt wird aus Spanien gemeldet, der verwendete Sprengstoff sei vom Fabrikat "Goma 2 Eco" gewesen. Wahrheitswidrig geben die Spanier bekannt, dieser Sprengstoff-Typ sei bereits in der Vergangenheit von der Eta benutzt worden.

15 Uhr: Aus Skandinavien kommt die Meldung, dass die al-Qaida bereits im Dezember 2003 Attacken auf Spanien angekündigt hatte. In einem 42-seitigen Strategie-Papier über den Heiligen Krieg gegen die Besatzer im Irak erwägen die Autoren, dass man das Vorfeld der spanischen Wahlen nutzen müsse, um den öffentliche Druck auf die Regierung zu erhöhen. Mit perfider Logik mutmaßen sie, dass die Aznar-Regierung wohl nur zwei oder drei Attacken aushalte, bis sie die Truppen aus dem Irak abziehe.

Zerfetzter Zug-Waggon: Leichenteile auf den Schienen
AFP

Zerfetzter Zug-Waggon: Leichenteile auf den Schienen

17 Uhr: Innenminister Acebes bekräftigt auf einer Pressekonferenz, die Ermittler verfolgten weiter zwei Linien. Die Regierung gehe weiter von der Eta als alleinigem Täter aus, so der Minister.

18 Uhr: Die Vorwürfe, die Regierung halte aus wahltaktischen Gründen Informationen zurück, werden lauter. Etwa 5.000 Madrilenen ziehen in die Calle Génova zur Parteizentrale. "Wir wollen die Wahrheit wissen, bevor wir wählen", "Wer war es?" oder "Lügner, Lügner", schreien sie. Den Grund für eine mögliche Attacke der Qaida haben mehrere Demonstranten schnell gefunden: "Wegen dir zahlen wir jetzt alle", rufen sie Premier Aznar symbolisch zu.

18.15 Uhr: Nach einem anonymen Anruf bei einer Zeitung findet die Polizei in einem Mülleimer nahe der al-Quds-Moschee in Madrid ein Videoband, auf dem sich ein vermeintlicher Qaida-Sprecher zu Wort meldet. Sofort machen sich die Übersetzer an die Arbeit.

20 Uhr: Nachdem mehrere Medien über die Festnahme von fünf Verdächtigen berichtet hatten, geht der Innenminister vor die Kameras. Er bestätigt, dass die Polizei drei Marokkaner und zwei Inder festgenommen hat, die im Zusammenhang mit dem Mobiltelefon in der bereits am Donnerstagabend gefunden Bomben-Tasche ermittelt wurden. Über den gefundenen Sprengstoff äußert er sich nicht. Trotzdem will er den Eta-Verdacht nicht ausräumen. Die Polizei ermittele weiter in alle Richtungen, so sein Fazit.

Wahllokal in Spanien: Urnengang im Zeichen des Terrors
AP

Wahllokal in Spanien: Urnengang im Zeichen des Terrors

21.15 Uhr: Eine Stunde nachdem der Innenminister über die Festnahme der fünf Verdächtigen berichtet hat, tritt PP-Spitzenkandidat Mariano Rajoy im Fernsehen auf. Er bezeichnet die Demonstration gegen die herrschende Partei als illegal und ruft zu sauberen Wahlen auf.

23 Uhr: Spaniens Innenministerium ruft mitten in der Nacht erneut zur Pressekonferenz und berichtet über das gefundene Videoband. Darauf sagt ein mit marokkanischem Akzent sprechender Araber, al-Qaida sei für die Anschläge verantwortlich. Der Mann nennt sich selbst Abu Dudschan al Afghani und bezeichnete sich als Sprecher der Qaida in Europa. Den Geheimdiensten ist der Name nicht bekannt. Die Video-Botschaft ist dafür umso deutlicher: "Dies ist die passende Antwort auf die Verbrechen, die ihr in der Welt und speziell im Irak und Afghanistan begangen habt", sagt er, "und es wird weitere geben, so Gott will. Ihr liebt das Leben, und wir lieben den Tod." Das Innenministerium kündigt eine Prüfung der Echtheit an.

Sonntag, 14. März, 9.00 Uhr: Die Wahllokale im ganzen Land öffnen für die knapp 35 Millionen Wahlberechtigten. Trotz des Videos und der vielen anderen Indizien für eine Verstrickung islamistischer Terroristen hält die Regierung Kurs. In einem Interview mit "El Mundo" wehrt sich der Spitzenkandidat der regierenden PP gegen Vorwürfe, die Regierung informiere die Öffentlichkeit falsch. "Ich gebe mein Ehrenwort", sagt Mariano Rajoy, "dass ich nicht mehr weiß als der Rest des spanischen Volkes".

Spanische Soldaten im Irak: Schulterschluss mit den USA
AP

Spanische Soldaten im Irak: Schulterschluss mit den USA

14 Uhr: In Berlin tritt das Sicherheitskabinett im Kanzleramt zusammen. Trotz gegenteiliger Meldungen aus Spanien äußern die Experten der Sicherheitsbehörden Zweifel an der Eta-Täterschaft. Bundesinnenminister Otto Schily fordert nach der Sitzung eine möglichst rasche Sondersitzung der EU-Innenminister, um über die Folgen von Madrid zu diskutieren.

15 Uhr: Das spanische Innenministerium nennt die Namen der festgenommenen Verdächtigen. Schnell finden Journalisten daraufhin hinaus, dass der festgenommene Marokkaner Jamal Zoughan den spanischen Behörden als al-Qaida-Unterstützer schon vor dem 11. September 2001 ein Begriff war. Er wird in spanischen Ermittlungsunterlagen als Anhänger des inhaftierten al-Qaida-Manns "Abu Dahdah" genannt, der wegen der Unterstützung der Attacken in den USA angeklagt worden ist. Trotzdem beharrt das Innenministerium, dass dies nur eine Spur von vielen sei.

16 Uhr: Aus Marokko kommen mehrere Berichte über eine mögliche Verbindung der Festgenommenen zu örtlichen Extremistengruppen, die für einen Anschlag auf spanische Einrichtungen im Mai 2003 verantwortlich gemacht werden. Marokko entsendet daraufhin ein Team von Fahndern nach Spanien, Terror-Ermittler aus Madrid machen sich auf den Weg in das nordafrikanische Land.

Wahlsieger José Luis Rodríguez Zapatero: Sofortiger Abmarschbefehl
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Wahlsieger José Luis Rodríguez Zapatero: Sofortiger Abmarschbefehl

18.00 Uhr: Das Ergebnis der Wahlen für die regierende Partei ist erschütternd: Mit nur 37,5 Prozent der Stimmen verliert sie die absolute Mehrheit und wird nicht mehr regieren. Stattdessen feiern sich die Sozialisten als Sieger der Wahl. Ihr Spitzenkandidat José Luis Rodríguez Zapatero wird mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Schon kurz nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses kündigt er einen Abzug der spanischen Truppen aus dem Irak an.

Quellen: Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, AP, AFP; Radiosender Cardena Ser, Zeitungen El Pais, Vanguardia, El Mundo, Das Handelsblatt, tageszeitung, New York Times, Washington Post, Time Magazine, Gara; Fernsehsender CNN, BBC, ARD, ZDF, n-tv

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