Terrorfinanzierung Royal Navy beschlagnahmt tonnenweise Drogen vor iranischer Küste

Drogenumschlagplatz Iran: Die britische Marine hat einem Zeitungsbericht zufolge Schiffe vor der iranischen Küste gestoppt, die tonnenweise Drogen transportierten. Die Erlöse sollten den Kampf der Taliban in Afghanistan finanzieren. Iran weist jede Verwicklung in den Schmuggel von sich.


Hamburg - Die Mitteilung der Royal Navy kommt zu einem brisanten Zeitpunkt: Der Ton zwischen Iran und der westlichen Welt ist rau, vor dem Hintergrund des Streits um das iranische Atomprogramm hat Teheran die USA und Israel erneut vor einem "scharfen und vernichtenden" Angriff gewarnt.

Britische Marinesoldaten im Golf: Schlag gegen den Drogenhandel
REUTERS

Britische Marinesoldaten im Golf: Schlag gegen den Drogenhandel

Die britische Marine teilt jetzt einem Bericht der britischen Zeitung "The Independent" zufolge mit, sie habe in den vergangenen Woche tonnenweise Drogen vor der iranischen Küste beschlagnahmt.

Demnach habe die Marine in den vergangenen Monaten mit Unterstützung weiterer Koalitionspartner, darunter den US-Streitkräften, Rauschgift im Wert von fast 100 Millionen Euro konfisziert, versteckt auf sogenannten Dhaus, Segelschiffen, die kleine iranische Häfen verließen. Ein Großteil des Geldes aus dem Drogenhandel, heißt es in dem Bericht, fließe den Taliban in Afghanistan zu, die damit ihre Kriegskassen füllten.

"Die Plage der illegalen Drogen ist die größte Bedrohung der langfristigen Sicherheit Afghanistans", erklärte Commodore Keith Winstanley, Kommandeur der Royal Navy in der Golfregion. Die Drogen seien die Hauptfinanzierungsquelle der Taliban, die Gewalt gegen Afghanen, Briten und die Nato-Streitkräfte anwendeten. "Durch das Sicherstellen der Drogen ist uns ein bedeutender Schlag gegen den illegalen Handel gelungen", zitiert die Zeitung den britischen Offizier. Man mache die Aktion erst jetzt publik, da man die Drogenschmuggler nicht alarmieren wollte.

Die britische Marine beschlagnahmte 23 Tonnen Rauschgift. Insgesamt fanden die Briten sowie ihre Partner rund 70 Tonnen Drogen auf Schiffen und Booten vor der iranischen Küste. Insbesondere in der Straße von Hormus, eine Meerenge zwischen der Insel Hormus und dem iranischen Festland im Südosten Irans, habe der Drogenschmuggel enorm zugenommen, hieß es der Zeitung zufolge aus britischen Kreisen.

An der Drogenfahndung waren die britischen Fregatten "HMS Chatham" und "HMS Montrose" sowie der Zerstörer "HMS Edinburgh" beteiligt.

Die iranische Regierung wies jede Verwicklung in den Drogenhandel zurück. In Teheran hieß es, jegliche Beschuldigung aus dem Westen, Iran würde den Drogenschmuggel fördern, sei nichts als Propaganda, die nur dazu diene, die enorme Präsenz von Nato-Kriegsschiffen im Persischen Golf zu rechtfertigen.

Der Golf ist in erster Linie einer der wichtigsten Handelswege für Erdöl - etwa 40 Prozent des weltweit gehandelten Öls werden durch diese Region transportiert. Aus den USA und aus Großbritannien wird aber immer wieder der Vorwurf laut, Iran unternehme nichts gegen den Drogenschmuggel in dieser Region. Schon vor fünf Jahren habe ein amerikanisches Kriegsschiff ein Segelboot gestoppt, das Haschisch im Wert von rund sechs Millionen Euro transportierte.

Haschisch ist die am häufigsten geschmuggelte Droge im Golf, aber auch der Schmuggel von Heroin, Kokain und Amphetaminen nimmt hier zu. Mehr als 90 Prozent des weltweit produzierten Heroins soll aus Afghanistan stammen - die Hälfte davon wird über Iran geschmuggelt.

Derzeit sorgen aber vor allem das iranische Atomprogramm und iranische Raketentests für Spannungen mit dem Westen. Iran testete in den vergangenen Tagen mehrere militärische Raketen. Nach Erkenntnissen von US-Experten wurde dabei jedoch keine neue Langstreckentechnik eingesetzt. Es habe sich eher um "alte Ausrüstung" gehandelt, sagte ein Pentagon-Sprecher. Gleichwohl werte man die Raketentests als Versuch Irans, die Nachbarstaaten einzuschüchtern und die Spannungen in der Region zu erhöhen.

Nach iranischer Darstellung kam bei den Raketentests am Mittwoch und Donnerstag eine neue Version der Schahab-Rakete mit einer Reichweite von rund 2000 Kilometern zum Einsatz. Damit könnte Iran Israel ebenso erreichen wie die Türkei, Pakistan oder die arabische Halbinsel.

Ein US-Regierungsbeamter sagte hingegen, es habe sich um acht oder neun Raketen kurzer und mittlerer Reichweite gehandelt. David Wright von der Union of Concerned Scientists sagte, der Iran mache oft übertriebene Angaben zur Fähigkeit seiner Raketen. Die Experten eines unabhängigen Blogs zu Fragen der militärischen Sicherheit, ArmsControlWonk.com, schrieben, die in Filmaufnahmen erkennbare Länge und der Durchmesser der Raketen seien identisch mit einer erstmals 1998 demonstrierten Version, die eine Reichweite von 1200 Kilometern habe.

Iran erwartet nach eigenen Angaben keinen Militärschlag des Westens. Für den Fall, dass die USA oder Israel doch einen Angriff auf Iran planten, sagte Präsident Mahmud Ahmadinedschad am heutigen Sonntag: "Unsere Streitkräfte werden dem Feind die Hand abschlagen, bevor er sie überhaupt auf den Abzug legen kann."

kaz/AP/dpa



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