US-Präsident Obama "Wir sind nicht im Krieg mit dem Islam"

US-Präsident Obama will hart gegen islamistische Terroristen vorgehen, warnt aber vor einer Diffamierung von Muslimen. Er verspricht bessere Prävention.

Barack Obama: "Die USA halten zusammen"
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Barack Obama: "Die USA halten zusammen"


Washington - Barack Obama hat im Kampf gegen den Terrorismus mehr Präventionsarbeit gefordert, um junge Menschen vor einer Radikalisierung zu schützen. Keine Religion sei für Terrorismus verantwortlich, sagte der US-Präsident auf einer Konferenz über gewalttätigen Extremismus in Washington. Es seien immer Menschen, die Gewalt verübten.

"Wir sind nicht im Krieg mit dem Islam", so Obama unter lautstarkem Applaus. Die verzerrte Weltanschauung der Extremisten müsse enttarnt werden. "Das sind keine religiösen Führer, das sind Terroristen."

Ähnlich hatte sich bereits Vizepräsident Joe Biden bei der Eröffnung der dreitägigen Konferenz im Weißen Haus am Dienstag geäußert. Das Treffen richtet sich nicht ausdrücklich gegen islamischen Extremismus. Doch die Beratungen stehen unter dem Eindruck des brutalen Vorgehens der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) sowie der islamistisch motivierten Anschläge von Paris und Kopenhagen.

Obama betonte, dass die Mehrheit der Muslime Gruppen wie die IS-Miliz und das Terrornetzwerk al-Qaida ablehne. Und dass amerikanische Muslime Angst hätten, stigmatisiert und verdächtigt zu werden. "Wir alle stehen hinter euch", versprach er. "Im Angesicht des Terrors halten die USA zusammen."

"Armut allein bringt keine Terroristen hervor"

Es sei nicht vorhersehbar, wer sich radikalisiere, sagte Obama. Doch müsse die Lebensgrundlage vieler Menschen verbessert werden, um das Abdriften gerade junger Menschen zu verhindern. "Armut allein bringt keine Terroristen hervor", so Obama. Jugendliche ohne Zukunftsaussichten seien jedoch anfällig gegenüber einer Radikalisierung.

Vor allem Familien, Freunde und Geistliche seien gefragt, negative Veränderungen bei Jugendlichen rechtzeitig zu bemerken, sagte Obama. Dafür bräuchten sie auch Hilfe von Behörden, die sie mit Know-how unterstützen könnten.

Obama räumte selbstkritisch ein, dass der Staat erst einmal das Vertrauen der Bürger wiedergewinnen müsse. Diskriminierung wie "racial profiling" müsse ein Ende haben, auch dürfe niemand aufgrund seines Glaubens verdächtigt werden.

An der Konferenz nehmen auf Einladung des Präsidenten Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft teil. Zunächst wurde über die Lage in den USA geredet. Ab Donnerstag sollen Vertreter aus mehr als 60 Ländern über den weltweiten Anti-Terror-Kampf diskutieren. Unter anderem haben sich Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, die Innenminister Frankreichs und Großbritanniens sowie die Außenminister Japans und Jordaniens angesagt. Deutschland wird durch Innenstaatssekretärin Emily Haber vertreten.

sun/AFP/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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sb411 19.02.2015
1. Leider mal wieder falsche Wortwahl
Islamische oder islamistische Rebellen gibt es gar nicht. Die gibt es weder im Irak, noch in Syrien. Es gibt aber extrem brutale Kämpfer in diesen Ländern, die jedes Maß verloren haben und Kriminelle aus Europa und anderswo und daneben auch noch verwirrte Kinder, die unglaubliche Gewalttaten begehen. Aber wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, die wären Muslime. Das bilden sie sich höchstens selbst ein oder tragen den Glauben vor sich als Rechtfertigung her. Es sind einfach nur Mörder.
primosantoro 19.02.2015
2. weder Armut, noch ...
Zukunftsperspektive bringen Terroristen hervor! Es sind die blutigen Angrifskriege mit mehren Hunderttausend von Toten...
StFreitag 19.02.2015
3. Dieser Mann
hat wenig begriffen, seine Politik in Nordafrika und im arabischen Raum ist ein Unglück für uns alle. Er hat rundum versagt und enttäuscht.
mauskeu 19.02.2015
4. Nicht mit dem Islam....
Ein Teil der Moslems interpretieren den Islam als aggressive Ideologie zur Welteroberung. Gegen diese Ideologen richtet sich der Kampf.
tinosaurus 19.02.2015
5. Nein
natürlich nicht. Saudi Arabien ist ja auch ein guter Partner. Und da ist es egal, wenn Menschen enthauptet und gesteinigt werden. Öl hat nun mal seinen Preis. Wieso schafft die überwiegende Mehrheit der so friedlichen Muslime nicht, eine Fatwa oder Ähnliches gegen diese Mörderbande auszusprechen. Da geht keiner auf die Strasse. Alle haben Angst vor einer Minderheit. Nur, wenn Zeichnungen gezeigt werden, dann sind die religiösen Gefühle verletzt. Nein, so nicht!
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