Terrorismus Hunderte Schläfer warten auf Einsatz

Vor seinem Tod hat Top-Terrorist Sarkawi laut einem Bericht der "New York Times" Hunderte Ausländer im Irak zu Terroristen ausgebildet. Später soll er sie wieder in ihre Heimatländer geschickt haben - und dort sollen nun etwa 300 dieser Schläfer auf ihren Einsatz warten.


New York/Amman - Laut dem Bericht der Sonntagsausgabe der "New York Times" war Abu Mussab al-Sarkawi in letzter Zeit bemüht, den Aktionsradius seiner Terrororganisation weit über den Irak auszuweiten. Bis zu seinem gewaltsamen Tod war sein Operationsfeld, ausgenommen von wenigen Anschlägen in Jordanien, der Irak. Die jordanischen Sicherheitsbehörden hätten die Aktivitäten ihres Landsmanns in zurückliegenden fast zwei Jahrzehnten besonders aufmerksam verfolgt, schrieb das Blatt. US-Anti-Terrorexperten halten die Zahl von 300 Schläfern allerdings für zu hoch angesetzt. Ihrer Meinung nach seien es wesentlich weniger.

Toter Sarkawi, offizielles Foto der US-Armee: Zweifel an Schilderung der Todesumstände
AFP

Toter Sarkawi, offizielles Foto der US-Armee: Zweifel an Schilderung der Todesumstände

Inzwischen sind neue Fragen zum Tod Sarkawis aufgetaucht. Ein Iraker sagte der TV-Nachrichtenagentur AP Television News, er habe gesehen, wie US-Soldaten eine verletzten Person getreten hätten, die Sarkawi ähnlich gesehen habe. Der Mann, der sich Mohammed nannte, sagte weiter, Anwohner hätten eine bärtige Person vor dem Eintreffen der US-Truppen in einen Krankenwagen getragen. Die amerikanischen Soldaten hätten den Verletzten nach ihrem Eintreffen jedoch wieder aus dem Fahrzeug geholt und auf ihn eingeschlagen. Sie hätten den Kopf des Mannes mit einem Gewand umwickelt und seien dann auf dem Bauch und der Brust des Verletzten herumgetrampelt, bis er tot gewesen und Blut aus seiner Nase gequollen sei.

US-Armee ordnet Autopsie an

Die Zeitung "Washington Post" brachte eine ähnliche Schilderung des Irakers. Schilderungen anderer Zeugen gibt es dazu allerdings nicht. Als Reaktion kündigten die USA eine Autopsie an. Militärsprecher Generalmajor William Caldwell erklärte in Bagdad, zwei Experten des US-Militärs seien in den Irak geflogen worden, um die genaue Todesursache festzustellen. "Wir nehmen die Autopsie vor, um zu sehen, wie er wirklich starb", sagte Caldwell. Ein Pentagon-Sprecher, Jeffrey Gordon, sagte in Washington, er kenne die Darstellung nicht. Man sei aber häufig mit Vorwürfen konfrontiert, die sich hinterher als substanzlos herausstellten.

Der verletzte Sarkawi wurde nach Darstellung der US-Streitkräfte von irakischen Soldaten aus den Trümmern seines bombardierten Verstecks gezogen und auf eine Trage gelegt. Beim Eintreffen der amerikanischen Soldaten sei er bei Bewusstsein gewesen, sagte Caldwell am Freitag bei einer Pressekonferenz. Die Soldaten hätten versucht, ihn medizinisch zu versorgen. Der Verletzte habe etwas Unverständliches gemurmelt und sei kurze Zeit später gestorben.

Inzwischen hat die irakische Armee nach eigenen Angaben ein weiteres hochrangiges Mitglied der Terrororganisation Sarkawis festgenommen. Der zur Fahndung ausgeschriebene Abbas al-Mofragi sei im Rahmen eines größeren Einsatzes in Chan Bani Saad bei Baakuba festgenommen worden, teilte die Armee am Samstag mit. Mofragi sei ein Mitarbeiter Sarkawis gewesen. Die US-Armee habe 50.000 Dollar für seine Ergreifung ausgeschrieben. Im Rahmen des Einsatzes um die Stadt Baakuba seien insgesamt 23 Verdächtige festgenommen worden.

Wieder mehrere Tote bei Anschlägen

Aufständische haben am frühen Sonntagmorgen einen Gemüsemarkt in der südirakischen Stadt Amara unter Beschuss genommen. Britische Soldaten erwiderten das Feuer. Dabei wurden nach Polizeiangaben zwei Menschen getötet. Ein siebenjähriger Junge erlitt Verletzungen.

Nahe einer Moschee im Norden von Bagdad detonierte am Straßenrand eine Bombe, als gerade ein irakisches Polizeiauto vorbeifuhr. Ein Beamter wurde getötet, ein weiterer verletzt. Bei einem anderen Zwischenfall in der Hauptstadt wurde ein Autofahrer aus einem vorbeifahrenden Wagen heraus erschossen.

Im Westen Bagdads wurde nach Polizeiangaben der Leichnam eines Sicherheitsbeamten des Gesundheitsministeriums aufgefunden. Der Mann sei gefoltert und dann allem Anschein nach mit einem Kopfschuss getötet worden, hieß es.

lan/dpa/AP/AFP



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