Terrorismus im Irak Sarkawi kündigt Ausweitung des Kampfes an

In einem dem Topterroristen Sarkawi zugeschriebenen Tonband hat das Terrornetzwerk al-Qaida angekündigt, seinen Kampf gegen amerikanische und irakische Truppen fortzusetzen. Auch schiitischen Milizen wurde mit Gefechten gedroht. Die Gruppe um Sarkawi bekannte sich zur Entführung des ägyptischen Botschafters im Irak.


Tonband-Ankündigung Sarkawis im Januar 2005

Tonband-Ankündigung Sarkawis im Januar 2005

Bagdad - Irakische Soldaten würden genauso als Feinde betrachtet wie die Amerikaner, hieß es in einer Tonbandaufnahme, die heute auf eine islamische Webseite gestellt wurde. Sprecher ist laut der Aufzeichnung der Chef der Organisation, Abu Mussab al-Sarkawi. Beobachtern zufolge klang die Stimme in der Tat wie die des jordanischen Extremisten.

Der Sprecher bezeichnete die irakischen Soldaten als Söldner, die sich mit Kreuzrittern verbündet hätten, um den Islam zu zerstören. Deshalb werde seine Organisation ihren Aufstand fortsetzen bis zur Befreiung des Iraks. Zugleich wurde die Gründung einer neuen Terroreinheit angekündigt, um die größte schiitische Miliz zu bekämpfen - die Badr-Brigaden des Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI). Der Widerstand der sunnitischen Rebellen gegen diese Schiitenorganisation hat stets Anlass zur Furcht vor einem Bürgerkrieg gegeben.

Unterdessen wurde ein als Mentor Sarkawis geltender Jordanier in Amman festgenommen. Issam al-Barkawi, auch bekannt als Scheich Abu Mohammed al-Makdisi, wurde gerade von al-Dschasira interviewt, wie der Fernsehsender mitteilte. Er soll Sarkawi in radikalislamischer Ideologie unterrichtet haben, als sich die beiden Ende der neunziger Jahre gemeinsam in Haft befanden. Nach der Entlassung 1999 ging Sarkawi zunächst nach Afghanistan und später in den Irak. Barkawi blieb in Jordanien, wo er im vergangenen Jahr abermals angeklagt war, Anschläge auf US-Einrichtungen geplant zu haben. Er war erst vor einer Woche aus der Haft entlassen worden.

Die US-Regierung reagierte derweil mit Vorsicht auf Berichte aus Damaskus, wonach syrische Truppen Extremisten am Eindringen in den Irak gehindert haben. Sollten diese Angaben zutreffen, wäre dies eine gute Sache, erklärte Außenministerin Condoleezza Rice vor Journalisten in Washington. Den Berichten zufolge kam es am Montag an der Grenze zum Irak zu Gefechten zwischen syrischen Einheiten und militanten Kämpfern. Darunter hätten sich Leibwächter des gestürzten irakischen Staatschefs Saddam Hussein befunden sowie andere Beteiligte an den Aufständen gegen die Koalitionstruppen im Irak.

Sarkawi bekennt sich zu Botschafter-Entführung

Die Gruppe um Sarkawi hat sich gestern zur Verschleppung des ägyptischen Botschafters im Irak bekannt. "Unsere Kämpfer haben den Botschafter entführt", hieß es in einer Erklärung, die im Internet veröffentlicht wurde. Die Kämpfer der Gruppe al-Qaida im Zweistromland hätten den Botschafter in ihrer Gewalt. Ihab al-Scharif war am vergangenen Wochenende in Bagdad entführt worden. Über Forderungen der Entführer ist bislang nichts bekannt.

Gestern entkam der pakistanische Botschafter Yunus Khan im Bagdader Stadtteil Mansur einem Attentat. Kurz zuvor war der Geschäftsträger der bahrainischen Botschaft im selben Viertel bei einem gescheiterten Entführungsversuch verletzt worden. Uno-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich "zutiefst bestürzt" über die jüngsten Attacken auf die Diplomaten. Er fürchte, dass die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, "dem Irak in dieser entscheidenden Zeit zu helfen", nach den jüngsten Vorfällen umschlagen könnte, hieß es in einer in New York veröffentlichten Erklärung.

Die pakistanische Regierung forderte inzwischen ihren Botschafter auf, das Land vorübergehend zu verlassen. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, sagte in Kairo, Ziel der Geiselnahmen und Angriffe auf arabische Diplomaten sei es wohl, die Beziehungen des Iraks zu den arabischen Staaten zu stören.



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