Terrorismus Islamische Dschihad Union bekennt sich zur Kooperation mit al-Qaida

Die Islamische Dschihad Union, laut deutschen Behörden die treibende Kraft hinter den mutmaßlichen Anschlagsplänen der Sauerland-Gruppe, hat ein neues Video veröffentlicht. Erstmals zeigt sich ein IJU-Anführer mit einem hochrangigen Qaida-Mann: dem Ideologen Abu Jahja al-Libi.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Was als begründete Vermutung galt, ist nun Gewissheit: Die Islamische Dschihad Union (IJU) kooperiert eng mit dem Terrornetzwerk al-Qaida. Erstmals liegen Videoaufnahmen vor, die einen Führungskader der IJU mit einem wichtigen Qaida-Mann zeigen.

IJU-Mann, Qaida-Kader Libi: Vortrag über den Märtyrertod

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Die IJU selbst veröffentlichte diese Szenen am Freitag auf seiner türkischsprachigen Website, die sie schon seit langem für ihre Zwecke nutzt. Die entsprechenden Passagen sind Teil eines insgesamt knapp zwölf Minuten langen Videos, in dem unter anderem Kämpfer der IJU gezeigt werden, darunter auch der aus Deutschland stammende Eric Breininger. Das Video liegt SPIEGEL ONLINE vor.

"Wir befinden uns hier in Afghanistan, um uns gegen die Kuffar (Ungläubige - d. Red.) vorzubereiten", sagte er in einer kurzen Szene, die ihn mit einem Gewehr in der Hand zeigt. Allerdings ist diese Szene offenbar nicht neu und aus einem IJU-Video bekannt, das im Oktober 2008 veröffentlicht wurde.

Die IJU ist eine ursprünglich aus Usbekistan stammende militant-islamistische Gruppierung, die vermutlich nur über wenige hundert Kämpfer verfügt und den Schwerpunkt ihrer Operationen wegen des usbekischen Verfolgungsdrucks schon vor Jahren ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet verlegt hat. Sie ist dort nur eine unter mehreren ähnlichen Gruppen, für deutsche Behörden aber deshalb von besonderem Interesse, weil es ihr gelungen ist, eine Reihe Rekruten aus Deutschland zu finden - neben Eric Breininger zum Beispiel Houssain al-Mallah oder Cüneyt Ciftci. Letzterer beging im Namen der IJU sogar einen Selbstmordanschlag in Afghanistan.

Bekenntnis zu Anschlag in Usbekistan

Außerdem hält die Bundesanwaltschaft die IJU für die treibende Kraft hinter den mutmaßlichen Anschlagsplanungen der sogenannten "Sauerland-Gruppe". Seit Ende April läuft gegen Fritz Gelowicz, Adem Yilmaz, Daniel Schneider und Atilla Selek vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf ein entsprechender Prozess. Unter anderem will die Anwaltschaft nachweisen, dass die jungen Rekruten eine eigene IJU-Zelle gebildet haben, Mitglieder dieser Gruppe sind und von ihr angeleitet wurden.

In dem am Freitag veröffentlichten IJU-Video geht es jedoch inhaltlich schwerpunktmäßig gar nicht um Deutschland, sondern darum, dass der IJU-Kommandeur, der als "Abu Fatih" vorgestellt wird, einen Anschlag in Usbekistan für seine Gruppe in Anspruch nimmt, der sich Ende Mai ereignete. Die "Transoxanien-Brigade" habe die Operation durchgeführt. Schriftlich hatte sie IJU sich bereits vergangene Woche dazu bekannt.

Interaktive Karte
SPIEGEL ONLINE
Interaktive Grafik: al-Qaidas wichtigste Kader
Allerdings gibt es in dem Video neben dem Breininger-Insert noch einen weiteren Deutschland-Bezug: Ein vermummter Kämpfer, der Arabisch spricht, erwähnt Deutschland kurz als kriegsführende Kraft in Afghanistan.

Sicherheitsbehörden werten das Band zur Stunde aus. Unter anderem wird versucht, IJU-Mann "Abu Fatih" genauer zu identifizieren, den Deutschland-Bezug abzuklären und mögliche weitere im Video auftauchende Qaida-Kader auszumachen.

"Wichtigste religiöse Autorität bei al-Qaida"

Der in dem Band auftauchende Abu Jahja al-Libi ist derweil nicht irgendein Qaida-Mann: "Abu Jahja ist die derzeit wichtigste religiöse Autorität in der Qaida-Führung", sagt Guido Steinberg, Terrorexperte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Die gezeigten Szenen deuten an, dass der Libyer als eine Art Dozent bei der IJU aufgetreten ist. Auf einem Teppich neben Abu Fatih sitzend doziert er etwa über die Sehnsucht nach dem Märtyrertod.

Dass die IJU diese Bilder veröffentliche, zeige an, so Steinberg, dass sie "den Anspruch habe, eng mit al-Qaida zusammenzuarbeiten".

Diese solcherart offenbarte Verbindung stellt ein weiteres Puzzlestück im trotzdem noch leidlich unklaren Bild der IJU dar. Ein Video, das SPIEGEL ONLINE im Frühjahr 2008 vorlag, dokumentierte bereits, das IJU und Taliban zumindest bei der Produktion von Propagandavideos kooperieren.

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