Terrorismus: Islamische Dschihad-Union droht mit Anschlägen außerhalb Deutschlands

Von Yassin Musharbash und

Brisante Erklärung im Internet: Die Dschihad-Union hat mitgeteilt, dass die drei gefassten Terrorverdächtigen tatsächlich in ihrem Namen agierten. Ende 2007 sollten sie zuschlagen, usbekische und US-Ziele treffen. Jetzt droht die Gruppe mit Attentaten in anderen Ländern.

Berlin - Es war gegen 17 Uhr im gemeinsamen Internetzentrum der deutschen Sicherheitsbehörden in Berlin, als ein Experte fündig wurde. Über eine Internetseite, die schon vorher von Sympathisanten der Islamischen Dschihad Union aus Usbekistan(Islamic Jihad Union, IJU) benutzt wurde, flimmerte plötzlich ein langes Communiqué der noch weitgehend mysteriösen Gruppe.

In langen Sätzen, unterbrochen von Koran-Suren, bekannte sich die Gruppe zu den vereitelten Terrorplanungen in Deutschland. Umgehend begannen die Experten, das türkische Schreiben zu übersetzen.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE heißt es darin mit Bezug auf "die Festnahme der drei Brüder", also der drei gefassten Terrorverdächtigen: Ende 2007 hätten sie in Deutschland Anschläge begehen wollen. Als Ziele werden die US-Luftwaffenbasis Ramstein sowie die Generalskonsulate der USA und Usbekistans in Deutschland genannt. Begründung: Diese beiden Länder hätten Anteil an den "Ungerechtigkeiten und der brutalen Politik gegenüber den Muslimen und dem Islam". Unter anderem habe die IJU erreichen wollen, dass die Bundeswehr nicht länger den Flughafen im usbekischen Termes als Drehkreuz für ihre Afghanistan-Mission benutzt. Unterzeichnet ist das Bekenntnis, das mit "Presserklärung" überschrieben ist, von der "Politischen Führung der Islamischen Dschihad Union".

Die Verfasser drohen mit Anschlägen außerhalb Deutschlands: "Was die drei Brüder vorgehabt haben, wird an anderen Orten in der Welt auch geplant", steht nach Informationen von SPIEGEL ONLINE in dem Dokument. Experten sind sich nicht sicher, wie hoch die Schlagkraft der IJU wirklich ist, selbst die Zahl ihrer kämpfenden Kader ist unbekannt. Als sicher gilt aber, dass sie sich als Terrorgruppe von Format etablieren will - ein Aufsehen erregender Anschlag irgendwo auf der Welt würde diesen Zweck erfüllen.

Gerichtsverwertbarer Beweis

Im Internetzentrum der Sicherheitsbehörden war schnell klar: Dieses Dokument liefert einen konkreten Hinweis darauf, dass die Zelle um die vor einer Woche festgenommenen mutmaßlichen Bombenbauer Daniel S., Fritz G. und Adem Y. tatsächlich von der Islamischen Dschihad Union motiviert war oder sogar gesteuert wurde.

Auch wenn die drei Festgenommenen noch immer hartnäckig schweigen, haben die Ermittler nun zumindest ein Indiz, dass ihre Planungen von langer Hand gesteuert wurden. Vermutlich von IJU-Kadern aus Pakistan, wo die eigentlich usbekische Truppe in den vergangenen Jahren eine Präsenz etabliert haben soll. Dies dürfte in dem Prozess gegen die Verdächtigen eine große Rolle spielen - es ist ein deutlicher Hinweis auf eine organisierte Terrorgruppe, der auch vor Gericht verwertbar sein dürfte.

Die IJU hatte sich 2002 gegründet und 2004 eine Reihe von Anschlägen in Usbekistan begangen, unter anderem gegen die israelische und die US-Botschaft und das Büro des usbekischen Generalstaatsanwalts. Das heute veröffentlichte Schreiben ist in sachlich-nüchternem Ton und fehlerfreiem, eher gehobenem Türkisch verfasst.

Bei der Internetseite, auf der es publiziert wurde, handelt es sich allerdings nicht um eine offizielle Homepage der IJU. Das türkischsprachige Portal "Zeit des Märtyrertums" behandelt eine Vielzahl von Themen, die Islamisten und Dschihadisten umtreiben. Auch die Mudschahidin-Aktivitäten im Irak, in Tschetschenien und Nordafrika spielen auf der Seite eine Rolle - und selbst der mittlerweile getötete Chef der irakischen Qaida-Filiale, Abu Mussab al-Sarkawi, wird dort verherrlicht.

Allerdings taucht auf der Internetseite immer wieder Material aus dem IJU-Umfeld auf - im Mai zum Beispiel ein Interview mit deren angeblichem Anführer Ebu Jahja Mohammed Fatih, der gegen den usbekischen Machthaber Islam Karimov wetterte und seine Truppe als Zusammenschluss von Dschihadisten beschrieb, sowie Bilder von IJU-Kämpfern.

US-Dienste lieferten die ersten Hinweise

Die Ermittlungen gegen den deutschen Ableger der IJU hatten damit begonnen, dass US-Geheimdienste den Deutschen im Herbst 2006 Hinweise übersandten, denen zufolge zwei Männer aus Deutschland im Sommer 2006 in Ausbildungslagern der Gruppe in Pakistan waren. Möglicherweise würden sie Anschläge auf US-Einrichtungen planen. Die Erkenntnisse der US-Geheimdienste stützten sich auf abgehörte Telefonate und E-Mails.

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Dschihad-Union: Authentisches Bekennerschreiben
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