Terrorismus Obskure Islamistentruppe droht mit Anschlägen auf Olympia

Terrordrohung gegen China: Die Islamische Partei Turkistan hat ein Video veröffentlicht, in dem sie Anschläge auf die Olympischen Spiele und chinesische Städte ankündigt. Die wenig bekannte Gruppe übernimmt auch die Verantwortung für die jüngsten Bombenattacken auf Busse in Yunnan.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Das Video trägt den Titel "Unser gesegneter Dschihad in Yunnan". Darin kündigt der angebliche Chef der Islamischen Partei Turkistan, Saifullah, Terroranschläge in China an. Das jedenfalls berichtet das US-Terrorforschungsinstitut IntelCenter. Yunnan ist eine chinesische Provinz im Süden Chinas, die an Vietnam, Burma und Laos grenzt. In der Region leben auch Muslime, in der Vergangenheit gab es ethnische Konflikte zwischen ihnen und anderen Gruppen.

Bildausschnitt des Drohvideos: "Dringende Aktionen"
Intel Center

Bildausschnitt des Drohvideos: "Dringende Aktionen"

"Trotz der wiederholten Mahnungen der Islamischen Partei Turkistan an China und die internationale Gesellschaft, die 29. Olympischen Spiele abzusagen, haben die Chinesen unsere Warnungen ignoriert", sagt Saifullah laut der vom IntelCenter zur Verfügung gestellten Teilübersetzung. Das Video ist dem Bericht zufolge auf den 23. Juli datiert.

Weiter sagt Saifullah dem Bericht zufolge: "Die Freiwilligen der Islamischen Partei Turkistan haben sich besonders vorbereitet, um dringende Aktionen durchzuführen. Sie haben am 5. Mai 2008 zwei öffentliche Busse in Shanghai mit Bomben angegriffen und haben am 17. Juli eine Aktion mit einem mit Sprengstoff beladenen Traktor in Wenzhou durchgeführt. Sie haben außerdem einen Bombenangriff in einer Plastikfabrik in Guangzhou am 17. Juli ausgeführt und drei öffentliche Busse in Yunnan am 21. Juli mit Bomben angegriffen."

Nun warne man China ein weiteres Mal, so Saifullah laut IntelCenter. "Unser Ziel ist, auf die kritischen Punkte zu zielen, die in Zusammenhang mit Olympia stehen. Wir werden versuchen, zentrale chinesische Städte anzugreifen und dabei Praktiken anwenden, die nie zuvor angewendet wurden."

Man warne zudem alle Athleten, insbesondere Muslime, "bitte ihre Absicht zu ändern, nach China zu gehen". Die Kämpfer der Organisation würden "gewalttätige Akte gegen Individuen, Einrichtungen, Orte und Aktivitäten durchführen, die in Zusammenhang mit Olympia stehen".

Die chinesische Regierung warnt seit Monaten davor, dass islamistische Militante Anschläge während der Spiele planen könnten, die in zwei Wochen beginnen. Terrorexperten werfen Peking vor, diese Gefahr zu übertreiben und den Moment auszunutzen, um regimekritische Bewegungen zu unterdrücken und friedliche muslimische Aktivisten als Terroristen abzustempeln. Zu diesem Zweck seien auch schon islamistische Gruppen von den Behörden erfunden worden.

Das knapp vier Minuten lange Video liegt bisher nur dem IntelCenter vor, einem privaten Unternehmen in der Nähe von Washington. Das erschwert die Einschätzung der Nachricht. Das IntelCenter beobachtet und analysiert seit mehr als einem Jahrzehnt terroristische Gruppen und arbeitet unter anderem für US-amerikanische und ausländische Sicherheitsbehörden.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte Ben Venzke, der Geschäftsführer des IntelCenter, dass man bereits vor einigen Wochen ein erstes Communiqué der Gruppe gefunden habe. Darin habe es geheißen, dass der Einsatz biologischer Waffen gerechtfertigt sei.

Wo genau und wie das Video veröffentlicht wurde, blieb bislang unklar. Obwohl Teile des Bandes laut Venzke auf Arabisch gesprochen sind, ist es nach Erkenntnissen von SPIEGEL ONLINE nicht auf den einschlägigen dschihadistischen Websites publiziert worden, die al-Qaida und ihre Filialen sowie andere arabische Dschihadistengruppen für ihre Veröffentlichungen nutzen. Das muss aber nichts heißen, denn auf diesen Seiten publizieren fast ausschließlich arabischstämmige Terrorgruppen.

Venzke zufolge ist die Gruppe schon mehrfach mit eher kleineren Attacken in Verbindung gebracht worden. Trotzdem ist sie eher obskur. In den einschlägigen Datenbanken und Publikationen taucht die Islamische Partei Turkistan praktisch nicht auf.

Ob das Band authentisch ist, konnte bis zum späten Freitagabend nicht unabhängig bestätigt werden.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.