Terrorismus Tschetschenischer Extremistenführer Bassajew getötet

Auf den russischen Fahndungslisten stand er an oberster Stelle: Jetzt soll der tschetschenische Extremistenführer Schamil Bassajew nach Angaben des russischen Inlandsgeheimdienstes getötet worden sein.


Moskau - Die Nachrichtenagentur Interfax meldete heute, Nikolai Patruschew, Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, habe den Tod Bassajews in Moskau bekanntgegeben. Der 41-Jährige sei in der vergangenen Nacht bei einer "Spezialoperation" der Armee in Inguschetien getötet worden, sagte Patruschew bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin, das vom russischen Fernsehen übertragen wurde. Der tschetschenische Extremistenführer stand wegen seiner Beteiligung an Dutzenden Anschlägen auf den russischen Fahndungslisten an oberster Stelle.

Tschetschenischer Extremistenführer Schamil Bassajew (Archivfoto von 1999): Getötet bei "Spezialoperation"
AFP

Tschetschenischer Extremistenführer Schamil Bassajew (Archivfoto von 1999): Getötet bei "Spezialoperation"

Bassajew hatte sich zu einigen Terroranschlägen in Russland bekannt, darunter die Geiselnahmen im Moskauer Musical-Theater "Nordost" im Jahr 2002 und in der Schule von Beslan im Jahr 2004. Bei der Erstürmung der Schule starben 331 Menschen, die Hälfte der Opfer waren Kinder. Der 1965 geborene Tschetschene Bassajew hatte in beiden Tschetschenien-Kriegen 1994 bis 1996 und 1999 bis 2000 gegen russische Truppen gekämpft. Die russischen Behörden hatten früher mehrfach fälschlicherweise seinen Tod gemeldet. Im tschetschenischen Untergrund war Bassajew zuletzt Stellverteter des Rebellenführers Doku Umarow, der den im Juni den getöteten Abdul-Chalim Sadulajew ersetzt hatte. Der letzte gewählte Führer der tschetschenischen Unabhängigkeitsbewegung, Aslan Maschadow, war im März 2005 von russischen Sicherheitskräften getötet worden.

In einer ersten Reaktion bezeichnete Putin die Tötung Bassajews als "gerechte Strafe" für diese Gewalttaten. "Das ist die gerechte Strafe für unsere Kinder in Beslan, in Budennowsk, für all die Terror-Taten, die die Verbrecher in Moskau und anderen russischen Regionen begangen haben, inklusive Inguschetien und Tschetschenien." In Budennowsk hatten die Rebellen unter der Führung Bassajews 1995 ein Krankenhaus besetzt und die Patienten als Geisel genommen. Er gratulierte den Sicherheitsbehörden zu diesem Erfolg. Zugleich warnte er, die terroristische Bedrohung sei weiter "sehr groß".

Den Angaben Patruschews zufolge wurden bei der Operation gegen Bassajew auch zahlreiche Gefolgsleute des Extremistenführers getötet. Patruschew sagte Putin, die tschetschenischen Extremisten hätten gehofft, während des anstehenden G-8-Gipfels in St.Petersburg "politischen Druck auf die russische Führung" ausüben zu können. Laut Patruschew plante Bassajew auch einen Anschlag, der zeitgleich mit dem Gipfeltreffen der sieben führenden Industrienationen und Russlands am kommenden Wochenende verübt werden sollte.

Nach inoffiziellen Berichten starben Bassajew und fünf weitere Terroristen durch eine Explosion, als sie in der Teilrepublik Inguschetien Sprengstoff in einem Lastwagen transportierten. Die Leiche Bassajews sei anhand seines Kopfes identifiziert worden, sagte Tschetscheniens Vizeregierungschef Baschir Auschew. "Schade, dass ich ihn nicht selbst getötet habe", sagte der tschetschenische Ministerpräsident Ramsan Kadyrow. "Ich hatte ihm Blutrache geschworen." Kadyrows Vater Achmat, der erste moskautreue Präsident Tschetscheniens, war 2004 bei einem mutmaßlich von Bassajew organisierten Attentat ermordet worden. Der tschetschenische Präsident Alu Alchanow erklärte, mit dem Tod Bassajews sei die Anti-Terror-Operation in Tschetschenien faktisch beendet.

Die Führung der tschetschenischen Kämpfer erklärte heute auf ihrer Webiste, sie enthalte sich vorerst "jeden Kommentars oder Erklärung". Die Nachricht der "Besatzer" über den Tod Bassajews wurde jedoch sehr schnell auf die Seite gestellt.

phw/hen/AFP/AP/Reuters/dpa



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