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Terrorismus und Irak: Al-Qaida-Zeugen widersprechen Bush

Vor dem Krieg gegen den Irak behauptete die US-Regierung, Bagdad unterhalte Kontakte mit dem Terrornetzwerk al-Qaida. Doch im vergangenen Jahr lagen der CIA die Aussagen zweier führender al-Qaida-Mitglieder vor. Diese erklärten in Vernehmungen, warum Osama Bin Laden nichts mit dem irakischen Diktator zu tun haben wollte.

 Weißes Haus: Warum wurden Aussagen nicht veröffentlicht?
DDP

Weißes Haus: Warum wurden Aussagen nicht veröffentlicht?

New York - Abu Zubaydah, einer der Planer beim Terrornetzwerk al-Qaida, erklärte seinen Vernehmern nach seiner Festnahme im März 2002, dass die Frage einer Zusammenarbeit mit Saddam Hussein in der Führungsgruppe diskutiert worden sei. Doch Osama Bin Laden lehnte solche Vorschläge ab. Er habe sich nicht an Saddam Hussein binden wollen, so der al-Qaida-Planer weiter.

So zumindest steht es in einem CIA-Bericht, den ein nicht namentlich genannter Offizieller gelesen hat und in dessen Darstellung in der jüngsten Ausgabe der "New York Times" zitiert wird. Die Darstellung ist explosiv- reiht sie sich doch ein in die zunehmenden Berichte auch in den US-Medien, wonach die amerikanischen Regierung bei der Suche nach einem Kriegsgrund die Öffentlichkeit getäuscht haben könnte.

Ein weitere Vernehmung stützt nach Angaben der "New York Times" die These, wonach al-Qaida nicht mit Bagdad kooperieren wollte. So habe unabhängig von Abu Zubaydah auch der Operationschef Chalid Scheich Mohammed erklärt, dass die Organisation nicht mit Hussein zusammenarbeite. Mohammend war am 1. März vergangenen Jahres in Pakistan festgenommen worden.

Von offiziellen Sprechern sowohl der CIA wie auch des Weißen Hauses, des Außen- und Verteidigungsministeriums wurde kein Kommentar zu den jüngsten Bericht der "New York Times" gemacht.

Bis jetzt sind die beiden Zeugenaussagen nicht von der Bush-Administration öffentlich gemacht worden, wie die Zeitung weiterhin feststellt. Und das, so die "New York Times", obwohl die Regierung wiederholt Geheimdienstberichte vor Beginn des Krieges hervorgehoben habe, die ihre Vermutungen bestärkten, wonach es Verbindungen zwischen der Terrororganisation und dem Irak gab.

Offenbar ist der CIA bemüht, die beiden Zeugenaussagen herunter zu spielen. Während sich ihr Sprecher Bill Harlow einen Kommentar verweigerte, zitierte die "New York Times" einen namentlich nicht genannte höherrangigen Mitarbeiter mit der Bemerkung, die Aussagen von festgenommenen al-Qaida-Mitgliedern müsse mit großer Skepsis behandelt werden.

 Al-Qaida Planer Scheich Mohammed: In der CIA herrscht Skepsis gegenüber seiner Aussage
AP

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Nach Angaben der Zeitung zirkulierte die Aussage von Zubaydah bereits im vergangenen Jahr innerhalb amerikanischer Geheimdienstkreise. Doch seien dessen Äußerungen nicht durch Regierungsvertreter in die öffentliche Debatte eingebracht worden, als es um die Beweise für eine Zusammenarbeit zwischen dem Irak und al-Qaida gegangen sei, so die "New York Times".

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