Terrorkampf: USA betreiben Drohnenbasis in Saudi-Arabien

Seit zwei Jahren starten offenbar bewaffnete Drohnen von einer CIA-Basis in Saudi-Arabien. Auch der tödliche Einsatz gegen den Qaida-Hassprediger und US-Bürger Anwar al-Awlaki wurde laut Medienberichten von dort aus geflogen. Der Bericht bringt den designierten CIA-Chef Brennan in Bedrängnis.

US-Drohne im Irak (Archivbild): Offenbar seit Jahren Starts aus Saudi-Arabien Zur Großansicht
REUTERS/ U.S. Airforce

US-Drohne im Irak (Archivbild): Offenbar seit Jahren Starts aus Saudi-Arabien

Washington - Am Donnerstag muss sich John Brennan den Fragen des US-Senats stellen. Der 57-Jährige will neuer Chef des US-Geheimdienstes CIA werden. Zuvor ist jedoch einiges klarzustellen. Was ist dran an dem geheimen Pentagon-Papier, dass die Tötung von US-Bürgern mit Qaida-Verbindungen rechtfertigt? Und noch ein Thema befeuert seit Dienstag die Debatte in den USA. Offenbar betreibt die CIA seit Jahren eine geheime Drohnenbasis in Saudi-Arabien.

Von dem Stützpunkt aus starteten regelmäßig unbemannte, bewaffnete Flugobjekte zu Missionen in der Region. Die "New York Times" hatte am Dienstagabend als Erstes über die Basis berichtet. Diese wurde demnach vor zwei Jahren eingerichtet.

Von der Basis in Saudi-Arabien hob laut dem Bericht auch die Drohne ab, die Ende September 2011 die Geschosse auf Anwar al-Awlaki und seine Begleiter abfeuerte. Die Aktion im Jemen gilt als erste gezielte Tötung eines US-Bürgers im Kampf gegen den Terror - und hatte für eine Kontroverse gesorgt.

Schon 2011 hatte es Gerüchte über die Errichtung des Stützpunkts in dem Königreich gegeben. Seitdem bestand laut "Washington Post" jedoch ein Abkommen der großen US-Medienhäuser, die Existenz und vor allem die genaue Lage der Basis unter Verschluss zu halten. Grund war laut dem Blatt die Bitte der Regierung um Stillschweigen. Eine Enttarnung hätte zukünftige Aktionen gegen mutmaßliche Terroristen gefährdet, so die Befürchtung.

Am Dienstag erwähnte die "New York Times" den Stützpunkt dann in einem Artikel über die Debatte rund um John Brennans Kandidatur für die CIA-Spitze. Als Leiter des CIA-Büros in Saudi-Arabien soll dieser eine entscheidende Rolle bei den Verhandlungen mit dem Königshaus über die Drohnenbasis gespielt haben.

16 Seiten Rechtfertigung für tödliche Angriffe

Eine weitere Veröffentlichung treibt die Diskussion um den Einsatz der unbemannten Drohnen voran. Am Montag war ein 16-seitiges Papier des Justizministeriums aufgetaucht. Darin rechtfertigt das Ministerium unter anderem die gezielte Tötung von terrorverdächtigen US-Staatsbürgern auch ohne Erkenntnisse, dass diese einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag planen.

Stattdessen reiche es aus, wenn die US-Regierung feststelle, dass ein Staatsbürger "in letzter Zeit" in "Aktivitäten" verwickelt war, die der Vorbereitung eines Anschlags dienen könnten. Laut einem NBC-Bericht wird in dem Dokument weder präzisiert, welche Aktivitäten Voraussetzung für einen Drohnenangriff sind noch wie lange diese zurückliegen dürfen.

Gegner der Drohnenstrategie und Menschenrechtsgruppen kritisieren diese Auslegung, Experten halten sie für kaum vereinbar mit der US-Verfassung.

jok

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1. Hört sich so an, als ob
Gerdtrader50 06.02.2013
eine Klage vor dem höchsten Gericht in den USA diese Praxis ablehnen als verfassungswidrig verurteilen könnte.
2.
M. Michaelis 06.02.2013
Was ist das eigentlich überall für ein absurdes Theater um die Drohnen. Drohnen sind eine Variante der Distanzwaffen. Sie sind die adäquate Antwort auf asymmetrische Kriegsführung, denn sie stellen effizient die Symmetrie wieder her. Wo also ist eigentlich das Problem.
3. ...
ein anderer 06.02.2013
Zitat von sysopSeitdem bestand laut "Washington Post" jedoch ein Abkommen der großen US-Medienhäuser, ...
Die 4. Gewalt im Staat wird zuhnehmend von der Executive vereinnahmt. Kein wunder hat niemand der grossen Medienhäuser die Lügen der Bush-Regierung kommentiert. SANA lässt Grüssen.
4. Muß so etwas wirklich öffentlich gemacht werden?
mc6206 06.02.2013
Diese Information ist wichtig für die Islamisten aber nicht wichtig für die breite Öffentlichkeit. Es herrscht Krieg mit den Islamisten, ein Krieg der von den Islamisten gegen unser Wertesystem angefangen worden ist. Jede Information, die den Islamisten hilft, schwächt uns. Es reicht wenn derartige Operationen von demokratisch legitimierten Geheimgremien überwacht werden, ich halte dagegen nichts davon, die islamistischen Gegner zu informieren.
5. Cia
schelmig13 06.02.2013
da stellt man sich doch die Frage, woher kommen die ganzen Infos über aktivitäten auf so einem Stützpunkt?
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Drohnen im Einsatz: Krieg per Mausklick
Die wichtigsten Drohnentypen
"MQ-1 Predator"
Die "MQ-1 Predator" war im Jahr 1995 die erste Drohne, die bei der US-Luftwaffe zum Einsatz kam.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: rund 4.5 Millionen Dollar
Bewaffnung: zwei Luft-Boden-Raketen "AGM-114 Hellfire"
Maße: 8,23 m lang, 14,84 m Flügelspannweite
Reichweite: 3704 km
Flughöhe: max. 7620 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"MQ-9 Reaper"
Die "MQ-9 Reaper"(früher "Predator B") basiert technisch gesehen auf der "MQ-1 Predator". Sie ist aber für den Angriff optimiert, da sie die zehnfache Waffenlast im Vergleich zum Ursprungsmodell befördern kann. Eingesetzt wird sie von der US-Marine und Luftwaffe.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: 10,5 Millionen Dollar
Bewaffnung: bis zu 1361 kg
(z.B. Raketen der Typen "AGM-114 Hellfire" und "AIM-9 Sidewinder" oder Bomben der Typen "GBU-12 Paveway II" und "GBU-38 DAM")
Maße: 10,97 m lang, 20,12 m Flügelspannweite
Reichweite: 5926 km
Flughöhe: max. 15.400 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"RQ-7 Shadow 200"
Die "RQ-7 Shadow 200" dient bei der US Army und dem US Marine Corps zur Aufklärung. Sie ist seit 2003 im Einsatz und kann keine Ziele angreifen.

Hersteller: AAI Corporation
Stückpreis: 275.000 Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 3,4 m lang, 3,9 m Flügelspannweite
Reichweite: 125 km
Flughöhe: max. 4600 m
Steuerung: autonom, mit GPS
"RQ-4 Global Hawk" / "Euro Hawk"
Die "RQ-7 Global Hawk" wird als Langstrecken-Aufklärungsdrohne eingesetzt. Sie existiert in zwei Versionen. Die spätere (RQ-4B) wurde auch von der Bundeswehr als "Euro Hawk" eingeführt, ausgestattet mit Sensoren der deutschen EADS. Die Drohne ist wesentlich größer als "Predator", "Reaper" und "Shadow" und mit einem Strahltriebwerk ausgestattet.

Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: 35 Millionen Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 13,53 m lang, 35,42 m Flügelspannweite (RQ-4A) bzw. 14,50 m lang, 39,89 m Flügelspannweite (RQ-4B)
Reichweite: 25.000 km (RQ-4A) bzw. 22.780 km (RQ-4B)
Flughöhe: max. 19.800 m
Steuerung: autonom, mit GPS