Terrorserie in Bombay Indien unterstellt Pakistan Mitschuld an Anschlägen

Drei Tage nach der Anschlagsserie in Bombay hat Indiens Premierminister Singh Pakistan eine Mitschuld zugewiesen. Singh stellte den Friedensprozess mit dem Nachbarland in Frage.


Bombay - Die Attentäter hätten ohne Hilfe von der "anderen Seite der Grenze" nicht so hart zuschlagen können, sagte er Premierminister Manmohan Singh heute bei einem Besuch in der Finanzmetropole Bombay. Sollte die pakistanische Regierung "solche Terrorakte" nicht eindämmen, werde die Fortführung des Friedensprozesses "außerordentlich schwierig". Pakistan dementierte die Vorwürfe umgehend als "unbegründet" und plädierte für die Fortsetzung der Verhandlungen.

Indiens Premierminister Singh besucht Überlebende der Anschlagsserie im Krankenhaus: "Normalisierung der Beziehungen schwierig"
REUTERS

Indiens Premierminister Singh besucht Überlebende der Anschlagsserie im Krankenhaus: "Normalisierung der Beziehungen schwierig"

Singh sagte, die Anschläge seien mit Unterstützung von "Elementen auf der anderen Seite der Grenze" verübt worden. Er habe der Regierung Pakistans "erklärt, dass es sehr schwierig ist, eine Normalisierung der Beziehungen und einen Friedensprozess fortzusetzen, wenn solche Terrorakte nicht eingedämmt werden".

Die Sprecherin des pakistanischen Außenministeriums, Tasnim Aslam, bezeichnete die Vorwürfe aus Neu Delhi als "unbegründet". Islamabad habe die Anschläge bereits auf höchster Ebene als "barbarischen Terrorakt" verurteilt. Der Friedensprozess habe damit nichts zu tun. "Er liegt im Interesse sowohl Pakistans als auch Indiens und der Region, weshalb wir meinen, dass er fortgeführt und vorangebracht werden muss", sagte Aslam.

Die indische Polizei kam bei ihren Ermittlungen nach eigenen Angaben nur schleppend voran. Es würden zwar "wichtige Spuren" verfolgt, das Bild sei aber noch immer "verschwommen", räumte der Polizeibeauftragte Jayjit Singh ein. Zeitungsberichten zufolge verfolgte die Polizei Telefonate nach Pakistan, Bangladesch und in den Nahen Osten zurück.

In der umstrittenen Grenzregion Kaschmir erschossen Soldaten am Freitag zwei Verdächtige, die der radikal-islamischen Organisation Lashkar-e-Toiba angehört haben sollen. Die beiden Männer stammten aus Pakistan, erklärte die Armee. Das Militär habe zwei AK-47-Sturmgewehre und Munition beschlagnahmt.

Bei der Anschlagserie auf mehrere Pendlerzüge und Bahnhöfe waren am Dienstag im Berufsverkehr von Bombay 179 Menschen getötet und fast 800 weitere verletzt worden. Nach Angaben der indischen Polizei tragen die Attentate die Handschrift der radikal-islamischen Organisation Lashkar-e-Toiba, die in Pakistan und auch im indischen Teil Kaschmirs aktiv ist.

phw/AFP



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