Terrorverdächtige inhaftiert USA erzürnen Irak und Iran mit Festnahme-Aktion

Weil sie angeblich Attentate planten, haben die USA mehrere Iraner im Irak festgenommen - auch Militärs und Diplomaten. Das bei ihnen gefundene Material wird nun gesichtet. Iran protestierte und kündigte "unangenehme Folgen" an, Iraks Präsident Talabani ist bestürzt: Die Inhaftierten seien seine Gäste.


Teheran - Die Regierung in Teheran hat gegen die Festnahme von offenbar vier iranischen Bürgern durch die US-Armee im Irak protestiert. Die Festnahme der beiden Iraner sei "rechtswidrig und nicht in Übereinklang mit weltweit gültigen Regeln", sagte der iranische Außenamtssprecher Mohammed Ali Hosseini. Der Vorfall werde "unangenehme Konsequenzen" haben.

Iraks Präsident Talabani: "Unzufriedener" Gastgeber
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Iraks Präsident Talabani: "Unzufriedener" Gastgeber

Die irakische Regierung habe die Iraner eingeladen und sei für ihre Freilassung verantwortlich. Das Außenministerium bestellte den Schweizer Botschafter ein, der im Iran auch die Interessen der USA vertritt, um förmlich gegen die Festnahmen zu protestieren.

Auch die irakische Regierung hatte sich zuvor "unzufrieden" darüber geäußert, dass die US-Armee im Zweistromland die Iraner festgenommen habe. Der irakische Präsident Dschalal Talabani habe die Vertreter der iranischen Behörden selbst eingeladen, als er vor einem Monat in Teheran gewesen sei, sagte sein Sprecher Hiwa Osman. Der Präsident sei sehr bestürzt über die Entwicklung.

Talabani habe die Einladung im Rahmen eines Sicherheitsabkommens zwischen Iran und dem Irak ausgesprochen. Die "New York Times" berichtet, dass die US-Armee in den vergangenen Tagen gleich mehrere Iraner festgenommen habe. Unter ihnen seien auch ranghohe Militärs und Diplomaten der iranischen Botschaft in Bagdad gewesen. Einige der Festgenommenen seien auf dem Grundstück des einflussreichen Schiitenführers Abdul Asis al-Hakim aufgegriffen worden, der Anfang des Monats mit US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus zusammengetroffen war. Die Diplomaten sollen inzwischen wieder auf freiem Fuß sein.

Mindestens vier Iraner seien am Montag noch im Gewahrsam der US-Armee gewesen, berichtet die "New York Times". Die USA werfen dem überwiegend von Schiiten bewohnten irakischen Nachbarstaat Iran vor, schiitische Milizen im Irak mit Geld und Waffenmaterial zu unterstützen. Hierzu gehörte auch technisches Know-how zur Herstellung von Straßenbomben, die den US-Streitkräften bislang die größten Verluste zufügten.

Welcher Art die Beweise gegen die Festgenommenen genau sind, ist bislang jedoch nicht bekannt. Es gebe "eine Menge Material", das bei Razzien konfisziert worden sei, sagte ein Vertreter der US-Regierung der "New York Times". Es werde zurzeit untersucht.

Unterdessen haben britische Soldaten im südirakischen Basra eine Polizeistation gestürmt und Dutzende Untersuchungshäftlinge befreit. Es war befürchtet worden, dass die Polizisten die Gefangenen hinrichten wollten. Nach britischen Militärangaben wurden schon am Freitag sieben Offiziere dieser Polizeiwache festgenommen, denen zum Teil Verbindungen zu kriminellen Milizen nachgesagt werden. Irakischen Quellen zufolge stehen sie unter anderem im Verdacht, in den gewaltsamen Tod von Dolmetschern für die britischen Streitkräfte im Irak verwickelt zu sein.

Die Polizei in Basra soll von schiitischen Milizionären unterwandert sein. Diesen geht es nach britischen Angaben allerdings weniger um die Auseinandersetzungen zwischen den diversen irakischen Volksgruppen, sondern fast ausschließlich um kriminelle Machenschaften mit dem Ziel der Bereicherung.

dan/AP/Reuters



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