Dänemark: Terrorverdächtige sollen Anschlag auf Kronprinzen geplant haben

Vier Terrorverdächtige stehen seit Freitag in Dänemark vor Gericht: Die Männer sollen als Vergeltung für die umstrittenen Mohammed-Karikaturen Anschläge auf den dänischen Kronprinzen Frederik sowie die Zeitung "Jyllands-Posten" geplant haben. Die Angeklagten plädieren auf "nicht schuldig".

Kronprinz Frederik mit seiner Frau Mary: Anschlag wegen Mohammed-Karikaturen geplant? Zur Großansicht
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Kronprinz Frederik mit seiner Frau Mary: Anschlag wegen Mohammed-Karikaturen geplant?

Kopenhagen - In Handschellen und begleitet von Polizisten wurden die Angeklagten in den Gerichtssaal außerhalb von Kopenhagen geführt. In Dänemark hat am Freitag der Prozess gegen vier Männer begonnen, die wegen der umstrittenen Mohammed-Karikaturen einen Anschlag auf die Zeitung "Jyllands-Posten" geplant haben sollen.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft wollten die Männer bei dem Angriff auf die Kopenhagener Redaktion im Dezember 2010 so viele Menschen wie möglich töten. Der Vergeltungsanschlag soll laut Nachrichtenagentur AP auch dem dänischen Kronprinzen Frederik gegolten haben. Demnach erklärte die Staatsanwaltschaft, die Gruppe habe das Büro der Zeitung "Politiken" angreifen wollen, wo der Prinz an einer Preisverleihung teilnahm. Die Verdächtigen wurden vor der Zeremonie festgenommen.

Die Angeklagten wiesen die Anschuldigungen zum Prozessauftakt in Glostrup bei Kopenhagen zurück und plädierten über ihre Anwälte auf "nicht schuldig". Den vier Männern zwischen 29 und 44 Jahren wird "versuchter Terrorismus" vorgeworfen, ihnen drohen bis zu 16 Jahre Haft. Staatsanwalt Henrik Plean sagte, er wolle außerdem beweisen, dass die mutmaßlichen Terroristen Verbindungen nach Pakistan unterhielten.

Extremisten wollten die Gesellschaft "in Angst und Schrecken" versetzen

Es wird erwartet, dass die Staatsanwaltschaft außerdem beantragt, die Männer nach Verbüßung ihrer Strafe aus Dänemark auszuweisen. Drei der Verdächtigen sind schwedische Staatsbürger, der vierte hat eine Aufenthaltserlaubnis für das Land. Sie stammen ursprünglich aus Libyen, Tunesien, Marokko und dem Libanon.

Schwedische und dänische Ermittler hatten die Männer vor deren Festnahme im Dezember 2010 monatelang überwacht und Telefongespräche abgehört. Drei Verdächtige wurden in einer Wohnung in einem Vorort von Kopenhagen festgenommen. Bei ihrer Festnahme wurden unter anderem eine Maschinenpistole mit scharfer Munition und Plastikbänder gefunden, die als Handfesseln verwendet werden können. Der vierte Verdächtige wurde in Stockholm gefasst.

Die Ermittler bezeichneten die Angeklagten als islamische Extremisten, die die dänische Gesellschaft in Angst und Schrecken versetzen wollten. Mit einem Urteil wird Mitte Juni gerechnet.

Die "Jyllands-Posten" hatte 2005 zwölf Mohammed-Karikaturen veröffentlicht, die den islamischen Propheten unter anderem als Terroristen mit Bombe im Turban zeigt. Die Karikatur war in vielen westlichen Zeitungen nachgedruckt worden und löste teils gewaltsame Proteste in islamischen Ländern aus.

Bereits Ende Januar waren in Oslo zwei Terrorverdächtige zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden, weil sie einen Sprengstoffanschlag auf die "Jyllands-Posten" und den Karikaturisten Kurt Westergaard geplant hatten. Der heute 76-jährige Westergaard hatte einen Mordanschlag am Neujahrstag 2010 in seinem dänischen Haus in Aarhus nur knapp überlebt.

lgr/dpa/dapd

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Terror: Angriff auf dänischen Karikaturisten

Chronologie des Karikaturenstreits
30. September 2005
Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlicht zwölf Karikaturen zum Islam. Einige von ihnen bringen die Religion und ihren Propheten mit dem modernen Terrorismus und mit Selbstmordanschlägen in Verbindung. So zeigt eine von Kurt Westergaard angefertigte Zeichnung Mohammed mit einer Bombe in Form eines Turbans auf dem Kopf. Die muslimische Welt reagiert empört sowohl auf die Verbindung ihrer Religion mit dem Terrorismus als auch auf die Verbildlichung Mohammeds, die für viele Muslime eine Beleidigung des Propheten darstellt.
Oktober bis November 2005
Dänische Muslime gehen aus Protest gegen die Karikaturen auf die Straße. Eine niederländische Zeitung veröffentlicht die Zeichnungen ebenfalls.
Januar 2006
Die Protestwelle schwappt auf arabische Länder über, Saudi-Arabien zieht seinen Botschafter aus Dänemark ab.
Februar 2006
Auch zahlreiche europäische Zeitungen veröffentlichen unter der Verteidigung der Pressefreiheit einige oder alle Karikaturen der "Jyllands-Posten". Bei weltweiten Protesten in muslimischen Ländern sterben Dutzende Menschen, dänische Botschaften und andere Einrichtungen des Landes werden beschädigt.
Februar 2008
Die dänische Polizei teilt mit, ein Mordkomplott gegen Westergaard verhindert zu haben. In Reaktion darauf veröffentlichen mehrere dänische Zeitungen erneut die umstrittenen Bilder.
März 2008
Qaida-Führer Osama Bin Laden droht Europa wegen der Karikaturen mit einer "Abrechnung".
2. Juni 2008
Bei einem Bombenanschlag vor der dänischen Botschaft in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sterben acht Menschen.
April 2009
Die dänische Gesellschaft für Pressefreiheit verkauft - von Kurt Westergaard handsignierte - Drucke der umstrittenen Mohammed-Karikatur für 250 Dollar das Stück.
Oktober 2009
In Chicago werden zwei Männer verhaftet, die einen Anschlag auf das Gebäude der "Jyllands-Posten" geplant haben sollen.
2. Januar 2010
Ein somalischer Islamist dringt mit einem Messer und einer Axt bewaffnet in Westergaards Haus ein und bedroht den Zeichner. Der Angreifer wird von der Polizei überwältigt und noch am gleichen Tag wegen versuchten Mordes angeklagt.

AFP
26. Februar 2010
Die dänische Zeitung "Politiken" entschuldigt sich in einem Vergleich mit einer Vereinigung von Mohammed-Nachfahren dafür, Muslime mit dem Abdruck der Karikaturen gekränkt zu haben. Dänische Politiker reagierten überwiegend entrüstet auf die Entschuldigung.
September 2010
Ein im Juli festgenommener Verdächtiger, der aus dem Irak stammt, gesteht, einen Anschlag auf die "Jyllandsposten" geplant zu haben. Zuvor hatte die Polizei in Kopenhagen einen anderen Mann festgenommen, der angeblich eine Briefbombe zur "Jyllandsposten" schicken wollte. Am 30. September - exakt fünf Jahre nach der ersten Veröffentlichung - erscheint das Buch von Flemming Rose "Tyrannei des Schweigens". Darin analysiert er die vergangenen Jahre und den Streit um die Cartoons.