Terrorwarnung Israel ruft Bürger zum sofortigen Verlassen von Sinai auf

Israel hat eine ungewöhnlich scharfe Terrorwarnung für seine Staatsbürger veröffentlicht. Touristen auf der ägyptischen Halbinsel Sinai sollen diese sofort verlassen. Es drohe eine "unmittelbar geplante Entführung" eines Israelis.


Jerusalem - Die Regierung in Jerusalem hat alle Israelis in einer "dringenden" Warnung zum sofortigen Verlassen der Sinai-Halbinsel aufgefordert. Der am Dienstag veröffentlichte Aufruf spricht von "konkreten Hinweisen" dafür, dass Terroristen die Entführung israelischer Bürger planten. Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, und die Warnung ist außergewöhnlich scharf formuliert. "Wir rufen alle Israelis, die sich auf dem Sinai aufhalten, dazu auf, sofort nach Israel zurückzukehren", hieß es.

Nach ägyptischen Angaben halten sich derzeit etwa 35.000 Israelis in dem Gebiet auf. Israel hat zwar eine ständige Reisewarnung, die von Abstechern in die Sinai-Wüste abrät, doch wird dies von Tausenden Israelis stets geflissentlich ignoriert. Mit dem Aufruf, "sofort abzureisen und heimzukehren" versuchte die israelische Regierung am Dienstag, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu wecken, damit Israelis ihre Verwandten und Bekannten, die in dem Gebiet unterwegs sind, möglichst rasch von der drohenden Gefahr unterrichten.

Bei Terroranschlägen in drei Sinai-Badeorten waren zwischen 2004 und 2006 mehr als 120 Menschen getötet worden, darunter auch Israelis. Zwölf Israelis kamen im Oktober 2004 bei einem Doppelanschlag auf Reiseziele auf dem Sinai ums Leben. Der israelische Anti-Terror-Stab hatten bereits vor dem jüdischen Passah-Fest Ende März eine allgemeine Reisewarnung für den Sinai herausgegeben. Dennoch reisten etwa 20.000 Israelis in das beliebte Urlaubsgebiet, ein Anstieg von 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die israelischen Streitkräfte hatten die Halbinsel im Sechs-Tage-Krieg von 1967 erobert. Im Friedensvertrag von 1982 gab Israel das Gebiet an Ägypten zurück.

ler/dpa/apn

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