Teure EU-Ratspräsidentschaft Wie Sarkozy ein Vermögen verbriet

Der Teppich kostete 90.000 Euro, die Blumen waren doppelt so teuer, die Spitzenköche verbrieten fürs Diner mehr als eine Million: Frankreichs Präsident Sarkozy spielte während seiner EU-Ratspräsidentschaft im vorigen Jahr Sonnenkönig - nun hat der Rechnungshof das Ausmaß der Kosten enthüllt.

Von , Brüssel

Frankreichs Präsident Sarkozy mit Gattin Carla Bruni: Sonnenkönig gespielt?
REUTERS

Frankreichs Präsident Sarkozy mit Gattin Carla Bruni: Sonnenkönig gespielt?


Der "Mittelmeer-Gipfel" am 13. Juli vorigen Jahres, am Tag vor dem französischen Nationalfeiertag, war ein Höhepunkt der französischen EU-Ratspräsidentschaft. Politisch war er zwar eher belanglos, das war schon vorher klar. So sollte er wenigstens ein großes gesellschaftliches Ereignis werden, mit Glanz und Pomp und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im Mittelpunkt. 43 Staats- und Regierungschefs wurden - samt Entourage - ins noble "Grand Palais", im Herzen von Paris, geladen. Europäer, Nordafrikaner, Nahost-Notable trafen sich und tauschten rund drei Stunden Artigkeiten aus.

Alles war aufs Feinste bereitet. Der ehrwürdige Saal war von einem Heer von Handwerkern ereignisgerecht hergerichtet und mit einem eigens für den Empfang - für über 90.000 Euro - gewebten blauen Teppich ausgelegt worden. Für 194.000 Euro hatten Gärtner und Floristen den Altbau geschmückt. Spitzenköche durften weit über eine Million Euro für die insgesamt rund 200 Diner-Gäste verbraten. Pro Gast sind das über 5000 Euro - schwere Kost.

16,6 Millionen Euro habe die Feier insgesamt gekostet, enthüllte jetzt der französische Rechnungshof. Dessen Bericht durften einige Parlamentarier einsehen, und die erzählten die pikanten Details gleich weiter. Das meiste davon gab die Regierung zu, nur die Sache mit der Dusche, die ein Oppositionsabgeordneter publik gemacht hatte, die stimme nicht. Darauf beharrt Regierungssprecher Luc Chatel.

Dabei passt sie so schön ins Bild. Für den mediterranen Feier-Abend habe sich Nicolas Sarkozy, so berichtete der Abgeordnete René Dosière, eigens eine moderne Dusche in das antike Palais bauen lassen. Ein Prachtstück offenbar, mit Power-Strahl, Jet-Massage und Surround-Sound-Radio für 250.000 Euro. Dabei habe der Präsident die luxuriöse Nasszelle nicht einmal genutzt, sondern sich lieber in seinem zehn Minuten entfernten Amtssitz, dem Elysée-Palast, frischgemacht. Jungfräulich sei die Dusche nach drei Tagen wieder abgebaut worden. Aber das muss der Abgeordnete wohl geträumt haben, wenn der Regierungssprecher sich nicht irrt. Denn der sagt, man habe dort keine Dusche eingebaut und abgerissen, sondern acht Konferenzräume für die Gipfelteilnehmer.

Chirac brauchte "nur" 57 Millionen Euro

Ob nun mit Dusche oder mit Sprechzimmern - als "übertrieben üppig" kritisiert der Pariser Rechnungshof nicht nur diese eine Feierlichkeit im Rahmen von Frankreichs EU-Ratspräsidentschaft. Diese Ehre, dem "Rat", der Versammlung aller EU-Staaten vorzustehen, hat reihum jedes Land jeweils für sechs Monate. Das kostet stets ein ordentliches Sümmchen. Österreich, Finnland, Portugal, Slowenien haben für ihre Halbjahre jeweils zwischen 70 und 80 Millionen ausgegeben. Damit kommen große Nationen wie Frankreich natürlich nicht hin. 175 Millionen Euro sind es geworden. Veranschlagt waren anfangs sogar 190 Millionen - man war also geradezu sparsam.

Sarkozy-Vorgänger Jacques Chirac kam in "seiner" Präsidentschaft im Jahre 2000 noch mit 57 Millionen Euro aus. Solche Beträge galten damals noch als ziemlich hoch. Deshalb vereinbarten die EU-Mitglieder, die meisten Ratstagungen und vor allem die Gipfeltreffen der "Chefs" fortan in Brüssel abzuhalten. Dort stehen genügend Sitzungssäle zur Verfügung, und auch für die zwei-, dreitausend Journalisten, die solch ein Ereignis begleiten, muss nichts hergerichtet werden. Es ist schon alles da. Bis hin zum Speisesaal mit bescheidener Verköstigung von Präsidenten, Premiers, Kanzlern und Kanzlerin nebst mitreisenden Außenministern und Staatssekretären.

Aber irgendwie ist die Rechnung wohl nicht aufgegangen - wie die Bilanz der französischen Präsidentschaft nun zeigt. Von Luxus und Verschwendung will das Pariser Festkomitee gleichwohl nichts hören. Schließlich habe Deutschland in seiner Präsidentschaft, im ersten Halbjahr 2007, noch mehr Geld ausgegeben, nämlich 180 Millionen Euro.

Na dann ist ja offenbar alles in Ordnung.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
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Dino, 30.10.2009
1. Immer auf die Kleinen.
Zitat von sysopDer Teppich kostete 90.000 Euro, die Blumen waren doppelt so teuer, die Spitzenköche verbrieten fürs Diner mehr als eine Million: Frankreichs Präsident Sarkozy spielte während seiner EU-Ratspräsidentschaft im vorigen Jahr Sonnenkönig - nun hat der Rechnungshof das Ausmaß der Kosten enthüllt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,658127,00.html
Von wegen Sonnenkönig, unsere Mutti ist mit schlappen 180 Mio.noch spendabler. Macht ja auch nichts, wir haben`s ja.
blue0711 30.10.2009
2. grotesk
Die Summen sind aberwitzig. Man muss sich mal vergegenwärtigen, dass man alleine mit dem Geld für diese Feier das gesamte Leben von 7 Menschen finanzieren könnte. Einfach nur grotesk. Neid ist nun wirklich nicht mein Ding, aber Maßlosigkeit scheint das der Politik zu sein, insbesondere der europäischen.
Roana, 30.10.2009
3. Welten
Das ist halt eine ganz andere Welt wie die des Hartz IV Empfängers, der seine Nahrungsmittel bei der Tafel holt um überhaupt noch was zu beißen zu haben. 16.6 Millionen für 200 Gäste und drei Stunden Macht 83000 € pro Gast bzw. 27667 € Pro Gast und Stunde Ich frage mich, wie man selbst bei teuersten Zutaten, bestem Kaviar, Trüffeln und Champagner, Top-Löhnen des kompletten Küchenpersonals sowie anteilige Abschreibung für eine nagelneue Küche das Essen für eine Person derart veredeln kann, daß es den Gegenwert von über 5000€ hat Ist da irgendwem so ein wenig der Sinn für die Realität abhanden gekommen? Oder wurden Arbeiten am Grand Palais mit gemacht, für die sich sonst kein Budget gefunden hätte?
RogerT 30.10.2009
4. Feuer frei...
---Zitat--- Schließlich habe Deutschland in seiner Präsidentschaft, im ersten Halbjahr 2007, noch mehr Geld ausgegeben, nämlich 180 Millionen Euro. ---Zitatende--- Das ist der interessanteste Satz in dem ganzen Artikel... Feuer frei Leute, ich habe ein Recht auf Unterhaltung...
Benjowi 30.10.2009
5. So, so.......
die Regierung hat also ein Einnahmenproblem. Ganz offensichtlich nicht!!! Dieser Verein hat ganz klar ein massives Ausgabenproblem und jeden Bezug zu Geld und Schulden verloren! Ich bin massiv dagegen, Steuern oder Abgaben oder Gebühren oder wer weiß was ihnen noch alles an Begriffen zum Abzocken einfallen, auch nur um 1 Cent noch zu erhöhen!
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