Texas: Houston bekommt eine lesbische Bürgermeisterin

Die Bürger von Houston, Texas, haben sich entschieden: Die offen lesbische Annise Parker wird Bürgermeisterin der Millionenstadt. Im Wahlkampf war Parker offen für ihre sexuelle Orientierung angegriffen worden, konservative und religiöse Gruppen agitierten gegen Schwule und Lesben.

Annise Parker: Viertgrößte Stadt der USA künftig mit lesbischer Frau an der SpitzeZur Großansicht
AP

Annise Parker: Viertgrößte Stadt der USA künftig mit lesbischer Frau an der Spitze

Houston - Annise Parker hat Geschichte geschrieben - die viertgrößte Stadt der USA wird künftig von einer offen lesbischen Frau regiert. "Diese Wahl hat für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle die Welt verändert", sagte Parker in ihrer Siegesrede. Sie wolle "das Leben aller Einwohner Houstons zum besseren verändern".

Im Vorfeld der Wahl hatte es massive Anfeindungen und viel anti-homosexuelle Rhetorik gegeben. Schwulenfeindliche und konservativ-religiöse Organisationen agitierten gegen die offen lesbische Kandidatin und versuchten, Sympathie für ihren 61-jährigen Opponenten Gene Locke zu wecken. Der Afroamerikaner Locke, ein ehemaliger Staatsanwalt, hatte sich zwar öffentlich von der schwulenfeindlichen Kampagne distanziert, zwei hochrangige Mitglieder seines Wahlkampfteams spendeten jedoch Geld für ein konservatives Wahlkomittee, das anti-homosexuelle Wahlwerbung verschickte. Darin hieß es unter anderem, man solle Parker seine Stimme verweigern, weil sie vom "schwul-lesbischen Klüngel" unterstützt werde.

Parker Errang über 53 Prozent der Stimmen, Locke nur knapp 47. Der unterlegene Kandidat hat seine Niederlage bereits eingestanden - dem demokratischen Lager entstammen beide. Parker arbeitet schon seit elf Jahren in der Stadtverwaltung von Houston, zuvor war sie für die Öl- und Gasindustrie tätig.

Houston ist nun die größte Stadt der USA mit einer offen homosexuellen Bürgermeisterin. In kleineren Städten, etwa Portland, Oregon, Providence, Rhode Island und Cambridge, Massachusetts, regieren bereits Homosexuelle. Für das als konservativ und stark religiös geltende Texas aber ist die Wahl Parkers ein Wendepunkt.

Houston ist die viertgrößte Stadt der USA, mit einer überwiegend demokratisch ausgerichteten Wählerschaft. Etwa 25 Prozent der Einwohner sind schwarz oder lateinamerikanischer Herkunft. Etwa 60.000 Houstoner bezeichnen sich selbst als homosexuell - Parker errang bei der Wahl gut 81.600 Stimmen. Insgesamt leben in Houston 2,2 Millionen Menschen.

Homosexuelle in den USA sahen sich in jüngerer Zeit mehrmals als Verlierer gesellschaftlicher Debatten. Im vergangenen Jahr wurde in Kalifornien ein Verbot gleichgeschlechtlicher Eheschließungen durchgesetzt. Im November 2009 wurde im Staat Maine ein bereits verabschiedetes Gesetz durch den Wählerwillen ungültig gemacht, das gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt hätte.

cis/AP/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 18 Beiträge
saul7 13.12.2009
zeigt doch, dass selbst in den ansonsten prüden USA einige umzudenken beginnen. Schwule und Lesben haben in der Politik genauso ihren Platz wie Heteros. Das wird sich auch in den USA im Laufe der Zeit durchsetzen
Zitat von sysopDie Bürger von Houston, Texas haben sich entschieden: Die offen lesbische Annise Parker wird Bürgermeisterin der Millionenstadt. Im Wahlkampf war Parker offen für ihre sexuelle Orientierung angegriffen worden, konservative und religiöse Gruppen agitierten gegen Schwule und Lesben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,666794,00.html
zeigt doch, dass selbst in den ansonsten prüden USA einige umzudenken beginnen. Schwule und Lesben haben in der Politik genauso ihren Platz wie Heteros. Das wird sich auch in den USA im Laufe der Zeit durchsetzen
inci 13.12.2009
erst wenn schwul/lesbisch nicht mehr diskutiert wird, hat sich was geändert. dazu gehört dann aber auch, daß schwule/lesbische politiker nicht einseitig ihre lobby bevorzugen, so wie das in berlin mitunter beobachtet werden [...]
Zitat von saul7zeigt doch, dass selbst in den ansonsten prüden USA einige umzudenken beginnen. Schwule und Lesben haben in der Politik genauso ihren Platz wie Heteros. Das wird sich auch in den USA im Laufe der Zeit durchsetzen
erst wenn schwul/lesbisch nicht mehr diskutiert wird, hat sich was geändert. dazu gehört dann aber auch, daß schwule/lesbische politiker nicht einseitig ihre lobby bevorzugen, so wie das in berlin mitunter beobachtet werden kann. ein bürgermeister, oder eine bürgermeisterin hat die politische pflicht zur neutralität, die sich nicht nur auf religiöse neutralität beschränkt. sondern genaus so sollte auch ideelle und lobbyfreie neutralität pflicht sein. das ist zwar zugegeben ein sehr hehres ziel, aber das sollte kein grund sein, es nicht trotzdem zu versuchen.
MonaM 13.12.2009
Dazu kann man nur anmerken: Na und? Nur die Tatsache, dass dieses Nicht-Ereignis in den USA stattfindet, scheint es zu einer Nachricht zu machen.
Zitat von sysopDie Bürger von Houston, Texas haben sich entschieden: Die offen lesbische Annise Parker wird Bürgermeisterin der Millionenstadt.
Dazu kann man nur anmerken: Na und? Nur die Tatsache, dass dieses Nicht-Ereignis in den USA stattfindet, scheint es zu einer Nachricht zu machen.
semper fi 13.12.2009
Für *Texas* ist das schon ein Ereignis.
Zitat von MonaMDazu kann man nur anmerken: Na und? Nur die Tatsache, dass dieses Nicht-Ereignis in den USA stattfindet, scheint es zu einer Nachricht zu machen.
Für *Texas* ist das schon ein Ereignis.
KB1111 13.12.2009
Eine Bemerkung zur Wahlbeteiligung: Wenn die Siegerin rund 80000 Stimmen erhalten hat und der knapp Unterlegene fast ebenso viele, ergibt sich bei vorsichtig geschaetzten 1,6 Mio. Wahlberechtigten der 2,2 Mio. Einwohner eine [...]
Eine Bemerkung zur Wahlbeteiligung: Wenn die Siegerin rund 80000 Stimmen erhalten hat und der knapp Unterlegene fast ebenso viele, ergibt sich bei vorsichtig geschaetzten 1,6 Mio. Wahlberechtigten der 2,2 Mio. Einwohner eine Wahlbeteiligung von rund 10 Prozent. Dies zeigt ein Desinteresse der Einwohner an der Lokalpolitik, welches selbiges in Dtl. scheinbar noch uebertrifft. Im Uebrigen halte ich es fuer gewagt, aus partiellen Erfolgen von homosexuellen Politikern - auch in Dtl. - den Schluss einer allgemeinen diskriminierungsfreien Akzeptanz dieser Bevoelkerungsgruppe - egal, ob in den USA oder Dtl. - abzuleiten. Politik hat doch viel Aehnlichkeit mit Showbusiness - und da waren Homosexuelle schon seit jeher eher geduldet.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Gleichstellung von Homosexuellen

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Sonntag, 13.12.2009 – 10:57 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 18 Kommentare
Mehr auf SPIEGEL ONLINE






TOP



TOP