Aufmarsch in Bangkok Putsch in Thailand - Armee übernimmt die Macht

Thailands Generäle greifen in den Machtkampf zwischen Regierung und Opposition ein. Die Armee hat die Kontrolle in Bangkok übernommen. Als erstes verhängte sie eine nächtliche Ausgangssperre für das ganze Land.


Bangkok - Monatelang kämpften Regierung und Opposition um die Macht in Thailand, jetzt hat die Armee das Sagen. Die Streitkräfte würden die Ordnung im Land wiederherstellen und politische Reformen durchsetzen, sagte Armeechef Prayuth Chan-ocha in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Das Militär verhängte zudem eine Ausgangssperre für das ganze Land von 22 Uhr bis 5 Uhr morgens.

Prayuth hatte bereits am Dienstag das Kriegsrecht verhängt. Danach versuchte er am Mittwoch und Donnerstag vergeblich, die zerstrittenen politischen Lager zu Kompromissen und einer einvernehmlichen Lösung über die politische Zukunft zu bewegen.

Die Regierung bestand auf baldigen Neuwahlen, die Opposition wollte einen ungewählten Rat, der die Regierungsgeschäfte übernehmen sollte. Eine außerparlamentarische Opposition versucht seit November, die Regierung mit Massenprotesten und Blockaden zu stürzen.

Der Anführer der Proteste wurde abgeführt

Unmittelbar vor der Ansprache des Armeechefs hatten Soldaten den Anführer der Proteste gegen die Regierung, Suthep Thaugsuban, aus einem Treffen abgeführt, in dem die Armee mit den rivalisierenden Parteien seit Mittwoch über einen Ausweg aus der Staatskrise beriet. Am Ort des Geschehens wurden die Truppen massiv verstärkt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, Soldaten hätten bei Protesten von Regierungsanhängern Warnschüsse in die Luft abgegeben.

Trotz des Eingreifens des Militärs würden die Proteste fortgesetzt, kündigte Jatuporn Prompan, Anführer der regierungstreuen "Rothemden", an. Er hatte sich wenige Stunden vor dem Putsch für ein Referendum ausgesprochen, um den Streit zwischen Regierung und Opposition zu beenden. Er habe diesen Vorschlag beim Runden Tisch unterbreitet, sagte Jatuporn vor Journalisten in Bangkok. "Wie auch immer das Ergebnis ist, wir werden es akzeptieren", sagte Jatuporn.

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Umsturz in Bangkok: Putsch der Generäle
Die Bürger sollten in einer Volksabstimmung den zentralen Streit zwischen beiden Lagern beenden: Sie sollen entscheiden, ob es wie von der Regierung gefordert Neuwahlen geben - oder ob zunächst politische Reformen umgesetzt werden sollen. Was jetzt aus diesen Vorhaben wird, ist unkar.

Mit den Reformen wollte die Opposition den ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der aus dem Exil noch immer das politische Geschehen in Bangkok maßgeblich beeinflusst, kaltstellen. Seine Schwester Yingluck Shinawatra wurde kürzlich von der Justiz wegen Amtsmissbrauchs als Regierungschefin abgesetzt.

als/dpa/Reuters

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fxe1200 22.05.2014
1. Na endlich
Dieser 19 Putsch seit 1932 war schon lange überfällig. rechnen Sie mal nach, acht Jahre ohne Putsch, eine reife Leistung. Wäre sicherlich schöner ohne Putsch gewesen, aber die herrschende Regierung mit dem Thaksin Proxy Yingluck an der Spitze hat selbst dafür gesorgt. Vielleicht bewegt sich ja jetzt etwas, abgesehen von populistischer Politik und Korruption. Warten wir es ab. Jedenfalls befürworten, einer Umfrage nach, 75 Prozent der Thailänder diesen Putsch. Ein Aufatmen geht durchs Land. Hat Yai, 22.5.2557
Cheffsessel 22.05.2014
2. Demokratie?
Die Generäle haben wieder mal die Macht übernommen. Demokratie wäre ja schön, wenn man sich nicht der "Diktatur" der Mehrheit des Volkes unterwerfen müsste. Zu hoffen ist, das der "Lernprozess" weiter geht und irgendwann doch zu demokratischen Verhältnissen führen wird.
spon-1283171410589 22.05.2014
3. Wie immer erweisen sich die Militärs als lupenreine Demokraten
Auch diesmal unterstützt das Militär die gelben Faschisten die ja schon immer behauptet haben, dass die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Land nur dunkelfarbige Untermenschen sind. Aber auch in der Armee gibt es diese Untermenschen. Wer weiss, wann diese aufwachen und sich auf die Seite ihrer Familien stellen?
saiber 22.05.2014
4. Militär ist hier völlig im Recht
Hier muss man sagen, dass das Miliär hier sich völlig richtig verhält. Diese beiden Streithähne bekriegen sich seit Jahren und lähmen das Land. Wahlen werden nicht anerkannt und immer wieder versucht mit Demonstrationen, Blockaden und Stürmung von Regierungsgebäuden rückgängig zu machen. Natürlich ist die Oppostion nicht damit einverstanden Neuwahlen durchzuführen weil sie weißt dass sie verlieren wird. Stattdessen soll ein von ihr gewählter Rat die Regierung übernehmen. Also von Demokratie verstehe ich was anderes, denn wenn nicht die Mehrheit des Volkes ihre Regierung wählen darf, so kann man gleich eine Militärdiktatur einführen. Thailand ist nicht geeignet für eine Demokratie.
Jerome E. Gruber 22.05.2014
5. Thailand könnte vielleicht zeigen, wie es geht...
Der Armeechef steht kurz vor der Rente und hat, wie es scheint, beste Absichten. Manchmal ist es nicht verkehrt, wenn ein starker Mann eingreift, der nicht demagogisch Macht erlangen, sondern wahrhaft befrieden will. Ich wünsche dem Armeechef, den Thailändern und Thailand eine friedliche und gute Weiterentwicklung.
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