Bürgerkriegsszenario in Thailand Bangkok rüstet sich für Massenproteste

Thailand steuert erneut auf eine dramatische Machtprobe zu: Regierungsgegner wollen die Hauptstadt Bangkok komplett lahmlegen. Die Angst vor einer Eskalation wird größer. 20.000 Sicherheitskräfte bereiten sich auf einen Einsatz vor.

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Bangkok - Im Kampf um die politische Macht in Thailand wächst die Furcht vor einem Bürgerkrieg. Die Opposition hat vor den für Montag angekündigten massiven Straßenblockaden in Bangkok einen Kompromiss mit der Regierung ausgeschlossen. Deren Anhänger - die "Rothemden" - strömten bereits am Sonntag in verschiedenen Teilen des Landes zusammen und kündigten eigene Demonstrationen an, blieben jedoch der Hauptstadt fern.

Dort kündigten die Behörden den Einsatz von 12.000 Polizisten und 8000 Soldaten an, um Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Armee verlegte Panzer und Artillerie nach Bangkok - nach eigenen Angaben jedoch nur, weil am 18. Januar der Tag der Armee begangen wird. Die Einsatzzentrale der Regierung rechnet mit 200.000 Demonstranten.

Beide Seiten betonten ihre Absicht, auf Gewalt verzichten zu wollen. Viele Thailänder rechnen mit einem Eingreifen des Militärs, sollte es zu Krawallen kommen. Am Samstagmorgen waren in Bangkok sieben Menschen angeschossen worden, die meisten von ihnen Oppositionsanhänger.

Seit zwei Monaten versucht die Opposition unter Führung von Suthep Thaugsuban die Regierung von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra zu stürzen. An deren Stelle will sie nicht gewählte Volksräte einsetzen. Yingluck lehnt dies ab, hat jedoch für den 2. Februar Neuwahlen angesetzt. In den vergangenen Wochen kam es bei den Demonstrationen immer wieder zu Zusammenstößen. Dabei starben acht Menschen.

Kein Kompromiss in Sicht

Suthep will am Montag ab 9 Uhr Ortszeit (3 Uhr MEZ) die Millionenmetropole Bangkok lahmlegen lassen. Die Anhänger seiner Bewegung "Demokratisches Reformkomitee des Volkes" (PDRC) planen, die sieben wichtigsten Kreuzungen bis zu 20 Tage lang zu blockieren.

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Angst vor Eskalation in Thailand: Regierungsgegner wollen Bangkok lahmlegen

Ein Kompromiss mit der Regierung komme nicht in Frage, sagte Suthep der Zeitung "Sunday Nation". Gewalttätige Aktionen schloss er aus. "Wenn es sich zu einem Bürgerkrieg entwickelt, gebe ich auf. Menschenleben sind kostbar", sagte er. Suthep hat jedoch bereits Pläne für den Fall einer Gewalteskalation gemacht. "Wenn jemand einen Bürgerkrieg anzettelt, sage ich den Leuten, sie sollen nach Hause gehen."

Auch die Regierung schwor der Gewalt ab. Man werde die Demonstranten lieber in einige der Regierungsgebäude lassen, statt eine Eskalation zu riskieren, sagte Außenminister Surapong Tovichakchaikul. Arbeitsminister Chalerm Yoobamrung pflichtete ihm bei: "Die Regierung wird Suthep morgen den Helden spielen lassen", sagte er. "Das wird seine Show."

"Suthep und seine Leute provozieren bewusst Chaos"

"Wir bewegen uns auf ein Szenario zu, in dem es immer schwerer sein wird, einen Bürgerkrieg zu vermeiden", sagte hingegen Marc Saxer von der Friedrich-Ebert-Stiftung. "Suthep und seine Leute provozieren bewusst Chaos." Straßenhändler, Taxifahrer, Verkäufer, die kein Geld verdienen können, wenn Bangkok lahmgelegt ist, könnten in ihrer Wut leicht gegen die Demonstranten losziehen, so Saxer. "Wenn man die Kontrolle an die Straße abgibt, wird es gefährlich."

Die Behörden in Bangkok haben für Montag vorsorglich die Schließung von 140 Schulen und der Universitäten nahe der sieben betroffenen Straßenkreuzungen angeordnet. Die US-Botschaft rief ihre Bürger auf, sich einen Wasser- und Lebensmittelvorrat für zwei Wochen zuzulegen. Außenminister Surapong bezeichnete dies am Sonntag als Panikmache.

Eine Eskalation der Gewalt könnte das Militär auf den Plan rufen. Es hat sich in den vergangenen 81 Jahren 18-mal gegen die Regierung erhoben, mit wechselndem Erfolg. Im aktuellen Konflikt bemüht sich das Militär sich bislang um Neutralität. Armeechef Prayuth Chan-ocha forderte die Demonstranten auf beiden Seiten auf, friedlich zu bleiben. "Wir sind alle Thais", erklärte er am Samstag. "Trotz unserer Meinungsverschiedenheiten können wir zusammenleben."

Die Opposition wirft Yingluck vor, lediglich eine Marionette ihres vor einer Haftstrafe ins Ausland geflohenen Bruders und früheren Ministerpräsidenten Thaksin zu sein. Der Konflikt zieht sich seit acht Jahren hin. Die Geschwister werden vorwiegend von ärmeren Teilen der Bevölkerung vor allem auf dem Lande gestützt, während die Opposition insbesondere von der Mittelschicht in Bangkok sowie den Royalisten getragen wird.

wit/dpa/Reuters

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insgesamt 42 Beiträge
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Meckerliese 12.01.2014
1. na ja
Die Menschen dort getrauen sich wenigstens auf die Strasse zu gehen. Hier fällt es keinem schlafenden Michel ein mal den Hintern hochzukriegen.
thunderstorm305 12.01.2014
2. Das hat mit Demokratie nicht viel zu tun.
Die jetzige kleine Opposition hat einfach Angst davor bei der nächsten Wahl eine sichere Wahlniederlage einzufahren. Die Mehrheit hat sie nicht hinter sich. Wenn es nach ihrer Meinung geht, dann hat die Mehrheit der Wähler keine Ahnung und dürfte nicht zur Wahl antreten. Demokratie sieht aber anders aus. Nach dem letzten Putsch durch die Militärs kam die jetzige Regierung wieder an die Macht. Und das wird auch bei einem weiteren Putsch nicht anders laufen.
thunderstorm305 12.01.2014
3. Thema verfehlt!
Zitat von MeckerlieseDie Menschen dort getrauen sich wenigstens auf die Strasse zu gehen. Hier fällt es keinem schlafenden Michel ein mal den Hintern hochzukriegen.
Dumm nur dass diese Menschen die auf die Straße gehen nichts mit der dortigen Mehrheitsmeinung gemein haben. Wenn die Grünen bei 8% Stimmenanteil auf die Straße gehen würden und unsere Regierung stürzen wollten, dann hätte ich auch was dagegen.
richie100 12.01.2014
4. Wie wäre es mit mehr Informationen...
Sehr guter treffender Artikel in der Bangkokpost: http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/388713/the-lawlessness-suthep-clamours-for-is-the-kind-of-dirt-no-soap-is-strong-enough-to-clean-and-neither-new-nor-courageous-says-voranai-vanijaka
moonoi 12.01.2014
5. politik in thailand
ist wie auf einer zauberbuehne. das, was wir sehen dient nur dazu vom tatsaechlichen geschehen abzulenken. Sutheps forderungen sind irrsinnig. er will die regierung stuerzen mit dem ziel freie wahlen abzuschaffen. das ist idiotisch, aber nicht unter der annahme, dass er die armee (Prayut) zum putsch zwingen will. die armee dient zuerst dem koenig, dann dem volk, und dann der regierung (in der reihenfolge). der koenig ist alt und krank. am horizont zeichnet sich die tronfolge ab.(das alleine ist ein abendfuelendes thema). Er ist bereits aus dem krankenhaus nach hause (hua hin) entlassen. nun gilt sicherzustellen, dass,wenn der jetzige koenig abtritt, auf keinem fall der shinawatra clan an der macht sein soll/darf. denn das ist das wahrhaft voellig unkalkulierbare ereignis, dass sich am horizont ab zeichnet, da wollen die alten eliten unbedingt am "druecker" zu sein. darum geht es, um nichts anderes. in der bangkokpost las ich vor einiger zeit: "Thailand hat keine politischen Parteien, nur Gangs!"
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