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Militärputsch: Thailänder setzen sich über Demonstrationsverbot hinweg

Festnahme bei Protesten: Die Armee geht hart gegen Demonstranten vor Zur Großansicht
DPA

Festnahme bei Protesten: Die Armee geht hart gegen Demonstranten vor

Regierung abgesetzt, Parlament entmachtet, Kriegsrecht eingeführt: In Thailand haben Generäle die Macht übernommen. Doch viele Putschgegner widersetzen sich - und demonstrieren trotz des Versammlungsverbots.

Bangkok - Der Putsch in Thailand läuft nach bekanntem Muster: Das Militär setzt die Regierung ab, übernimmt strategisch wichtige Orte, bringt die Fernsehsender unter Kontrolle, lässt patriotische Lieder spielen. Spitzenpolitiker dürfen nicht mehr ausreisen, und die frühere Regierungschefin wird festgehalten. Das Parlament wird aufgelöst, die Verfassung außer Kraft gesetzt.

Aber es gibt Widerstand, auch in Bangkok, zum Beispiel an einer McDonald's-Filiale in der bekanntesten Einkaufsgegend: Hier treffen sich, verabredet über Twitter und Facebook, einige von denen, die sich dem Militär widersetzen wollen.

"Hier geht es nicht um das eine oder das andere politische Lager, hier geht es um die Demokratie!", sagt Ploy, 49, Büroangestellte. Ein Bauunternehmer mit Namen Not, 59, kündigt an: "Wir wollen der Welt zeigen, dass viele Thailänder mit diesem illegalen Coup nicht einverstanden sind." Mit zwei-, dreihundert anderen sind sie gekommen, um der Armee die Stirn zu bieten. Eine Frau entrollt ein großes Blatt Papier. "Stoppt den Putsch!" steht darauf. Andere recken die Arme mit ähnlichen Papieren in die Luft: "Kein Coup", "Freiheit für das Volk".

Einer nach dem anderen erhebt die Stimme. "Armee, hau ab!" skandieren einige und: "Zurück in die Baracken!" Zwei junge Frauen kleben sich den Mund demonstrativ mit schwarzem Klebeband zu.

Seit Dienstag gilt das Kriegsrecht

Versammlungen von mehr als fünf Menschen sind verboten, seit Dienstag gilt das Kriegsrecht. Die Militärführung hat am Sonntag vor der Teilnahme gewarnt. "Wir wollen der internationalen Gemeinschaft Vertrauen in die Stabilität Thailands vermitteln", sagt Armeesprecher Winthai Suwaree in einer Mitteilung, die alle Fernsehkanäle übertragen mussten.

Das Ausland verurteilt den Putsch. Die USA haben Millionenzahlungen an ihren Verbündeten eingefroren und Übungen mit den thailändischen Streitkräften abgesagt. Dies betreffe für dieses Jahr geplante Manöver, teilte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums mit. Auch im Juni geplante gegenseitige Besuche hochrangiger Militärs würden nicht mehr stattfinden. Die thailändische Armee müsse dem Coup ein Ende setzen und die demokratische Ordnung wiederherstellen.

In Bangkok kommen trotz des Verbotes einige Putschgegner zusammen. Ihr Treffpunkt ist mit Bedacht gewählt: Vor dem Amarin-Shopping-Center ist jeden Sonntagmorgen viel Betrieb. Sie sind unentdeckt angekommen. Doch schnell marschieren Soldaten in Kampfmontur auf, mit Waffen und Schutzschilden. Sie stehen vor dem Riesenclown am Eingang. "Eilmeldung: Soldaten nehmen Ronald McDonald fest", twittern die Demonstranten.

"Ich habe die Nase voll von der Armee"

"Wenn diese Leute die Macht haben wollen, sollen sie eine Politik machen, die ihnen Wähler bringt", sagt Not. Er hat 2011 Ex-Regierungschefin Yingluck Shinawatra gewählt, die Schwester des mächtigen Telekom-Milliardärs Thaksin, der selbst 2006 gestürzt worden war. Thaksin dirigierte die Regierung aus dem Exil. Er war die Hassfigur der Regierungsgegner, die den Sturz betrieben haben.

"Shinawatra oder nicht, ich gehöre keinem Lager an", ruft Mink, 49, aufgebracht dazwischen. "Ich habe nur die Nase voll davon, dass die Armee meint, sie kann tun, was sie will", sagt er. "Soldaten haben so oft geputscht, die Leute meinen, das sei normal", ruft er. "Ist es aber nicht!"

Dann kommt es zu Tumulten. Über Lautsprecher spielen Soldaten patriotische Lieder ab, um die Demonstranten zu übertönen. Schreie dringen durch den Lärm, als sie einen jungen Mann abführen. Ein zweiter Mann weigert sich. Er geht beim Schubsen und Gerangel fast zu Boden, ehe die Soldaten ihn fortschleifen.

Insgesamt setzten sich am Sonntag mehr als tausend Menschen über das Demonstrationsverbot hinweg. Bei ihrem Protestzug durch die Hauptstadt riefen die Demonstranten am Sonntag in Sprechchören "Raus!". Auf riesigen Plakaten stand "Junta raus!"

Eine ältere Frau stoppt, macht mit einem Handy ein Foto von sich und den Soldaten und dankt ihnen für ihren Einsatz. "Nehmt sie alle fest!", ruft sie und geht weiter. Bangkok hat seit November Zehntausende Regierungsgegner erlebt, die die gewählte Regierung stürzen wollten. Heute ist die Frau an diesem Ort in der Minderheit.

otr/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 46 Beiträge
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1. Internet abgeschaltet
fwiehler 25.05.2014
Seit den Morgenstunden des 25. Mai wird das Internet in Bangkok von der Militärregierung stundenweise - ohne Vorankündigung - abgeschaltet.
2. Zurück in die Baracken!
cirkular 25.05.2014
Damit sind wohl die Kasernen gemeint. Das kommt davon, wenn man mit Google Translator übersetzt. Viel auffälliger ist, dass die Demonstrationen in Englisch artikuliert werden. Das sieht nach Robert Amsterdam aus.
3. Internet abgeschaltet
fwiehler 25.05.2014
Seit den Morgenstunden des 25. Mai wird das Internet in Bangkok von der Militärregierung stundenweise - ohne Vorankündigung - abgeschaltet.
4. Internet
mjvm 25.05.2014
Also bei mir läuft das Internet problemlos?
5. Auch die gesteuerten
hevopi 25.05.2014
Pseudodemonstrationen täuschen über Fakten nicht hinweg: - die sogenannte Demokratie war eine gekaufte - die Schwester von Thaksin, die eine Änderung der Verfassung zur freien Einreise ihres Bruders durchführen wollte und Familienmitglieder in wichtige Positionen brachte, ist das Demokratie? - die Wahlversprechen z.B. Reiseinkauf von armen Bauern, die dann nicht bezahlt wurden, eine seriöse Regierung? - Spitzenpolitiker, die Herrn Thaksin im Asyl besuchten und auch wieder finanziell unterstützt wurden (Korruption), um Unruhe zu stiften, Demokratie? Alles in Thailand dreht sich (wie allerdings in den meisten Ländern) nur um Geld, jetzt versucht der Militärrat aufzuräumen. Das stößt natürlich bei wirklichen Demokratien auf Unverständnis, in Thailand sind viele Menschen froh, dass endlich Ruhe einkehrt. Ich hoffe auch auf ein demokratisches System in diesem Land, aber ohne Korruption und Verdummung der Bevölkerung.
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