Thailand Militärregierung will Journalisten "konstruktives Fragen" beibringen

Thailands Junta will Reporter auf Regierungslinie bringen. Dafür soll einem Zeitungsbericht zufolge ein "Training" für 200 Journalisten stattfinden - Menschenrechtler vermuten dahinter eine Einschüchterungstaktik.

Junta-Chef Prayuth, Medienvertreter
REUTERS

Junta-Chef Prayuth, Medienvertreter


Der thailändische Junta-Chef Prayuth Chan-o-cha ist bislang nicht mit Bemühungen um ein besseres Verhältnis zu den Berichterstattern im Land aufgefallen. Im Gegenteil: Seit seinem Amtsantritt hat er ein äußerst angespanntes Verhältnis zur Presse. Deren Vertreter werden durch die Gefahr einer Anwendung des sogenannten Majestätsbeleidigungsparagrafen zunehmend an der freien Berichterstattung gehindert.

Nun will die Militärregierung nach Informationen der "Bangkok Post" noch weiter in die Berichterstattung im Land eingreifen: Demnach ist für 200 Journalisten aus dem In- und Ausland ein Treffen geplant, bei dem ihnen beigebracht werden soll, wie sie "konstruktive Fragen" stellen und zukünftig das "Verzerren von Fakten" vermeiden könnten.

Die offizielle Begründung dafür ist, dass Fragen von Journalisten in der Vergangenheit zu "Irritationen" geführt hätten, zitiert die "Bangkok Post" einen zuständigen Beamten. Das Training solle zu einer "gesunden Beziehung" zwischen Regierung und Medien beitragen. Remier Prayuth und andere Minister sollten danach nicht mehr mit provokativen Fragen behelligt werden.

Phil Robertson von Human Rights Watch bezeichnet das angekündigte Journalisten-Training hingegen als Einschüchterungstaktik. "Es ist offensichtlich, dass die Junta das Konzept einer freien Presse nicht versteht", sagt Robertson. "Sie wollen nur Nachrichten lesen, die ihrer Linie folgen."

vks

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