Krieg um die Falklands: Thatchers wichtigste Schlacht

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Falkland-Inseln 1982: Schlacht um den Archipel Fotos
DPA

Ihr politisches Überleben stand auf dem Spiel: Im Falkland-Krieg ging es für Margaret Thatcher um mehr als nur ein paar Felsen im Südatlantik. Die Rückeroberung zementierte ihren Ruf als kompromisslose Eisen-Lady - und sicherte ihr spektakuläre Wahlsiege.

Hamburg - Der 2. April 1982 begann für Margaret Thatcher mit einer Hiobsbotschaft. Über Nacht war eingetreten, wovor sie ihre Sicherheitsberater seit Tagen gewarnt hatten - und was trotzdem einfach nicht wahr sein durfte. Argentinien hatte die Falkland-Inseln überrannt. Unter dem Schutz der Dunkelheit war eine Kommandoeinheit nahe der Hauptstadt Port Stanley an Land geschlichen, um 10 Uhr morgens wehte bereits die argentinische Flagge über dem Gouverneursgebäude. Die Inseln waren nicht länger britisch - und für Thatcher hatte ihre größte, entscheidende Prüfung begonnen.

Kaum drei Jahre war Thatcher damals im Amt. Trotzdem hatte sie schon mehr Feinde als Freunde. Das galt nicht nur für den politischen Gegner, sondern auch für die eigenen Reihen. Steuerhilfen für die Reichen, harte Einschnitte für die Armen: Mit dieser Taktik steuerte Thatcher geradewegs auf eine krachende Wahlniederlage zu - wenn sie sich denn überhaupt bis zur nächsten Wahl im Amt würde halten können. Und nun auch noch das. Britisches Territorium schien verloren. Unter ihrer Aufsicht.

Die Politikerin selbst bezeichnete den Tag als "den schlimmsten, den ich je hatte". Noch konnte sie nicht wissen, dass sie in den Wochen bis zum 20. Juni ihre Macht sichern und die Stimmung in Großbritannien gründlich umkrempeln würde. Immer wieder sprach sie in den Jahren bis zu ihrem Tod am 8. April 2013 vom Falkland-Konflikt als wichtigster Phase ihrer Regierungszeit.

Die Rettung kam in Person von Admiral Sir Henry Leach. Der Befehlshaber der britischen Marine versprach energisch, eine Eingreiftruppe binnen 48 Stunden auf die Reise zu schicken. Tausende Kilometer in den winterlichen Südatlantik. In eine Schlacht mit ungewissem Ausgang und enormen Risiken.

"Wir müssen diese Inseln zurückerobern"

"Wer im Krieg ist, darf sich sein Denken nicht von den Schwierigkeiten bestimmen lassen", schreibt Thatcher in ihrer Biografie "The Downing Street Years". Und dann folgt ein entscheidender Satz: "Man muss mit einem eisernen Willen daran gehen, diese Schwierigkeiten zu überwinden." Schwierigkeiten bereiteten Thatcher unter anderem ihre Sicherheitsberater. Ganz anders als Admiral Leach waren sie von dem Erfolg der Eingreiftruppe gar nicht überzeugt. Sie pochten auf diplomatische Kanäle, Verhandlungen, zur Not sogar Zugeständnisse an die Argentinier.

Doch das war mit Thatcher nicht zu machen. "Wir müssen diese Inseln zurückerobern", appellierte sie "Wir müssen sie zurückerobern, weil die Menschen, die dort leben, Briten sind. Sie dienen immer noch der Krone und sie wollen britisch sein."

Glück - und ein Streit mit den Franzosen

Es folgte eine blutige Militärkampagne mit fast tausend Toten, davon rund ein Drittel Briten. Es hätten viel mehr sein können, hätten nicht Glück und eine chaotische argentinische Führung kräftig mitgeholfen. Mehr als einmal sah es aus, als müssten die US-Streitkräfte den verbündeten Briten aus der Patsche helfen. Eine solche Blamage hätte wohl Thatchers politisches Ende bedeutet.

Stattdessen riskierte Thatcher alles - sogar ein dauerhaftes Zerwürfnis mit den Franzosen. Wie ein Ende 2012 veröffentlichtes Telegramm belegt, wehrte sich die britische Regierungschefin vehement gegen einen Plan der Franzosen, Raketen an Peru zu liefern. Die Waffen würden unverzüglich an Argentinien weitergeschickt, so die Sorge in London. Ein solcher Schritt, so Thatchers Drohung an Präsident François Mitterrand, hätte "katastrophale Folgen" für das Verhältnis zwischen Briten und Franzosen. Auch hier setzte sich die Eiserne Lady durch.

Mit dem Falkland-Konflikt gewann Thatcher nicht nur einen Krieg am anderen Ende der Welt. Mindestens ebenso wichtig war der Sieg an der Heimatfront. Der Erfolg gegen all die politischen Gegner, Kritiker und Feinde. Sie alle hatten nun keinen Stich mehr gegen die Kriegsheldin, die die britischen Interessen im Südatlantik verteidigt hatte. Sie hatten keine Chance mehr gegen die eiserne Lady.

Fortan beschwor Thatcher den "Geist der Falklands", wo immer es nur ging. Seien es die Verhandlungen mit darbenden Minenarbeitern oder der Dauerkonflikt mit der IRA. Und auch die britische Wirtschaft erholte sich langsam aber stetig von der katastrophalen Depression der frühen achtziger Jahre. Bei den Wahlen 1983 verdreifachte sie die Mehrheit ihrer Partei im Haus of Commons, ein spektakulärer Erfolg. Bis 1990 regierte Thatcher durch - eisern.

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Murdoch
Zenturio.Aerobus 08.04.2013
Zitat von sysopDie Rückeroberung zementierte ihren Ruf als kompromisslose Eisen-Lady.... Thatcher und die Falklands: Wie der Krieg - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/thatcher-und-die-falklands-wie-der-krieg-a-893202.html)
Na, das Aufhetzen der Bevölkerung durch die Murdoch-Presse hatte aber auch einen erheblichen Anteil an diesem "Sieg".
2. gähn
dau=maccie 08.04.2013
Zitat von Zenturio.AerobusNa, das Aufhetzen der Bevölkerung durch die Murdoch-Presse hatte aber auch einen erheblichen Anteil an diesem "Sieg".
ja is klar - kaufen sie sich ein geschichtsbuch: 'rallying to the flag' braucht keinen murdoch im uk. den fehler hat auch der irre mit dem bart gemacht. wer den briten auf die zehen tritt sollte nie damit rechnen, daß die verhandeln, DIE KÄMPFEN. notfalls zerren sie die amerikaner ins spiel (lusitania!)
3. Nu isse wech.
j.cotton 08.04.2013
Zitat von sysopIhr politisches Überleben stand auf dem Spiel: Im Falkland-Krieg ging es für Margaret Thatcher um mehr als nur ein paar Felsen im Südatlantik. Die Rückeroberung zementierte ihren Ruf als kompromisslose Eisen-Lady - und sicherte ihr spektakuläre Wahlsiege. Thatcher und die Falklands: Wie der Krieg - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/thatcher-und-die-falklands-wie-der-krieg-a-893202.html)
Endlich.
4. Das war ein großer Sieg für Thatcher und für Großbritannien
Augustusrex 08.04.2013
Eigentlich hatte Argentinien schon verloren als die zwei britischen U-Boote aus Gibraltar bei den Falklands ankamen und die Seeblockade verhängt wurde. Die einzige Teilstreikraft der Argentinier, welche erfolgreich operierte, waren die Luftstreitkräfte. Und die haben unter den britischen Streitkräften doch ziemliche Verluste verursacht. Aber die Briten haben durchgehalten und sie haben die Falklands ohne wenn und aber zurückerobert.
5.
Fliegenklatsche. 08.04.2013
Respekt, wie energisch sie die Interessen von GB vertreten hat, soviel Rückgrat kann man von den deutschen polit.Warmduschern in Berlin leider nicht erwarten, wenn es um Deutschland geht.
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