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Drohnenangriffe: NSA liefert Handy-Daten für gezielte Tötungen

"Predator"-Drohne der USA (undatiertes Archivbild): Angriff auf Handys statt auf Personen Zur Großansicht
REUTERS

"Predator"-Drohne der USA (undatiertes Archivbild): Angriff auf Handys statt auf Personen

Der US-Geheimdienst NSA gibt Daten aus der Handy-Überwachung an das Militär weiter, berichtet die neue Nachrichtenseite "The Intercept" des Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald. Damit werden offenbar Ziele für Drohnenschläge bestimmt - auch Unbeteiligte sterben.

Washington/Hamburg - Die CIA und das US-Militär verlassen sich bei der Identifizierung von Zielen für Drohnenangriffe offenbar immer stärker auf Überwachungsdaten des Militärgeheimdienstes NSA. Deshalb seien bereits mehrfach Unschuldige bei US-Luftangriffen getötet worden.

Das berichtet die neue Medienseite "The Intercept", die am Montag online ging, unter Berufung auf Unterlagen des Whistleblowers Edward Snowden sowie Angaben eines ehemaligen US-Drohnenpiloten. Das "Intercept"-Team besteht aus dem Journalisten Glenn Greenwald und der Dokumentarfilmerin Laura Poitras, denen Snowden seine Dokumente überlassen hatte, sowie dem Enthüllungsreporter Jeremy Scahill.

Nach "Intercept"-Informationen verlässt sich die US-Armee auf die Fähigkeiten der NSA zur Metadatenanalyse und Handy-Ortung, um ein potentielles Ziel für einen Drohnenangriff zu identifizieren. Es werde jedoch nicht mehr von Agenten vor Ort geprüft, ob die Handys tatsächlich in den Händen der Zielpersonen seien. Einige Zielpersonen benutzten bis zu 16 Sim-Karten, um der Überwachung zu entgehen. Zum Teil seien die Mobiltelefone an Freunde oder Familienmitglieder weitergegeben worden, die nicht wussten, dass das Handy höchstwahrscheinlich überwacht werden.

"Zielhandys statt Zielpersonen"

"Wenn die Bombe einschlägt, wissen wir, dass das Handy dort ist. Aber wir wissen nicht, wer es in der Hand hält", sagte der Drohnenpilot "The Intercept". "Die Leute glauben, es gebe eine Liste mit Zielpersonen. Aber in Wirklichkeit gibt es nur eine Liste von Zielhandys."

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Im Oktober vergangenen Jahres hatte die "Washington Post" unter Berufung auf Snowdens Unterlagen enthüllt, dass die NSA eine wichtige Rolle beim Drohnenprogramm des US-Militärs spiele. Damals ging es jedoch nicht um Handy-Metadaten, sondern um Informationen aus abgefangenen E-Mails, die Rückschlüsse auf die Aufenthaltsorte von Zielpersonen zuließen.

syd

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insgesamt 124 Beiträge
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1. Was ist daran neu?
redbayer 10.02.2014
Das macht doch den Erfolg von Drohnenangriffen aus und war auch der Treiber für die Drohnen Entwicklung. Nur wenn man ausspäht und genau weiß wo sich jemand gerade befindet (GPS u.a.), lohnt es sich doch die teuren "Killermaschinen" einzusetzen. Wenn dann ein paar andere dabei mit abgeschossen werden, erhöht das nur die Effizienz. Denn wer sich in der Nähe der "Terrorziele" aufhält, ist selbst verdächtig. Die Deutschen finden das Spitze, solange sie nicht selbst von den Amerikanern abgeschossen werden. Die Zeit kann aber noch kommen. Das letzte unbekannte Flugobjekt am Bremer Flughafen könnte z. B. von den Engländern stammen.
2. Jetzt zweifelt wohl niemand mehr, ...
winki 10.02.2014
die NSA ist eine verbrecherische Organisation und ihrem obersten Chef Obama gehört der Friedensnobelpreis aberkannt. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen.
3.
Ein Mitbürger 10.02.2014
ist das die heile Welt, für die wir kämpfen sollen?
4. Heuchler
wynkendewild 10.02.2014
Zitat von sysopREUTERSDer US-Geheimdienst NSA gibt Daten aus der Handy-Überwachung an das Militär weiter, berichtet die neue Enthüllungsplattform "The Intercept" des Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald. Damit werden offenbar Ziele für Drohnenschläge bestimmt - auch Unbeteiligte sterben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/the-intercept-nsa-liefert-handy-daten-fuer-gezielte-drohnen-toetungen-a-952487.html
Was mich wundert ist die Scheinmoral mit der hier gegen jegliche Form der Kriegsführung gewettert wird. Entweder will ich so einen Kampf gewinnen, dann setzte ich alle mir zur Verfügung stehenden Mittel ein um mein Ziel erreichen zu können oder ich lass den ganzen Quatsch bleiben und überlasse der Gegenseite das Feld. So einfach ist das.
5. entscheidend
s.4mcro 10.02.2014
wirklich entscheidend hier ist doch, dass die Ziele nicht überprüft werden, nicht das "Liefern der Handydaten"...
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