Britische Premierministerin Verdächtige im Fall Skripal sind laut May russische Agenten

Theresa May erhebt schwere Vorwürfe gegen den russischen Militärgeheimdienst: Zwei russische Agenten sollen für den Angriff auf Doppelagent Sergej Skripal und dessen Tochter verantwortlich sein.

Theresa May
PRU/ AFP

Theresa May


Bei den Verdächtigen im Fall des Giftanschlags auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal soll es sich um russische Agenten handeln. Das sagte die britische Premierministerin Theresa May vor dem Parlament in London. Es gebe Hinweise, dass sie Mitglieder des russischen Militärgeheimdiensts GRU seien, so die Regierungschefin.

"Zusammen mit unseren Verbündeten werden wir alle Mittel unseres Sicherheitsapparats ausschöpfen, um der Gefahr zu begegnen, die vom GRU ausgeht", sagte May. Bei dem Anschlag handele es sich nicht um eine auf eigene Faust geplante Tat von Kriminellen, sagte May: "Er wurde nahezu sicher auf hoher russischer Staatsebene genehmigt."

Skripal und seine Tochter Julia waren im März in der südenglischen Stadt Salisbury durch das Nervengift Nowitschokschwer verletzt worden und knapp dem Tode entronnen.

"Wir haben jetzt ausreichend Beweise, um Anklagen im Zusammenhang mit dem Angriff auf Sergej und Julia Skripal zu erheben", sagte der Chef der britischen Anti-Terror-Polizei, Neil Basu. Auch May sagte, Großbritannien werde am Donnerstag bei einem Treffen des Uno-Sicherheitsrats Beweise in dem Fall präsentieren. Nach Angaben der Polizei sind die beiden Verdächtigen etwa 40 Jahre alt. Scotland Yard bat die Bevölkerung um Hinweise.

Moskau sagen die Namen und Bilder angeblich nichts

Das russische Außenministerium wies alle Vorwürfe umgehend zurück. "Die in den Medien veröffentlichten Namen und Bilder sagen uns nichts", sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa der Agentur Tass zufolge. London solle nicht die Öffentlichkeit manipulieren, sondern bei der Aufklärung mit Russland kooperieren.

Zuvor hatte die Polizei Fahndungsfotos und die Namen von zwei russischen Verdächtigen veröffentlicht. Alexander Petrow und Ruslan Boschirow reisten aber wohl unter falschen Namen nach Großbritannien ein. Minutiös zeichneten die Ermittler den Weg der beiden nach Salisbury nach - sie hatten dafür etwa 11.000 Stunden an Videoaufnahmen ausgewertet. Auch in der Nähe des Wohnhauses von Sergej Skripal hatten sich die beiden Männer aufgehalten.

Ruslan Boschirow (links) und Alexander Petrow
LONDON METROPOLITAN POLICE/EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Ruslan Boschirow (links) und Alexander Petrow

Den Verdächtigen wird versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und der Besitz des chemischen Kampfstoffs Nowitschok vorgeworfen. Sie werden nun per internationalem Haftbefehl gesucht.

Der Fall hatte eine schwere diplomatische Krise ausgelöst. Kurz nach dem Angriff wies Washington 60 russische Diplomaten aus. Die USA handelten damit im Gleichklang mit Großbritannien und mehr als zwei Dutzend weiteren Staaten, die ebenfalls russische Diplomaten auswiesen. Daraufhin mussten auch amerikanische Diplomaten Russland verlassen.

Später kam ein britisches Paar aus dem nahen Amesbury versehentlich mit dem Nervengift in Kontakt, eine Frau starb. Auch in diesem Fall gelten die beiden Russen nun als Hauptverdächtige. "Es gibt keinen anderen Ermittlungsstrang", sagte May.

Im Video: Giftanschlag auf Ex-Spion -Todesgrüße aus dem Geheimlabor

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mho/Reuters/dpa



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