Machtwechsel in Großbritannien Queen entlässt Cameron und ernennt May

Der Machtwechsel ist vollzogen. Der britische Premier David Cameron überreichte Queen Elizabeth II. im Buckingham Palace sein Rücktrittsgesuch. Danach ernannte sie Theresa May zu seiner Nachfolgerin.

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Mit selbstbewussten Worten hat sich David Cameron am Abend als Premierminister Großbritanniens verabschiedet. "Ich glaube, dass unser Land heute sehr viel stärker ist", sagte er im Beisein seiner Familie vor dem Amtssitz Downing Street Nr. 10. "Es war keine einfache Reise."

Dann fuhr Cameron mit seiner Familie zum nahe gelegenen Buckingham-Palast, um Königin Elizabeth II. seinen Rücktritt zu erklären. Anschließend empfing die Queen Innenministerin Theresa May und ernannte sie offiziell zur neuen Regierungschefin.

Nur wenige Minuten später hielt May vor Downing Street Nr. 10 ihre erste kurze Ansprache. Sie werde gegen "die brennende Ungerechtigkeit" kämpfen, kündigte sie an. Großbritannien müsse eine Union aller Bürger sein. "Gemeinsam werden wir ein besseres Britannien bauen." May stimmte die Bürger auf große Veränderungen ein. Man werde die Herausforderungen aber meistern. Sie versprach, sich vor allem an den Bedürfnissen der einfachen Bürger und nicht an wenigen Privilegierten zu orientieren.

Video: Cameron-Nachfolgerin May "Brexit heißt Brexit heißt Brexit"

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Sie würdigte auch ihren Amtsvorgänger Cameron, der mit seinem Rücktritt die Konsequenz aus seiner Niederlage beim EU-Referendum am 23. Juni gezogen hatte.

May muss als neue Regierungschefin das Ergebnis des Referendums umsetzen und das Land aus der EU führen. Sie stellte bereits klar, dass es kein Zurück gebe und sie den Brexit zu einem Erfolg machen wolle. Wann May allerdings das Austrittsgesuch in Brüssel einreicht, ist unklar.

Die 59-jährige May übernimmt als zweite Frau nach Margaret Thatcher die Regierung in Großbritannien. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte bereits an, sie wolle May in der Brexit-Frage nicht unter Druck setzen. Es müsse "einen Zeitraum geben, in dem die neue Regierung sich auch klar wird: Welches Verhältnis wollen wir zur Europäischen Union haben", sagte Merkel in einem Sat.1-Interview. "Und insofern geben wir jetzt der britischen Regierung die Zeit, sich das genau zu überlegen", dann werde der Antrag "schon eingehen". Sie freue sich, May kennenzulernen, sagte Merkel.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will rasch mit May über die Folgen des Brexit-Votums sprechen. In seinem Glückwunschschreiben an die neue Regierungschefin in London schrieb er: "Das Ergebnis des Referendums im Vereinigten Königreich hat eine neue Lage geschaffen, die das Vereinigte Königreich und die Europäische Union bald angehen müssen." Er freue sich, Mays diesbezügliche Absichten zu erfahren und hoffe auf ein Treffen in nächster Zukunft.

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Cameron als Premier: Grillen mit Obama, Fußball mit Merkel

Video: Ein Rücktritt und ein "dubi dubi duu"

als/AFP/dpa/Reuters

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eintrachtfanherz 13.07.2016
1. Wahlen
Nachdem, was die Tories angerichtet haben, sollte es Neuwahlen geben. Schließlich wurde damals auch David Camerons Regierung gewählt, nicht Theresa Mays.
neurobi 13.07.2016
2.
Sehr geehrte Frau May, bedenken Sie, wer aus einem Club Austritt muss für die gleichen Leistungen mehr bezahlen. Das ist ganz normal. Also bitte nicht enttäuscht sein, wenn es für GB jetzt teurer wird, am Binnenmarkt weiter teilzunehmen. Vielleicht sollten sie ein Referendum über die erzielten Ergebnissen der Verhandlungen machen mit der Alternative des Exit aus dem Brexit. Die Dummköpfe haben ja das Weite gesucht ...! Nur über die Rabatte muss man dann mal reden ...
pragmat 13.07.2016
3. Lol
Zitat von neurobiSehr geehrte Frau May, bedenken Sie, wer aus einem Club Austritt muss für die gleichen Leistungen mehr bezahlen. Das ist ganz normal. Also bitte nicht enttäuscht sein, wenn es für GB jetzt teurer wird, am Binnenmarkt weiter teilzunehmen. Vielleicht sollten sie ein Referendum über die erzielten Ergebnissen der Verhandlungen machen mit der Alternative des Exit aus dem Brexit. Die Dummköpfe haben ja das Weite gesucht ...! Nur über die Rabatte muss man dann mal reden ...
Na, wenn die EU nicht mehr an Handelsbeziehungen mit UK interessiert ist, dann tun das eben andere. Es gibt da ein paar Länder unter anderem auf der anderen Seite des Atlantiks. Deren Freihandelsverträge mit der EU liegen bekanntermaßen auf Eis. Ausserdem, es ist für einen Kaufmann schon eine merkwürdige Vorstellung, wenn er den Bewohnern des Landes eines Handelspartners freien Zutritt zum eigenen Land gewähren soll. Aber, der Reichtum an spitzfindigen Forderungen der EU ist ja unbegrenzt.
stevie25 13.07.2016
4. Abwarten und Tee trinken
Warten wir mal,ab, was für Vorstellungen die neue PM hat. Man sollte fair mit GB verhandeln aber diese Fairness auch von GB erwarten. Faire Verhandlungen zeichnen sich dadurch aus, dass man die Grenzen des Verhandlungspartners akzeptiert. Im Falle der EU ist das nun mal die Freizügigkeit. Vielleicht sollte sich die EU mal die Frage stellen, ob sie ihren Mitgliedern - ähnlich wie bei Schengen - eine befristete Einschränkung der Freizügigkeit einräumt.
rloose 13.07.2016
5.
Zitat von pragmatNa, wenn die EU nicht mehr an Handelsbeziehungen mit UK interessiert ist, dann tun das eben andere. Es gibt da ein paar Länder unter anderem auf der anderen Seite des Atlantiks. Deren Freihandelsverträge mit der EU liegen bekanntermaßen auf Eis. Ausserdem, es ist für einen Kaufmann schon eine merkwürdige Vorstellung, wenn er den Bewohnern des Landes eines Handelspartners freien Zutritt zum eigenen Land gewähren soll. Aber, der Reichtum an spitzfindigen Forderungen der EU ist ja unbegrenzt.
Deshalb verhandelt die EU ja auch logischerweise mit der britischen Regierung und nicht mit einem Kaufmann. Und bei Verhandlungen unter Regierungen ist es eher merkwürdig, wenn der ein Partner einseitig seine Forderungen durchsetzt. Fragen Sie mal die Schweiz oder Norwegen.
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