Angriffe auf May Briten kontern Trumps Provokationen mit Gelassenheit

In einem Rundumschlag hat US-Präsident Trump Großbritanniens Premierministerin May und ihre Brexit-Verhandlungen kritisiert - kurz vor dem gemeinsamen Treffen. London bleibt dennoch diplomatisch in seiner Replik.

US-Präsident Trump, britische Premierministerin May
imago/ ZUMA Press

US-Präsident Trump, britische Premierministerin May


Die britische Premierministerin Theresa May will US-Präsident Donald Trump nach dessen heftiger Kritik ihre Brexit-Pläne erklären. "Sie freut sich darauf, sich mit dem Präsidenten zusammenzusetzen und mit ihm das Weißbuch durchzugehen", sagte ein Sprecher der Regierungschefin. Er bezog sich damit auf das gerade vorgestellte Weißbuch, in dem die britische Regierung ihre Vorstellungen über die künftigen Beziehungen zur Europäischen Union nach dem Brexit erläutert.

Die Reaktion war äußerst diplomatisch angesichts der scharfen Kritik des US-Präsidenten am Kurs der britischen Regierung - und seiner unverhohlenen Drohung: Ein Handelsabkommen mit Großbritannien komme wohl nicht mehr infrage, sollte sich das Königreich weiter eng an die EU binden, hatte er in einem Interview der Boulevardzeitung "The Sun" gesagt. "Wenn sie das machen, kommt ihr Handelsabkommen mit den USA wahrscheinlich nicht zustande", hatte er gedroht. "Ich habe Theresa May gesagt, wie sie es machen soll, aber sie hat nicht auf mich gehört".

Während Mays Sprecher die Attacke Trumps mehr oder weniger ignoriert, werden andere Politiker deutlicher - aber auch sie wahren die höfliche Form: Kulturministerin Margot James kritisierte Trump auf Twitter für seine Einlassung, der eben vom Amt des Außenministers zurückgetretene Boris Johnson würde ein großartiger Regierungschef sein. "Nein Herr Präsident, Johnson würde einen schrecklichen Premierminister abgeben", schrieb James.

Trump hatte in dem "Sun"-Interview erklärt, er habe den Rücktritt Johnson mit "großem Bedauern" zur Kenntnis genommen. Er wolle die beiden nicht gegeneinander ausspielen, betonte er zwar - doch dann folgte eine Aussage, die als volle Breitseite gegen May interpretiert werden kann. "Ich sage nur, ich denke, er wäre ein großartiger Premierminister."

Der britische Forschungs-Staatsminister Sam Gyimah wurde nach den fortgesetzten Attacken des Gastes deutlicher: "Wo sind Ihre Manieren, Herr Präsident?" Aber es bleibt allein bei dieser Frage - die Leser dürfen sich denken, was Gyimah von Trumps Verhalten denkt:

Proteste in London erwartet

Labour-Politikerin Emily Thornberry bezeichnete die Kritik des US-Präsidenten als äußerst unhöflich. "Sie ist die Gastgeberin. Hat ihm seine Mutter nichts beigebracht. So verhält man sich nicht". Sie forderte die Konservativen-Chefin May deshalb auf, sich gegenüber Trump zu behaupten.

Trump wird sich im Laufe des Tages zu Gesprächen mit May auf dem Landsitz Chequers treffen. Später reist er weiter nach Windsor, wo er von Queen Elizabeth II. empfangen wird.

Trump-Ballon, der über London fliegen soll
REUTERS

Trump-Ballon, der über London fliegen soll

In London wird mit massiven Anti-Trump-Protesten gerechnet. Die Organisatoren erwarten bis zu 100.000 Teilnehmer.

Über der Innenstadt soll auch ein großer Ballon in Form eines Trump-Babys fliegen, Londons Bürgermeister Sadiq Khan hatte diese Aktion genehmigt.

Am Donnerstagabend waren es nur wenige Dutzend, die Trump vor der US-Botschafterresidenz in der britischen Hauptstadt empfingen, wo er die Nacht verbrachte. Mit Trillerpfeifen, Töpfen und Vuvuzelas versuchten sie, den Staatsgast um den Schlaf zu bringen.

mho/dpa/Reuters



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