Großbritannien Trotz Wahlpleite - May will neue Regierung bilden

In Kürze wird sie bei der Queen vorsprechen: Die britische Premierministerin Theresa May plant trotz der herben Wahlniederlage, die neue Regierung anzuführen.

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Die britische Premierministerin Theresa May will trotz des Verlusts der absoluten Mehrheit bei der Parlamentswahl eine neue Regierung bilden. Sie ist auf dem Weg zum Buckingham-Palast, um dort Königin Elizabeth II. um Erlaubnis dafür zu bitten. Sie strebe eine konservative Minderheitsregierung mit Duldung durch die nordirische Democratic Unionist Party (DUP) an, hieß es in britischen Medien.

Laut dem Sender Sky ist die DUP bereit, May im Parlament zu unterstützen. Eine formelle Koalition strebt sie demnach aber nicht an.

Die Wahl hat für ein "hung parliament" gesorgt - ein "Parlament in der Schwebe", in dem keine Partei eine absolute Mehrheit hat. Nach der Auszählung fast aller Stimmen bei der Unterhauswahl haben offenbar weder die konservativen Tories noch Labour eine Chance, die Mehrheit der 650 Wahlkreise für sich zu gewinnen. Von den 650 Sitzen im Unterhaus gehen nach Auszählung der Stimmen für 647 Mandate 316 an die Konservativen und 261 an Labour. Für die absolute Mehrheit sind 326 Mandate notwendig.

Parlamentswahl in Großbritannien
Endergebnis, 650 Wahlkreisen ausgezählt; Mehrheit: 326 Sitze
NI = Nordirland; Quelle: BBC

Die 60-Jährige May hatte die vorgezogene Parlamentswahl einberufen, um sich ein klares Mandat für die Brexit-Verhandlungen zu holen. Sie hatte jedoch in den vergangenen Wochen an Rückhalt in der Bevölkerung verloren.

Labour-Chef Jeremy Corbyn, dessen Partei deutliche Zugewinne erzielte, hatte zuvor Mays Rücktritt gefordert. Er deutet auch seine Bereitschaft zur Bildung einer Regierung an. Seine Partei sei bereit, dem Land zu dienen, sagt er. Labour werde alles tun, um das politische Programm umzusetzen. Es sei ziemlich klar, wer diese Wahl gewonnen habe.

Die weitere innenpolitische Entwicklung ist durch den Ausgang der Wahlen unklar. Seit März läuft aber bereits eine zweijährige Frist bis zum EU-Austritt 2019. Bis dahin müsste ein Austrittsabkommen verabschiedet sein. Der EU-Unterhändler Michel Barnier wollte mit den Brexit-Gesprächen bisher in der Woche ab dem 19. Juni beginnen.

Eine Blitzanalyse der Wahl lesen Sie hier.

als/Reuters/AFP/dpa

insgesamt 119 Beiträge
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Seite 1
fabiofabio 09.06.2017
1. Äh..
diejenige Partei mit den meisten Sitzen bildet die Regierung. Wieso sollte sie nicht als Erste eine Regierung zu bilden versuchen?
henry.miller 09.06.2017
2.
Das war klar...aber stärker geht sie jetzt nicht in die Brexit-Verhandlung. Ein Desaster für sie. Vorher brauchte sie die Unterstützung der eigenen Partei, jetzt die Dritter Die May steht allein, besser wirds nicht. Die Engländer haben offenbar noch andere Themen als den Brexit. Cameron hatte doch gezeigt, wie man es nicht machen sollte. Hätte sie mal besser daraus gelernt.
Shoxus 09.06.2017
3. Ähm
ist das nun verwunderlich? Ihre Partei ist ja auch stärkste Partei. Oder läuft das bei denen irgendwie anders?
Haarfoen 09.06.2017
4. oh je ...
Krass mit anzuschauen, wie die Generation von Frau May das Empire demontiert. Ich leide mit der jüngeren Generation, die progressiv und loyal hinter Europa steht ... vielleicht birgt das Ergebnis aber auch eine Chance - die Karre wird jetzt so an die Wand gefahren, dass Phoenix aus der Asche aufsteigen kann.
zeisig 09.06.2017
5. Ja hoffentlich,
...was denn sonst ?
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