Tibet China lässt Fackellauf durch Tausende regimetreue Studenten bejubeln

Peking setzt in der PR-Schlacht um den olympischen Fackellauf auf eine neue Strategie: In der australischen Hauptstadt Canberra wurden Tausende chinesische Studenten aktiviert, um die "Reise der Harmonie" zu beklatschen. Trotzdem kam es auch in Australien zu Protesten und Festnahmen.


Canberra - Neue Gewichtsverteilung beim olympischen Fackellauf: In Canberra gab es erstmals deutlich mehr pro-chinesische Demonstranten als Tibet-Aktivisten. Nach Angaben von Pro-Tibet-Gruppen kamen zwar schätzungsweise 500 Unterstützer in die australische Hauptstadt. Gleichzeitig mobilisierten aber chinesische Vereinigungen Studenten und andere Teilnehmer für Gegenkundgebungen und organisierten Busfahrten aus mehreren Städten. Sam Wong von der Australia China Association sagte, dem Aufruf zur Begleitung des Fackellaufs seien 10.000 Menschen gefolgt.

Der australische Organisator des Fackellaufs gab sich überrascht. Man habe nicht mit einer solchen Präsenz der chinesischen Gemeinschaft gerechnet, gab Ted Quinlan zu. Einer der Tibet-Aktivisten warf der chinesischen Regierung vor, sie habe den Gegendemonstranten Fahrt- und Verpflegungskosten erstattet, damit sie nach Canberra kommen. Die chinesische Botschaft dementierte dies.

Auch der Großeinsatz von Sicherheitskräften konnte in Canberra Proteste nicht verhindern, als rund 80 Sportler das Feuer durch die Straßen der australischen Hauptstadt trugen. Polizisten in kurzen Hosen, T-Shirts und Baseball-Kappen begleiteten in Canberra die Fackelläufer. Etwa eine Stunde nach dem Start sprang ein Mann vor die Fackel, wurde aber von den Beamten schnell zur Seite gezerrt. Ein anderer Demonstrant rief: "Stop killing in Tibet" und wurde ebenfalls von Polizisten abgeführt. Vor dem Parlamentsgebäude, etwas abseits der Strecke, blockierten drei Tibeterinnen eine Straße. Bei den Zwischenfällen wurden insgesamt sieben Personen festgenommen.

Zu weiteren Zwischenfällen kam es in einem Park im Stadtzentrum, wo sich mehrere tausend Menschen versammelten. Dabei bekundeten die einen mit tibetischen Fahnen ihre Sympathie für die Unabhängigkeitsbewegung der Himalaya-Region. Andere schwenkten chinesische Fahnen. Die Polizei bemühte sich, beide Seiten voneinander zu trennen. Dabei kam es wiederholt zu Rangeleien. Tibetische Aktivisten setzten eine chinesische Flagge in Brand.

Die heftigsten antichinesischen Proteste während des Fackellaufs gab es bislang in London, Paris, San Francisco und Neu-Delhi. Am Samstag ist die japanische Stadt Nagano der nächste Schauplatz des Fackellaufs. Am 2. Mai trifft die Olympische Fackel in Hongkong ein und setzt ihren Weg dann in China fort - bis zur Eröffnung der Spiele am 8. August in Peking.

Die gegenüber der ursprünglichen Planung um vier Kilometer gekürzte Strecke der Fackelläufer war in Canberra mit Metallgittern abgesperrt. "Wir sind entschlossen sicherzustellen, dass die Fackel die gesamte Strecke zurücklegen kann", sagte Polizeichef Mike Phelan.

Trotz der Störungen gelangte die Olympische Fackel schließlich wie geplant an ihr Ziel. Letzter Läufer war nach rund drei Stunden der australische Schwimmer und fünffache Goldmedaillen-Gewinner Ian Thorpe.

als/AP/dpa/AFP



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