Tibet-Krise Chinesische Polizei schießt auf Mönche

Neues Blutvergießen im Tibet-Konflikt: Bei einer Demonstration in der chinesischen Provinz Sichuan sind mehrere Menschen getötet worden. Die Behörden geben steinewerfenden Protestlern die Schuld - die Exil-Tibeter behaupten, die Polizisten hätten in die Menge gefeuert.


Peking - Bei neuen Zusammenstößen zwischen tibetischen Demonstranten und der Polizei sind in der Stadt Garze in der westchinesischen Provinz Sichuan mindestens zwei Menschen getötet worden. Bei einem der Opfer handelt es sich um einen Polizisten, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag meldete. Mehrere weitere Polizisten seien verletzt worden. Tibetischen Aktivisten zufolge wurden auch ein buddhistischer Mönch getötet und ein weiterer schwer verwundet.

Zur Ursache der Zusammenstöße gibt es unterschiedliche Angaben. Die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, die Demonstranten hätten die Polizisten mit Messern und Steinen angegriffen. Wie örtliche Behörden berichteten, habe die Polizei lediglich "Warnschüsse" abgegeben.

Informationen exil-tibetischer Organisationen zufolge hingegen feuerten die Sicherheitskräfte mit scharfer Munition in die Menge. Demnach wurde in derselben Region im Luhuo-Kreis am Montag mindestens ein 18 Jahre alter tibetischer Mönch von Angehörigen der bewaffneten Polizei (Wujing) erschossen. Die Sicherheitskräfte hätten mehrmals wahllos in die Menge der rund 200 protestierenden Tibeter - unter ihnen viele Nonnen und Mönche - gefeuert, als diese sich einem Behördengebäude näherten. Ein zweiter Mönch befinde sich in kritischem Zustand, wie das Tibetan Center of Human Rights an Democracy (TCHRD) berichtete.

Die Unruhen in der Himalaya-Region sind eine der größten Herausforderungen für die chinesische Führung seit Jahrzehnten. In Sichuan leben viele Tibeter. Dort kam es nach Beginn der Proteste in der tibetischen Hauptstadt Lhasa am 10. März wiederholt zu heftigen Ausschreitungen wegen der anhaltenden Besatzung Tibets durch China.

Festnahmen wegen Protesten in Lhasa

Die chinesische Polizei hat zudem 13 Tibeter wegen des Protestmarschs vom 10. März in Lhasa verhaftet. Wie die Zeitung "Xizang Ribao" am Dienstag berichtete, waren die Festgenommenen an einer Demonstration in der Nähe des berühmten Jokhang-Tempels im Herzen der tibetischen Hauptstadt beteiligt gewesen. Nach den Demonstrationen zum 49. Jahrestag des Aufstands der Tibeter gegen China hatten Unruhen begonnen, die am 14. März in schweren Ausschreitungen in Lhasa eskaliert waren. Nach offiziellen Angaben sind dabei 19 Menschen ums Leben gekommen.

Xinhua zufolge stellten sich im Kreis Aba insgesamt 381 an den Unruhen beteiligte Tibeter der Polizei. Dort waren am 16. März schwere Ausschreitungen gemeldet worden. Bewohner hatten von mindestens 18 in Aba durch Polizeischüsse getöteten Demonstranten berichtet.

China hat die offizielle Zahl der Toten mit bislang 22 angegeben. Die tibetische Exilregierung stellte indessen eine Bilanz von rund 140 Toten ins Internet. In einer Pressemitteilung werden die Namen von 40 Tibetern genannt, die seit Beginn der Unruhen ums Leben gekommen sein sollen. Ferner wird auf die Schwierigkeit hingewiesen, an zusätzliche Informationen zu gelangen. Gleichwohl heißt es dann weiter, insgesamt seien etwa 140 Tibeter getötet worden.

Polizei setzt Gewalt bei Demonstration in Nepal ein

Auch in Nepal gab es neue Proteste von Tibetern. In der Hauptstadt Katmandu löste die Polizei eine Demonstration gewaltsam auf, rund 100 Menschen wurden festgenommen. Die Aktion fand vor dem Visabüro der chinesischen Botschaft statt.

Trotz scharfer Kritik der Vereinten Nationen setzte die nepalesische Polizei Gewalt ein und nahm Dutzende Demonstranten fest. Die Festgenommenen wurden in Polizeifahrzeuge gezerrt und abgeführt. Insgesamt 71 Protest-Teilnehmer wurden der Polizei zufolge in verschiedene Strafanstalten gebracht. Die Polizisten setzten auch Schlagstöcke ein.

Bereits am Montag hatten die Behörden mehr als 400 Menschen in Nepal festgenommen. Daraufhin zeigte sich die Uno tief besorgt. "Solche Festnahmen stellen eine Form der unrechtmäßigen Diskriminierung dar", sagte der Vertreter des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCR) in Nepal, Richard Bennett. Insbesondere die Praxis von Festnahmen ohne Anklage sei gegen den Geist einer demokratischen Gesellschaft.

ffr/dpa/AP/Reuters

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