Protest gegen China: Zwei tibetische Mönche zünden sich selbst an

Der verzweifelte Protest gegen die chinesische Herrschaft erreicht erstmals Tibets Hauptstadt: In Lhasa haben sich zwei Mönche selbst angezündet. Einer soll ums Leben gekommen sein.

Peking - Es ist die erste Selbstverbrennung von Mönchen in der tibetischen Hauptstadt überhaupt: In Lhasa haben sich zwei Tibeter auf dem Pilgerweg um den Jokhang-Tempel selbst angezündet. Das bestätigte am Montag die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Einer der beiden Männer sei ums Leben gekommen. Der andere habe verletzt überlebt und liege in stabilem Zustand im Krankenhaus.

Als Reaktion wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft, wie der US-Sender Radio Free Asia (RFA) und andere Quellen berichteten. Polizisten und paramilitärische Kräfte seien in den Straßen zu sehen. Ein Hotelmitarbeiter berichtete der Nachrichtenagentur dpa telefonisch, dass es auch Personenkontrollen gebe.

Es ist erst die zweite Selbstverbrennung in der Autonomen Region Tibet selbst. Seit 2009 sind 35 Fälle bekannt geworden, in denen Tibeter sich selbst mit Benzin übergossen und angezündet haben, um gegen die chinesische Herrschaft zu protestieren. Davon waren 34 Selbstverbrennungen in tibetischen Gebieten in chinesischen Provinzen wie Sichuan, Qinghai oder Gansu.

China hat Tibet 1951 besetzt und kontrolliert die autonome Region sowie die anliegenden Provinzen mit harter Hand. Die Tibeter klagen seit Jahrzehnten über soziale und religiöse Diskriminierung.

yes/dpa

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1. Zweischneidiges Schwert
Dieter D. 28.05.2012
Zitat von sysopDer verzweifelte Protest gegen die chinesische Herrschaft erreicht erstmals Tibets Hauptstadt: In Lhasa haben sich zwei Mönche selbst angezündet. Einer soll ums Leben gekommen sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,835540,00.html
Auch wenn es eine schwierige Frage ist, da freie Presse von beiden beteiligten Seiten eher unerwünscht ist, sollte man Tibeter hier nicht gleich Tibeter setzen. Es sind wohl jene Tibeter, die ihre Führungs- und Machtpositionen, die durchaus Gesamtchinas Wirken in Sachen Gewalt und Unterdrückung noch übertreffen, die dort klagen und sich selbst verbrennen. Wer einmal in Lhasa / Tibet war weiß, dass tibetische "Mönche" mit iPhone am Ohr durch's Land ziehen, während der Rest der Bevölkerung sich über drei Reiskörner im Mund freut. Ein bischen kann man die Lage so beschreiben, als wenn in der finstersten Ecke der Eifel sich Priester und Mönche beklagen, deren Meinung dort noch deutlich mehr zählt, also im "Flachland", weil dort die Bunderegierung Infrasruktur ausbaut, die Wirtschaft ankurbelt und auf diese Weise Einfluss nimmt.
2.
wolfman11 28.05.2012
Wann wird das große Kulturvolk China endlich erkennen, dass es hier ein unwürdiges und himmelschreiendes Unrecht begeht und sich aus Tibet zurückziehen?
3. .
Jule25 28.05.2012
---Zitat--- Wann wird das große Kulturvolk China endlich erkennen, dass es hier ein unwürdiges und himmelschreiendes Unrecht begeht und sich aus Tibet zurückziehen? ---Zitatende--- Lese mal den Beitrag deines Vorredners. Ich denke der Vergleich mit der Wahl zwischen Pest oder Cholera ist im Fall Tibet sehr passend. Man kann sogar ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass die Tibeter heute mehr Freiheiten besitzen als vor der chinesischen Besatzung. Tibet stand damals was die Menschenrechte, Nahrungsmittelversorgung und die (Bildungs)armut angeht auf einer Stufe mit Nordkorea in der Mitte der 90er Jahre. Der einzige Unterschied war, das Kim Jong-il nicht so schön in die Kameras lächeln konnte wie der Dalai Lama. Und es wurde kein Propagandafilm "7 Jahre in Korea" gedreht ;-) Mit den Tibetern ist es ähnlich mit den Römern und den Germanen. Die Römer brachten Wohlstand, Bildung, Gesetz und Infrastruktur in die Barbarenländer und die Germanen? Die wollten es nicht! Von daher sollten wir die Chinesen einfach mal machen lassen. Die tibetische Kultur bleibt zwar auf der Strecke aber die Verbesserung der Allgemeinsituation der Menschen ist es mir Wert.
4. Frage des Völkerrechts endlich RICHTIG behandeln, SPON!
khid 28.05.2012
---Zitat--- Es ist erst die zweite Selbstverbrennung in der Autonomen Region Tibet selbst. Seit 2009 sind 35 Fälle bekannt geworden, in denen Tibeter sich selbst mit Benzin übergossen und angezündet haben, um gegen die chinesische Herrschaft zu protestieren. Davon waren 34 Selbstverbrennungen in tibetischen Gebieten in chinesischen Provinzen wie Sichuan, Qinghai oder Gansu. China hat Tibet 1951 besetzt und kontrolliert die autonome Region sowie die anliegenden Provinzen mit harter Hand. Die Tibeter klagen seit Jahrzehnten über soziale und religiöse Diskriminierung. ---Zitatende--- 1. Den völkerrechtlich anerkannten Staat Tibet hat es nie gegeben. 2. Demnach hat China 1951 keinen autonomen Staat besetzt, sondern einen archaisch, feudal regierten "Freistaat", der auch damals bereits uner chinesischer Protektion stand! WANN? wird die Weltpresse diese FAKTEN in ihrer Berichterstattung anerkennen? ...35 Selbstverbrennungen aus "religiöser" Überzeugung? So was könnte man auch ideologische Verblendung oder auch religiösen Fanatismus nennen... Der "Ozean der Weisheit" wird sicher weise drüber lächeln, dass die schrecklichen Nachrichten und Bilder aus Tibet die Weltöffentlichkeit wieder einmal für seine Sache einnehmen wird... ...und alle vergessen/ausblenden/verdrängen, das seine "Heiligkeit" in Wahrheit der Feudalherrscher über Tibet war, mit Hilfe der CIA bis Mitte der 1960er Jahre einen Guerrilla-Krieg führte und in den letzten Jahrzehnten so manchen weiteren Glaubenskrieg mit Toten und Verletzten! Die Welt sollte mal die Augen öffnen, denn mir dünkt: Sie sind in dem Bezug blind...
5. Tibet: 95% Unfreiheit
Fred_MUC 28.05.2012
Tibet, das war noch vor nicht all zu langer Zeit das Land mit Sklaven und Leibeigenen. Ein Land, das feudalistischen Mönchen und einer Beamten-Aristokratie im allertiefsten Mittelalter gehalten wurde. Leibeigene, die weggelaufen und wieder eingefangen wurden, wurden Brandmale mit dem Zeichen des Eigentümers auf die Stirn gebrannt wurden oder denen man zur Strafe Gliedmaßen abgehackt hat. Mit Leibeigenen konnte man Schulden bezahlen. Entsprechende Dokumente und Fotos gibt es dazu, daspasstallerdings nicht in die politische Landschaft, denn Tibet wird politisch gegen China verwendet - das Wasser aus Tibet versorgt knapp 2 Milliarden Menschen. Der Dalai Lama ist und sieht sich als Gottkönig, das heißt, Religion und Staat sind eines. Überall auf der Welt würden wir Zeter und Modrio schreien wenn ein Politiker einen Gottesstaat fordert. Bei dem netten und weisen Dalai Lama machen wir gerne eine Ausnahme. Tibet, das ist das Land, in dem 3-jährige Kinder ihren Familien entrissen wurden um als niedrige Mönche in Klostern Frondienste leisten zu müssen. Tibet ist das Land, in dem bis vor nicht all zulanger Zeit 90% der Bevölkerung Leibeigene waren und 5% Sklaven. Tibet ist nicht das wofür wir es gerne halten würden.
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