Nach Skandal um Affäre Abtreibungsgegner im US-Kongress tritt zurück

Der US-Politiker Tim Murphy ist erklärter Gegner von Abtreibungen - und soll Medienberichten zufolge seine Freundin dennoch zu einem Schwangerschaftsabbruch gedrängt haben. Nun tritt er zurück.

Tim Murphy (Archivbild 2014)
AP

Tim Murphy (Archivbild 2014)


Im US-Kongress hat ein entschiedener Abtreibungsgegner der Republikaner seinen Rücktritt eingereicht, der seine Geliebte selbst um einen Schwangerschaftsabbruch gebeten haben soll. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, sagte am Donnerstag, er habe ein entsprechendes Schreiben des Abgeordneten Tim Murphy erhalten.

Murphy habe sich entschieden, ein neues Kapitel seines Lebens aufzuschlagen, erklärte Ryan in einer Mitteilung. Er unterstütze das. Vor Journalisten sagte Ryan: "Ich habe in den vergangenen Tagen häufig mit Tim gesprochen. Ich denke, es ist angemessen, dass er sich nun einem nächsten Lebensabschnitt zuwendet."

Nach Bekanntwerden der außerehelichen Affäre hatte Murphy zunächst geplant, nach Ablauf seiner Amtszeit 2018 nicht mehr anzutreten. Keine 24 Stunden später reichte er nun seinen früheren Rücktritt ein, er soll am 21. Oktober in Kraft treten.

Die Zeitung "Pittsburg Post-Gazette" hatte mehrere Textnachrichten von Murphys Freundin veröffentlicht, die sie an den verheirateten Politiker aus Pennsylvania geschickt hatte. In einer Nachricht vom 25. Januar hält sie ihm den Widerspruch zwischen öffentlich-politischer Position und privater Haltung vor: "Du hast null Probleme, deine Position für ein Lebensrecht überall zu posten, genauso wie du vergangene Woche keine Probleme hattest, mich nach einer Abtreibung für unser ungeborenes Kind zu fragen, als wir dachten, das könne eine der Optionen sein."

Am Ende hätte sich zwar herausgestellt, dass die junge Frau gar nicht schwanger war, hieß es in dem Bericht der Zeitung. Doch der über Textnachrichten ausgetragene Streit zwischen beiden war in der Welt. Murphy habe die Anschuldigungen zurückgewiesen.

Der Politiker ist Mitautor eines Gesetzes, das die Abtreibungsvorschriften in den USA verschärfen soll. Es passierte vor wenigen Tagen das Repräsentantenhaus: 234 republikanische Abgeordnete stimmten für den Gesetzentwurf, nur zwei waren dagegen.

aar/dpa/AP



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