Ukraine: Timoschenko lehnt Boykott der Fußball-EM ab

Der Konflikt um die inhaftierte Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko spitzt sich zu, viele europäische Politiker stellen einen Besuch der Fußball-EM in Frage. Nun hat sich die Ex-Regierungschefin selbst zu Wort gemeldet: Sie hält einen EM-Boykott für eine "schlechte Idee".

Julija Timoschenko (Archivbild): Bittet darum, von einem Boykott der EM abzusehen Zur Großansicht
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Julija Timoschenko (Archivbild): Bittet darum, von einem Boykott der EM abzusehen

Kiew - Ihr Schicksal befeuerte wilde Diskussionen: Ist eine Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine denkbar, solange Julija Timoschenko in Haft bleibt? Bundeskanzlerin Merkel drohte mit einem Boykott, Bundespräsident Joachim Gauck, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sowie die Präsidenten von Österreich und Tschechien sagten Besuche in Kiew ab. Nun hat sich die in Haft erkrankte ukrainische Ex-Regierungschefin selbst zu dem Thema geäußert.

Bei einem Gespräch mit dem polnischen EU-Parlamentarier Jacek Protasiewicz erklärte die 51-Jährige, sie halte einen politischen Boykott der Fußball-Europameisterschaft für eine "schlechte Idee". Sie bitte darum, von derartigen Konsequenzen abzusehen, berichtete der polnische Politiker laut ukrainischen Medien, nachdem er die Oppositionsführerin im Krankenhaus von Charkow besucht hatte. Den Gesundheitszustand der Politikerin bezeichnete er als "schwierig". Timoschenko stehe "psychisch unter Druck".

Auch der ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch äußerte sich zu den Vorwürfen. Der Politiker bekräftigte, er sei bereit, "Rede und Antwort" zu stehen. "Allerdings beunruhigt mich der Ton, in dem diese Anschuldigungen aus der Europäischen Union zu uns kommen. Man behandelt uns wie Schuljungen", sagte der Staatschef, der als Timoschenkos schärfster Rivale gilt.

Kritik an der EU kam zudem von Außenminister Konstantin Grischtschenko. Das Co-Gastgeberland der Fußball-EM habe für ein Abkommen mit der EU zahlreiche Leistungen erbracht, sagte der Außenminister. Es sei enttäuschend, dass Brüssel das Abkommen jetzt wegen des Streits um den Fall Timoschenko auf Eis gelegt habe. "Wir haben die Assoziation verdient", betont er.

An diesem Montag soll in Charkow ein zweiter Prozess gegen Timoschenko fortgesetzt werden. In einem ersten umstrittenen Prozess wegen angeblichen Amtsmissbrauchs war sie bereits zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Nun drohen ihr wegen angeblicher Veruntreuung und Steuerhinterziehung in den neunziger Jahren weitere zwölf Jahre Haft.

Timoschenko klagt seit längerem über starke Schmerzen. Wegen der Erkrankung der Ex-Regierungschefin wird der aktuelle Prozess möglicherweise vertagt. Die Behörden beschimpfen sie allerdings als Simulantin, Ärzte der Berliner Charité hingegen haben bei einem Besuch in der Ukraine ein Rückenleiden diagnostiziert.

irb/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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1. optional
Ulrich Berger 20.05.2012
Welche Behoerden beschimpfen die Timoschenko als Simulantin? Wo, bitte, kann man das nachlesen? Weiterhin haben nicht die Aerzte der Charite "hingegen ein Rueckenleiden diagnostiziert", sie haben lediglich die Diagnose der ukrainischen Kollegen bestaetigt. Einmal sollte man sich vor Augen halten, dass diese Mutter Teresa es nicht fuer noetig erachtete, die Situation in den ukrainischen Gefaengnissen waehrend ihrer Regierungszeit zu verbessern - also sollte sie sich nicht beschweren, wie sie dort behandelt wird. Obwohl ich nach den Photos ueberzeugt bin, dass die eh in der Caviar-und Champagner-Klasse liegt. Den behandelnden Orthopaeden und Neurologen kann man nur wuenschen, dass sie diese "Dame" nicht operieren muessen - postoperativ sind ueber einen laengeren Zeitraum Schmerzen und physische Beeintraechtigungen normal. Was haben diese Aerzte wohl zu erwarten, wenn die Merkel, die Paten-Mama usw. etwas von Schmerzen hoeren? Wahrscheinlich finden die sich vor dem Welt-Menschenrechts-Gerichtshof wieder, ersatzweise setzt Obama die amerikanischen Mordkommandos in Marsch.
2. Vollständig abstrus...
doc 123 20.05.2012
Zitat von sysopDer Konflikt um die inhaftierte Oppositions-Politikerin Julija Timoschenko spitzt sich zu, viele europäische Politiker stellen einen Besuch der Fußball-EM in Frage. Nun hat sich die Ex-Regierungschefin selbst zu Wort gemeldet: Sie hält einen EM-Boykott für eine "schlechte Idee". Timoschenko lehnt Boykott der Fußball-EM in der Ukraine ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,834069,00.html)
.. was sich offensichtlich rechtmäßig Inhalftierte in einem Land wie der Ukraine in der Öffentlichkeit herausnehmen dürfen. Die Idee unrechtmäßige Bereicherungen oder Veruntreuungen während eines Staatsamtes unter Strafe zu stellen, halte ich auch für die Bundesrepublik für eine augesprochen gute Idee. Die hiesigen Verantwortlichen halten sich offensichtlich trotz Millionen- und Milliarden offensichtlich in einem "demokratischen" System immer noch für viel zu sicher und nicht für angreifbar, einfach NUR unfassbar. Zur Sache: "Die Behörden beschimpfen sie allerdings als Simulantin" Absolute Zustimmung, insbesondere schon was diese geradezu lächerlichen Erytheme an den Armen und am Unterbauch betrifft, die der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Als ich diese erstmalig sah und die entsprechenden Kommentare in den Medien und im Staatsfernsehen, konnte ich es einfach nicht fassen! Daraufhin auf Foltermaßnahmen zu schließen ist an Absurdität kaum zu überbieten. Dass sich dann noch ausgerechnet deutsche Ärzte für diese offensichtliche Kriminelle vereinnahmen ließen ist ebenfalls unfassbar. Wieder einmal von der Charite, die sich selbst bei der Unterstützung der verurteilten Doperin Pechstein auch nicht gar zu blöde waren, ganz sicherlich nicht umsonst, entsprechend absurde Verlautbarungen zu tätigen. Offenbar sind diese jedoch mittlerweile "glücklicherweise" wieder abgereist, da sich Timoschenko offenbar ganz bewusst nicht helfen lassen will, wobei ich zudem ganz sicherlich davon ausgehe, dass die Ärzte der Charite nicht abgereist wären, wenn tatsächlich ernsthafte Probleme bestanden hätten!
3. Waterloo
rurik 20.05.2012
Zitat von sysop..Nun hat sich die Ex-Regierungschefin selbst zu Wort gemeldet: Sie hält einen EM-Boykott für eine "schlechte Idee". Timoschenko lehnt Boykott der Fußball-EM in der Ukraine ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,834069,00.html)
Hoppla, das kann man ja ein Waterloo für die Berufsheuchler nennen, wenn nun auch das unterstützte "Opfer" von dieser Boykottidee abrät. Vermutlich hat Frau T. gemerkt, dass so etwas in der Ukraine gar nicht gut ankommt und sie damit nur noch letzte Sympathien verspielt..
4.
Ulrich Berger 20.05.2012
Zitat von doc 123.. was sich offensichtlich rechtmäßig Inhalftierte in einem Land wie der Ukraine in der Öffentlichkeit herausnehmen dürfen. Die Idee unrechtmäßige Bereicherungen oder Veruntreuungen während eines Staatsamtes unter Strafe zu stellen, halte ich auch für die Bundesrepublik für eine augesprochen gute Idee. Die hiesigen Verantwortlichen halten sich offensichtlich trotz Millionen- und Milliarden offensichtlich in einem "demokratischen" System immer noch für viel zu sicher und nicht für angreifbar, einfach NUR unfassbar. Zur Sache: "Die Behörden beschimpfen sie allerdings als Simulantin" Absolute Zustimmung, insbesondere schon was diese geradezu lächerlichen Erytheme an den Armen und am Unterbauch betrifft, die der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Als ich diese erstmalig sah und die entsprechenden Kommentare in den Medien und im Staatsfernsehen, konnte ich es einfach nicht fassen! Daraufhin auf Foltermaßnahmen zu schließen ist an Absurdität kaum zu überbieten. Dass sich dann noch ausgerechnet deutsche Ärzte für diese offensichtliche Kriminelle vereinnahmen ließen ist ebenfalls unfassbar. Wieder einmal von der Charite, die sich selbst bei der Unterstützung der verurteilten Doperin Pechstein auch nicht gar zu blöde waren, ganz sicherlich nicht umsonst, entsprechend absurde Verlautbarungen zu tätigen. Offenbar sind diese jedoch mittlerweile "glücklicherweise" wieder abgereist, da sich Timoschenko offenbar ganz bewusst nicht helfen lassen will, wobei ich zudem ganz sicherlich davon ausgehe, dass die Ärzte der Charite nicht abgereist wären, wenn tatsächlich ernsthafte Probleme bestanden hätten!
Fuer mich gehen Sie die Geschichte von der falschen Seite an. Es gibt kein Problem, es gibt nur etwas, das man so richtig als Ursache fuer eine Demonstration der Solidaritaet des Politiker-Gesindels benutzen kann. Was meinen Sie, was man moeglicherweise noch gefunden haette, wenn man hinter Wulff per Steuerfahndung etc. hergegangen waere - so, wie man es bei Ihnen wohl gemacht haette? Stattdessen bekommt dieser Herr fuer den Rest seines Lebens den jaemmerlichen Ehrensold. Der vermutlich erheblich hoeher ist als die Rente, die der Buerger nach 40-jaehriger Arbeitszeit bezieht. Sehen Sie sich Baroso an, der ist befoerdert worden. Usw. Ergo: So unter uns Pastorentoechtern muessen wir schon zusammenhalten! Wie lange dauert es heute eigentlich in Deutschland, bis ein AOK-Buerger einen Termin fuer eine Laminektomie bekommt? Bei uns hier in Mexico sind es in den Sozial-Krankenhaeusern z.Zt. ca. 9 Monate. Und waehrend dieser Zeit haben die Betroffenen die gleichen Schmerzen und Behinderungen wie die Timoschenko.
5. keine simulantin?
martinxmartin 21.05.2012
klar ist sie eine simulantin. müsste doch mittlerweile jedem amateur aufgefallen sein. wieso hat sie sich denn vor einer untersuchung durch die deutschen ärtzte mit ihren anwälten beraten und dann auf eine behandlung verzichtet? wenn sie wirklich leiden würde, dann würde sie doch nicht deutsche ärtzte wieder zurückschicken, die nur wegen ihr in die ukraine gereist sind. und wenn die em wegen ihren simulationan nicht in der ukraine stattgefunden hätte, dann wäre es für ihresgleichen doch das endgültige ende in der politik. man kann sich nur wundern, was für ein reinfall diese frau für deutschen medien war.
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Fußball-EM in der Ukraine: Hoeneß kritisiert ukrainische Regierung

Fläche: 603.700 km²

Bevölkerung: 45,553 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef einer Übergangsregierung: Arsenij Jazenjuk (zurückgetreten); Volodymyr Hroisman (amtierend)

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