Kiew - Der Prozess wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung läuft noch, da wird die ukrainische Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko offiziell des Mordes verdächtigt. Die inhaftierte Oppositionsführerin werde verdächtigt, den Mord an dem Abgeordneten Jewgen Schtscherban im Jahr 1996 organisiert zu haben, sagte Generalstaatsanwalt Viktor Pschonka am Freitag bei einer Pressekonferenz.
Die Ermittlungen zeigten, dass Timoschenko den Mord gemeinsam mit Ex-Regierungschef Pawlo Lasarenko in Auftrag gegeben habe. Die Politikerin gelte nun offiziell als Verdächtige. Sollte sie für schuldig befunden werden, drohe ihr lebenslange Haft. Lasarenko sitzt derzeit in den USA im Gefängnis.
Die ukrainische Staatsanwaltschaft hatte im Dezember erklärt, den Auftrag zu dem Mord habe ein Unternehmen Timoschenkos bezahlt. Schtscherban war mit seiner Frau am Flughafen der ostukrainischen Stadt Donezk erschossen worden. Schtscherban und Timoschenko mischten damals im lukrativen Gasgeschäft mit. Auch der frühere Regierungschef Pawel Lasarenko sei verwickelt, behauptete Generalstaatsanwalt Pschonka.
Die Oppositionsführerin bestreitet, etwas mit dem Fall zu tun zu haben. Ihr Anwalt Sergej Wlassenko nannte die Vorwürfe "absurd" und "lächerlich". Bei einer Verurteilung droht Timoschenko lebenslange Haft. Kritiker sehen die Strafverfahren gegen die Oppositionsführerin als politisch motiviert.
In Charkow protestiert die unter schweren Rückenbeschwerden leidende Ex-Regierungschefin seit elf Tagen gegen die Videoüberwachung in ihrem Zimmer und gegen das männliche Wachpersonal. Timoschenko schläft ihrem Anwalt zufolge im benachbarten Gesprächszimmer auf dem Boden.
heb/dpa/AFP
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